Grafengehaig
Winter

Im Landkreis Kulmbach wartet man sehnsüchtig auf den Schnee

Am Walberngrüner Gletscher sind alle Vorbereitungen getroffen und man ist bereit für die Wintersaison. Was jetzt noch fehlt: der Schnee.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wilfred Vogel deutet an, wo die Loipe bald sein wird, wenn der Schnee dann mal da ist.Foto: Stefanie Gleixner
Wilfred Vogel deutet an, wo die Loipe bald sein wird, wenn der Schnee dann mal da ist.Foto: Stefanie Gleixner
+3 Bilder

Der Boden am Fußballplatz ist gefroren und die Bäume und Gräser sind überzogen mit kleinen weißen Kristallen. Wartet man ein paar Stunden, dann hat die Sonne ihren Beitrag geleistet und gezeigt, wer hier aktuell noch der stärkere ist. Bäume und Gräser haben ihren Naturton wieder und das ganze Spiel beginnt von vorne.

Dennoch zeigen die bereits aufgestellten Schilder, was hier bald möglich sein soll. "Wir haben alle nötigen Vorbereitungen getroffen, sind bereit für den Winter und warten eigentlich nur noch auf den Schnee", sagt Wilfred Vogel, Leiter der Skiabteilung SG Gösmes/Walberngrün.

Die Schilder zeigen die Langlauf-Loipen des Walberngrüner Gletschers. Sechs Stück gibt es davon insgesamt. "Unsere beiden Hauptloipen sind die Nummern 1 und 5. Die 1 bezeichnen wir auch als Sonnenloipe, weil sie komplett in der Sonne liegt, und die Nummer 5 ist unsere Flutlicht-Loipe. Die Masten dafür leuchten von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr", erklärt Wilfred Vogel.

Aber mit dem Aufstellen der Schilder ist es nicht getan: "Für alle Arbeiten brauchen wir zu dritt circa eine Woche." Büsche müssen in den Wäldern zurückgeschnitten, die Wiesen gemäht und die Maschinen gewartet werden. Die Wartung muss der Verein selber finanzieren. Jährlich belaufen sich die Kosten auf circa 4 500 Euro. Wie viel Schnee gefallen ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

"Letzten Winter konnten wir nur dreimal zwei Wochen Ski fahren, da wir mindestens 15 Zentimeter Schnee für unsere Loipen brauchen und es wenig Schnee gab", erzählt Wilfred Vogel. "Im Jahr davor war es anders. Da konnten wir alle Loipen spuren und über 100 Tage Betrieb machen."

Von den beiden Hauptloipen, die als erstes Schnee bekommen und dadurch immer geöffnet sind, zweigen alle anderen Loipen ab. Diese werden erst dann gespurt, wenn in diesen Bereichen genug Schnee liegt. Das ist nicht jedes Jahr der Fall.

"Unser Standort am Sportheim der SG Gösmes/Walbergrün ist ein sehr guter Standort. Selbst wenn es nirgendwo anders möglich ist, Langlauf zu betreiben - bei uns geht es. Wir sind das Oberhof des Kulmbacher Oberlands", sagt Wilfred Vogel stolz.

"Sobald genug Schnee liegt, beginne ich um 7 Uhr morgens mit dem Spuren der Loipen, entweder mit dem Motorschlitten oder mit dem Pistenbully. Auf unserer Internetseite ist die aktuelle Schneelage einsehbar, und man kann den Stand über die Webcam verfolgen", beschreibt der Vorsitzende, der seit 1979 die Skisport-Abteilung betreut, den Tagesablauf.

Neben den Langlauf-Loipen gibt es auch noch einen Winterwanderweg und einen Rodelhang. Zum jährlichen Volkslauf wird auch Biathlon mit Laserpistolen angeboten. Und es gibt nun auch eine Loipenzusammenschluss mit dem Nachbarverein FC Wüstenselbitz (Landkreis Hof), so dass man auf beiden Anlagen langlaufen kann. Die Initiative dazu ging von den Grafengehaigern aus.

"Das ist eine Herzensangelegenheit, weil ich selbst auch gerne auf Langlauf-Skiern stehe. Und dafür lohnt sich auch die ganze Arbeit im Winter. Hoffentlich kommt bald der erste richtige Schnee, der dann auch liegen bleibt", wünscht sich Wilfred Vogel.

Auf baldigen Schneefall hofft auch Ludwig von Lerchenfeld: "Wir haben schon alles vorbereitet für den Skiliftbetrieb." Im Sommer hat der Lift seinen jährlichen Tüv erhalten.

In Heinersreuth wurden die Hänge gemäht, Bäume gesägt, die auf den Lift fallen könnten und alle Maschinen gewartet. "Die anfallenden Kosten sind immer gleich, unabhängig davon, ob viel Schnee kommt oder nicht", sagt Ludwig von Lerchenfeld.

"Ich würde mir wünschen, dass Mitte Dezember endlich Schnee kommen würde, aber das kann man nicht beeinflussen", betont Lerchenfeld. "Oftmals dauert es bis Januar oder Februar, bis wir wirklich guten Schnee bekommen."

Die Langlauf-Loipen am Pressecker Schützenhaus warten ebenfalls schon auf den Schnee, wie uns auf Nachfrage in der Gemeinde mitgeteilt wurde.

"Letzte Woche wurden die Spuren gelegt. Wir benötigen 20 Zentimeter Schnee, um mit dem Betrieb starten zu können", sagte ein Sprecher.

Die Wartung der Flutlicht-Anlage und des Spurgeräts fallen als ständige Kosten an. "Dass es weniger Schnee gibt, ist kein neues Thema, das war im letzten Jahr auch schon so."

Auch für den Tourismus im Frankenwald ist der geringere Schnee kein Problem. "Wir sind nicht unbedingt eine Wintersport-Destination, deswegen ist der noch fehlende Schnee für den Tourismus nicht ausschlaggebend. Die Leute kommen nicht deswegen in den Frankenwald", erklärt Markus Franz, Geschäftsführer Frankenwaldtourismus.

Wandern, Indoorangebote und Thermen können in dieser Zeit tolle Aktivitäten sein, die auch ohne Schnee Spaß bringen. "Schade ist es für die Einheimischen, die hier im Umland gerne Ski fahren würden und es nicht können und auch für die Betreiber von Wintersport-Anlagen", sagt Markus Franz.

Wintersport im Landkreis Kulmbach:

Wintersportzentrum Walberngrüner Gletscher: Startpunkt am Sportheim der SG Gösmes/Walberngrün. Sechs Loipen, die auch für Anfänger und Kinder geeignet sind. Flutlichtloipe von Dienstag bis Freitag 17.30 - 20.30 Uhr befahrbar. Sonntags ab 14.30 Uhr hat das Sportheim geöffnet. Den aktuellen Schneestand gibt es unter www.walberngruener-gletscher.de.

Skilift und Langlauf in Presseck: Skilift in Heinersreuth und Startpunkt der Langlauf-Loipen am Schützenhaus in Presseck. Skilift freitags ab 13 Uhr und samstags und sonntags 10.00 - ca. 17.00 Uhr geöffnet.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren