Thurnau
Entdecker-Tour (133)

Im Thurnauer Wald gibt es eine Chronik in Stein gemeißelt

Auf einem Felsblock ist ein Stück Thurauer Geschichte verewigt. In Auftrag gegeben hat das außergewöhnliche Kunstwerk Manfred Jarosch.
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Im Thurnauer Wald steht dieser von Professor Peter Roman Heid künstlerisch behauene große Stein. Erich Olbrich
Im Thurnauer Wald steht dieser von Professor Peter Roman Heid künstlerisch behauene große Stein. Erich Olbrich

Östlich des Marktes Thurnau - Richtung Hutschdorf und Hörlinreuth - erstreckt sich der sogenannte Thurnauer Wald. Der Kasendorfer Unternehmer Manfred Jarosch (Maja-Werk) kaufte diesen 1984 von Johann-Christian Freiherr Hiller von Gaertringen. Ein Jahr später erhielt er eine besondere Attraktion: einen von Professor Peter Roman Heid künstlerisch behauenen großen Stein.

Peter Roman Heid absolvierte eine Bildhauerlehre als Holz- und Steinbildhauer und eine weitere Ausbildung als Keramiker, bevor er an der Hochschule für bildende Künste in München bei Josef Henselmann Bildhauerei studierte, später als dessen Meisterschüler.

Ein tonnenschwerer Findling

Der tonnenschwere Findling steht an einer Wegkreuzung im südöstlichen Bereich des Waldgebiets. Man sollte ihn von links nach rechts betrachten, denn der Bildhauer hat auf ihm die früheren Eigentümer des Waldes verewigt. Dazu benutzte er Zahlen, der jeweiligen Zeit angepasste Schriften, Namen und Wappen.

Die Geschichte der Waldbesitzer beginnt mit Carolus Magnus. Gemeint ist damit der König des Fränkischen Reiches, Karl der Große. Vermutlich wurde er 768 geboren und ist am 28. Januar 814 in Aachen gestorben.

1137 erstmals urkundlich erwähnt

Ein Reiter mit Bischofsmütze und Bischofsstab verweist auf den Ursprung Thurnaus. Der Ort ist laut einer Urkunde von 1137 auf die Zeit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahre 1007 durch Kaiser Heinrich zurückzuführen. Im 13. Jahrhundert empfingen die Herren von Förtsch, ein altes fränkisches Adelsgeschlecht, Thurnau mit Wald als Lehen.

1182 traten sie erstmals auf. Arnoldus de Menegowe stand im Dienst des Hochstifts Bamberg. Forsco de Menegowe, seit 1239 erstmals "de Turnowe", gehörte zu den fränkischen Dienstleuten der Herzöge von Meranien. Obwohl kein freies Herrengeschlecht, waren die Förtsche wohl einflussreich und begütert. Sie bauten das "Hus auf dem Stein", eine Turmburg, die heutige Kemenate, die man als Beginn des Thurnauer Schlosses betrachten kann.

Ihr Wappen ähnelt einem schräg gestellten fränkischen Rechen in Rot und Silber. Die Helmzier zeigt einen Bärenrumpf mit zwei nach oben erhobenen schwarzen Tatzen.

Keine männlichen Erben

Mit dem Tod des Georg von Förtsch erlosch das Geschlecht. Der umfangreiche Besitz fiel an die drei Töchter seines bereits 1551 verstorbenen Bruders Wolf von Förtsch: Ursula, vermählt mit Hans Friedrich von Künßberg, Anastasia, verheiratet mit Fuchs von Rügen, und Barbara , die Gattin von Hans Georg von Giech.

Während Anastasias Gatte Fuchs von Rügen abgefunden wurde, blieben Schloss und Land im Besitz der Adelsfamilien derer von Künßberg und derer von Giech. Damit wurden sie auch die Herren in Thurnau.

Die Wappen aller drei Familien sind auf dem von Heid bearbeiteten Stein zu finden. Links das der Künßbergs: eine eingebogene silberne Spitze auf blauem Grund. Mittig das der Fuchs': ein roter springender Fuchs auf goldenem Grund. Rechts das der Giech: zwei rote Schafscheren auf silbernem Grund.

Silberne Schwäne auf rotem Grund

1731 kaufte Karl Maximilian Graf von Giech den Künßbergs deren Thurnauer Besitz ab und war damit dessen alleiniger Besitzer. 1695 wurde die Familie Giech in den Reichsgrafenstand erhoben.

Auf dem Findling sehen wir das Stammwappen eingemeißelt. Es zeigt zwei aufrecht gestellte rote Schafscheren auf silbernem Grund und zwei silberne Schwäne auf rotem Grund. Auf dem Helm zeigt sich ein golden bekrönter, rot bekleideter Jungfrauenrumpf zwischen zwei Büffelhörnern, daneben ein auffliegender silberner Schwan.

Nach dem Aussterben der Giech im Jahre 1938 (Graf Carl Lothar verstarb kinderlos) erbte Baron Hiller von Gaertringen, aus der schlesischen Nebenlinie, den gesamten Giechschen Besitz. Deren geteiltes Wappen zeigt zwei senkrecht einander gegenüberstehende, voneinander abgekehrte Hellebarden.

Ein echtes Meisterstück

1984 kaufte Manfred Jarosch den Thurnauer Wald. Seine Initialen befinden sich auf dem Stein rechts oben. Darüber steht das Kaufdatum 1984, unten sehen wir ein Hirschgeweih mit drei Eichenblättern als Umrahmung. Der gesamte Felsblock ist ein Meisterstück der Bildhauerkunst. Mit ihm entstand neben vielen anderen schönen Stätten in dem Wald, wie zum Beispiel Brunnen und Bänken, ein weiterer Besuchermagnet.

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