Kulmbach
Prozess

Immer wieder schlug er zu: Kulmbacher muss hinter Gitter

Alkohol und Aggression: Das Landgericht Bayreuth schickte einen Kulmbacher wegen wiederholter Körperverletzung ins Gefängnis.
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Dreimal während einer Bewährungszeit wurde ein 26-jähriger Kulmbacher straffällig. Jetzt muss er hinter Gitter. Symbolfoto: BR-Archiv
Dreimal während einer Bewährungszeit wurde ein 26-jähriger Kulmbacher straffällig. Jetzt muss er hinter Gitter. Symbolfoto: BR-Archiv

Alkohol und Aggressivität sind eine explosive Mischung. Damit hat ein junger Mann aus Kulmbach seit Jahren Probleme. Immer wieder schlug er zu - und stand mehrfach vor Gericht. Gestern auch wieder. Am Landgericht Bayreuth wurde über seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Kulmbach verhandelt, das ihn zu neun Monaten hinter Gittern verurteilt hatte.

Ein besonders heikler Termin für den 26-Jährigen: Denn sollte eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung ausgesprochen werden, so Rechtsanwalt Ralph Pittroff aus Kulmbach, sei damit zu rechnen, dass in zwei weiteren Verfahren die Bewährung widerrufen wird. Somit kämen noch mal neun Monate und ein Jahr hinzu. Der Verteidiger fragte: "Muss man den Angeklagten jetzt für zweieinhalb Jahre in Haft bringen?"

Mann hatte Alkoholverbot

Diesmal passierte es vor einem Jahr nach einem Besuch der Kulmbacher Bierwoche. Dort hätte sich der Mann gar nicht aufhalten dürfen. Denn für ihn galt ein Alkoholverbot - eine Abstinenzweisung als Bewährungsauflage.

Daran hielt er sich nicht. Er habe drei oder vier Maß getrunken, schätzte der Angeklagte. Mit dabei war seine damalige Lebensgefährtin oder schon Ex-Freundin - so genau war der Beziehungsstatus nicht geklärt. Jedenfalls ging man gemeinsam nach Hause, und der Mann übernachtete bei der Frau. Sie tat dann etwas, "das geht gar nicht", wie der Rechtsanwalt meinte: Sie checkte sein Handy und entdeckte Urlaubsbilder mit einer anderen Frau.

Geschrei und Rangelei

Sie weckte ihn und machte ihm Vorwürfe. Er war erbost, geriet in Rage. Es gab ein Geschrei und eine Rangelei. Dabei soll der Mann die Frau gedrosselt und ihr Haarbüschel ausgerissen haben. Auf den im selben Haus wohnenden und herbeigeeilten Bruder ging der Mann ebenfalls los und biss ihm in die Finger.

Als der Bruder in die Küche flüchtete, trat er die Tür ein und warf dessen Frau einen Geldbeutel an den Kopf, dass sie vom Stuhl fiel. Weil der Angreifer das Haus trotz Aufforderung nicht verließ, wurde die Polizei gerufen.

Gestern räumte der Angeklagte die Tatvorwürfe ein. Es blieb also bei vorsätzlicher Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen und Sachbeschädigung.

Die entscheidende Frage war: Wie ist der Mann zu bestrafen? Dabei kam ihm zugute, dass die Verletzten offenbar kein großes Interesse an der Strafverfolgung hatten. Die drei Zeugen bemühten sich, den Angeklagten nicht zu belasten. "Ich empfand es damals schlimmer als heute", sagte die Ex-Freundin. Man habe sich ausgesprochen.

"Nicht weiter tragisch"

Ihre Schwägerin erklärte, dass sie vor Schreck ausgerutscht und hingefallen sei. "Nicht weiter tragisch", meinte der Bruder. Eine Ansicht, die Staatsanwalt Stefan Hoffmann nicht teilte. Denn im Bundeszentralregister sind acht Vorstrafen für den Angeklagten eingetragen - sechsmal wegen Körperverletzung. Und bei der neuerlichen Tat stand der Mann unter doppelter Bewährung. "Sie begehen unter Alkoholeinfluss Straftaten am Fließband und sind höchst aggressiv", sagte der Staatsanwalt. Das Amtsgericht Kulmbach habe das einzig Richtige getan und keine Kettenbewährung eingeräumt. Auch die verhängte Freiheitsstrafe sei an der untersten Grenze. Hoffmann glaubte nicht, dass eine dritte Bewährung etwas bringt, und beantragte, die Berufung zu verwerfen.

Hochzeit und Meisterprüfung Der Verteidiger hielt eine allerletzte Bewährung für möglich. Der Angeklagte habe sein Leben jetzt im Griff und plane, im nächsten Monat zu heiraten. Mit einem Kurs bei der Suchtberatung wolle er sein Alkoholproblem in den Griff kriegen, und er sei beim Antiaggressionstraining angenommen worden. Der Mann habe eine gesicherte berufliche Stellung und sei für die Meisterprüfung im Elektrotechnikerhandwerk angemeldet. Pittroff: "Kann man ihn da jetzt herausreißen?" Der Angeklagte bat noch einmal um eine Bewährungschance. Er sprach von einem "Riesenfehler". Er bereue die Taten wirklich.

Kein Abschreckungseffekt

Aber das Gericht sah keine Möglichkeit für nochmalige Bewährung. "Dass bei den vielen Vorstrafen keine Geldstrafe rauskommt, war klar", stellte Vorsitzender Richter Torsten Meyer fest. Die Kammer bestätigte das Kulmbacher Urteil. Meyer: "Man muss irgendwann mal einen Schlussstrich ziehen. Es war das dritte Mal, dass Sie während einer Bewährungszeit straffällig geworden sind. Ein Abschreckungseffekt ist nicht eingetreten."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Denn die Verteidigung ließ es offen, ob sie in die Revision gehen wird.

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