Kulmbach
Stadtbrand

Im Kulmbacher Rathaus fehlt was

Für das aufwendig sanierte Kulmbacher Rathaus haben sich am Tag der offenen Tür und in den Wochen danach Tausende von Besuchern interessiert. Wohl kaum einer aber hat bemerkt, dass ein Ausstattungsdetail aus der jüngeren Vergangenheit jetzt fehlt: Das Buntglasfenster mit Max Wilds Darstellung des Konraditags.
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Das von der Familie Heinlein gestiftete Buntglasfenster vom Stadtbrand am Konraditag 1553 - Entwurf Max Wild -  ist nach der Rathaussanierung aus dem Treppenhaus entfernt worden.  Foto: privat
Das von der Familie Heinlein gestiftete Buntglasfenster vom Stadtbrand am Konraditag 1553 - Entwurf Max Wild - ist nach der Rathaussanierung aus dem Treppenhaus entfernt worden. Foto: privat
Rundschau-Leser Volker Matern ist es aufgefallen: "Das sanierte Rathaus ist sehr schön geworden. Aber das Buntglasfenster im Treppenhaus mit der Darstellung des Konraditags 1553, eines der bedeutendsten Ereignisse in der Stadtgeschichte, ist nicht mehr da. Die von der Farbgebung und Komposition beeindruckende Darstellung der brennenden Stadt Kulmbach ist im Treppenaufgang zum ersten Stock zu sehen gewesen."

Volker Matern hat Recht mit seiner künstlerischen Einschätzung: Der Entwurf des Buntglasfensters, das 1962 von der Familie Heinlein zur Erinnerung an den Namensgeber der Firma, Georg Heinlein, gestiftet worden ist, stammt von dem bekannten Kulmbacher Künstler Max Wild (1911 - 2000). Als "künstlerisch sowie handwerklich eindrucksvoll" bewertet der damalige Stadtschulrat Max Hundt das Buntglasfenster. Auch OB Wilhelm Murrmann spricht bei der Feierstunde im Juni 1962 von einem vollendet gelungenen Werk des Künstlers Max Wild, des Glasermeisters Friedhelm Blasius und der Firmen Hans und Max Dörnhöfer. Es sei "ein Symbol für den Lebenswillen der fleißigen Kulmbacher Bevölkerung, die nach totaler Zerstörung aus Trümmerresten eine neue Stadt erbaute".

Brandschutz und energetische Gründe


Volker Matern fragt sich, wo sich das Bild jetzt befindet, und regt an, es wieder zu zeigen - wenn nicht am alten Platz, dann an einer anderen exponierten Stelle. Die Antwort kennt der Projektverantwortliche für die Rathaussanierung, Ralf Baumann vom Stadtbauamt. "Das Buntglasfenster ist bei der Sanierung des Rathauses abgebaut und fachgerecht eingelagert worden", erläutert er. Aus Gründen des Brandschutzes und aus energetischen Gründen habe man es an seinem alten Platz im Treppenhaus nicht mehr aufhängen können. Die Stadt, so Ralf Baumann, suche nach einer Möglichkeit, wie man es wieder zeigen und der Öffentlichkeit zugänglich machen kann.

Peter Heinlein, der Enkel von Georg Heinlein, bedauert es, "dass die Familie nicht von der Stadt informiert worden ist". Er geht davon aus, dass das Buntglasfenster wieder einen würdigen Platz bekommt - am besten im Rathaus, "denn die Stelle im Treppenhaus wurde ja damals bewusst ausgesucht".

Der streitbare Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, später auch Alcibiades genannt, führte ab 1552 Krieg gegen Nürnberg, Bamberg und Würzburg. Er wollte die Verhältnisse im Reichskreis Franken neu ordnen, um seine finanzielle und politische Lage zu verbessern. Sein Treiben ging vielen Reichsfürsten zu weit. Die fränkischen Bistümer und die Reichsstadt Nürnberg verbündeten sich und zogen gegen Albrecht zu Felde. Kulmbach und die Plassenburg wurden 1553 im 2. Markgräflerkrieg belagert.

Die Truppen der Bundesständischen, befehligt von Herzog Heinrich II. von Braunschweig, bezogen Stellungen rund um Kulmbach und schossen die Stadt sturmreif. Am Tag des heiligen Konrad, am 26. November, stürmten die Belagerer die Stadt. Während die markgräflichen Truppen selbst die Gebäude anzündeten, versuchten die Einwohner zu fliehen. Viele wurden erschlagen, verhungerten oder erfroren. Nur wenigen gelang die Flucht in benachbarte Fürstentümer. Am 21. Oktober 1554 wurde auch die Plassenburg geschleift.

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