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Kulmbach
Entdecker-Tour (166)

Im Kulmbacher Oberhacken liegt ein vergessener Stein

Ein besonderes "Wahrzeichen" im Kulmbacher Oberhacken erinnert an den Geistlichen Rat Johannes Popp.
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Der vergessene Stein an der östlichen Mauer des Platzes vor dem ULF-Pfarrzentrum. Foto: Erich Olbrich
Der vergessene Stein an der östlichen Mauer des Platzes vor dem ULF-Pfarrzentrum. Foto: Erich Olbrich
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An der östlichen Mauer des Platzes vor dem Pfarrzentrum und dem Kindergarten der Kirchengemeinde "Zu Unserer Lieben Frau" lehnt ein kaum wahrgenommener Stein. Es fällt schwer, die von Flechten überzogene Inschrift zu lesen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man den Namen Johannes Popp. Wer war dieser Mann?

Johannes Popp wurde am 10. Oktober 1880 in Bamberg geboren. Am 29. Juli 1906 erhielt er die Priesterweihe. Nach anfänglichen Stationen als Kaplan in Obertrubach, Röthenbach und in der Pfarrei Herz Jesu in Nürnberg war er als Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg eingesetzt.

Orgelempore vergrüßert

Für die katholische Kirchengemeinde Kulmbach war seine Berufung zum Pfarrverweser und später dann zum Stadtpfarrer der Gemeinde "Zu Unserer Lieben Frau" am 1. März 1921 eine sehr weitreichende und glückliche Entscheidung. Zahlreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten an der ULF-Kirche tragen seine Handschrift. So wurden 1924 die Orgelempore auf das Dreifache vergrößert und im Gewölbe das Patronatsbild von der Himmelfahrt Mariens angebracht.

Am Palmsonntag 1927 erwarb die Pfarrei als Erinnerung an Pfarrer Erlwein eine Paulus-Figur und brachte diese mit einer kleinen Gedenktafel an einer Säule auf der linken Seite des Kirchenschiffes an.

1935/36 veranlasste Pfarrer Popp eine größere Innenrenovierung. So wurden der Chor und das Gewölbe restauriert und die Chorfenster verlängert. An den Wänden des Kirchenschiffes wurden zeitgenössische Freskenmalereien von Kunstmaler Hans Beierlein angebracht. Die Malereien auf der rechten Seite zeigen biblische Darstellungen des Marienlebens und die auf der linken Seite verschiedene Zünfte unter dem Schutz der Gottesmutter. Dazu entstanden an der Kanzel farbige Porträts der vier Evangelisten.

Ein Baumeister

Eine wichtige Entscheidung traf Popp 1938, als er von der evangelischen Kirchengemeinde eine Fläche von 800 Quadratmetern neben der katholischen Kirche kaufte. Vorher hatte diese an einer Stelle gerade einmal 75 Zentimeter Abstand bis zur drei Meter hohen Mauer des Nachbargrundstücks gehabt.

Ferner erfolgte unter Johannes Popp der Bau einer Säuglingsstation, eines Kindergartens und einer Krankenpflegestation. Das sind heute die Gebäude des katholischen Pfarrzentrums und des Kindergartens im Oberhacken.

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte es der standhafte Geistliche nicht leicht. Zweimal wurde er verhaftet. Im Jahr 1942 musste er bis auf eine alle Glocken abgeben.

Mehrere Hilfsaktionen initiiert

Gleich nach Kriegsende startete er gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen, Dekan Kolb, mehrere Hilfsaktionen für die deutschen Kriegsgefangenen im Lager an der Flutmulde. Von 1946 bis 1947 versuchte er, im neu aufgestellten Stadtrat die Not für seine Kulmbacher zu lindern.

Nachdem sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahl der Katholiken in Kulmbach durch die vielen Flüchtlinge fast vervierfacht hatte, stellte er 1956 die Weichen für einen zweiten katholischen Kirchenbau. St. Hedwig am Galgenberg wurde am 22. September 1963 eingeweiht.

Während seines langjährigen Wirkens in Kulmbach hat sich Johannes Popp hervorragende Verdienste erworben, so dass er anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums am 30. Juni 1956 in einer eindrucksvollen Feierstunde im Parkhaus die silberne Bürgermedaille erhielt. Bereits vorher war er mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Kulmbach geehrt worden.

Ein leutseliger Freund

Viele kannten den Geistlichen Rat auch von einer anderen Seite, nämlich als leutseligen Freund in geselligen Stunden. Aber noch mehr gedenken seiner, weil er sie in Stunden tiefster Bedrückung aufrichtete, tröstete und ihnen mit Rat und Tat beistand. Seine ganze Kraft stellte er in den Dienst der Nächstenliebe.

Die Kulmbacher, egal welcher Glaubensrichtung sie angehörten, schätzten diesen aufrechten und toleranten Geistlichen. Als er 1957 in den verdienten Ruhestand versetzt wurde, war sein Nachfolger Pfarrer Johann Krauser.

Am 27. März 1964 ist Johannes Popp in Bamberg in seinem 84. Lebens- und im 58. Priesterjahr verstorben. Obwohl er ein Grab in Bamberg hatte, war es sein Wunsch, in sein geliebtes Kulmbach zurückzukehren, um hier seine letzte Ruhestätte zu finden.

Diese liegt auf dem Stadtfriedhof in jenem Bereich, in dem bekannte Persönlichkeiten wie die ehemaligen Oberbürgermeister Georg Hagen oder Wilhelm Murrmann ihre Gräber haben.