Kulmbach
Finanzierung

Im Herbst 2020 kann der Lehrbetrieb am Campus Kulmbach nun beginnen

Nachdem der Landtag den Etat des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst verabschiedet hat, kann der Lehrbetrieb im Herbst 2020 in Kulmbach starten.
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So könnte der Campus nach der Vorstellung des Büros Schirmer aussehen.Grafik Büro Schirmer
So könnte der Campus nach der Vorstellung des Büros Schirmer aussehen.Grafik Büro Schirmer

136 Millionen Euro sollen insgesamt für den Campus der Universität Bayreuth in Kulmbach investiert werden - ein Teil davon steht nach der Entscheidung vom vergangenen Mittwoch im Doppelhaushalt 2019/2020. Wie die Verantwortlichen von Universität und Stadt die Entscheidung kommentieren, welche Entscheidungen und Herausforderungen in nächster Zeit aktuell sein werden - dazu haben wir Gründungsdekan Stephan Clemens und Oberbürgermeister Henry Schramm befragt,

Wie kommentieren Sie diesen nächsten Meilenstein beim Aufbau des Campus Kulmbach?

Stephan Clemens: Mit dem Beschluss des bayerischen Landtags zum Doppelhaushalt 19/20 - und damit auch zu den Haushaltsmitteln im Ressort Wissenschaft und Kunst - ist nun ein wichtiger nächster Schritt gegangen. Die zugesagten Mittel und Stellen ermöglichen es der Universität Bayreuth, den geplanten Start der neuen Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit annähernd so umzusetzen wie geplant. Erste Stellen können nun endlich ausgeschrieben werden, und ein Start der Lehre im Oktober 2020 ist realisierbar. Der Aufbau von Fakultät und Campus Kulmbach wird in mehreren Stufen erfolgen und hoffentlich bis etwa 2025 abgeschlossen sein. Dies setzt die Bereitstellung weiterer Mittel in den kommenden Doppelhaushalten voraus.

Henry Schramm: Die Gelder für den Uni-Aufbau waren vom Kabinett beschlossen, jetzt sind die ersten Teilmittel offiziell im Staatshaushalt verankert. Das gibt uns weitere Planungssicherheit und Handlungsfähigkeit. Diese Gelder können jetzt unmittelbar in den Aufbau des Uni-Standortes Kulmbach fließen. Vielen Dank an die Bayerische Staatsregierung, unsere heimischen Abgeordneten, die Universität Bayreuth und alle anderen Mitstreiter, dies sich für unser Kulmbacher Jahrhundert-Projekt einsetzen.

Was steht als nächstes an?

Stephan Clemens: Derzeit wird der Flächenplan für den Start am Campus Kulmbach den zur Verfügung gestellten Haushaltsmitteln angepasst, damit die Suche nach geeigneten Übergangslösungen durch die Immobilien Bayern (IMBY) erfolgen kann. Infrastruktur für Forschung und Lehre in den ersten Jahren muss aufgebaut werden. Gleichzeitig geht die Rekrutierung eines interdisziplinären Teams von Professorinnen und Professoren los, und die Konzepte für die ersten Studiengänge (u.a. Master of Science in Food Quality & Safety) durchlaufen den recht langen Gremienweg durch Universität und Ministerien.

Henry Schramm: Wir als Stadt sind hauptsächlich bei den infrastrukturellen Fragen gefordert. In Gemeinsamkeit mit der IMBY, den zuständigen Ministerien und der Universität wollen wir bei der Standortfrage weiterkommen und werden auch beim Bereitstellen von Übergangslösungen helfen. Daneben gilt es, die Stadt für die neuen Herausforderungen fit zu machen: Wir wollen eine große zentrale Kinderbetreuungseinrichtung bauen, Wohnraum schaffen, kulturelle Aktivitäten fördern, unsere Freizeiteinrichtungen weiter attraktivieren, unsere Radwege verbessern uvm.

Welche Hürden müssen noch genommen werden?

Stephan Clemens: Parallel zu den oben genannten Aktivitäten müssen die Arbeits- und Lebensbedingungen für Hochschulangehörige und Studierende weiter ausgebaut werden. Hierzu gehört von Seiten der Universität ein umfangreicher Willkommensservice. Zudem wird durch ein spezifisches, internationales Marketingkonzept auf Kulmbach und die neue Fakultät mit ihren besonderen Arbeits- und Studierfeldern aufmerksam gemacht, damit ein erfolgreicher Start nachhaltig den weiteren Ausbau bis 2025 unterstützt. Nicht zuletzt muss noch der Standort für den Campus Kulmbach festgelegt werden. Die Universität hofft weiterhin und zuversichtlich auf eine Lösung, die genügend Fläche für einen echten Campus mit Wachstumspotenzial bereitstellt.

Henry Schramm: Es ist eine Vielzahl an größeren und kleineren Herausforderungen, die wir tagtäglich angehen und versuchen zu lösen. Aber für das Ziel "Universitätsstadt Kulmbach" lohnt sich jede Anstrengung.

Der Campus Kulmbach - wichtige Daten und Fakten

20. Juni 2017 Das Bayerische Kabinett tagt in Kulmbach und trifft eine zukunftsweisende Entscheidung: Kulmbach wird Hochschulstandort. Der Ministerrat gab damit grünes Licht für ein von von Stadt und Universität Bayreuth gemeinsam entwickeltes Konzept für eine Life Science-Fakultät mit dem Schwerpunkt "Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit". Juli 2017 Die Stadt Kulmbach verliert keine Zeit und präsentiert der Spitze der Universität und Vertretern des Ministeriums Grundstücke, die für den Bau der neuen Fakultät in Frage kommen. Favorisiert wird wegen der Zentrums- und Bahnhofsnähe der Güterbahnhof. Als Alternativen waren der Kaufplatz, Flächen neben dem Max-Rubner-Institut, der Festplatz am Schwedensteg, die Spinnerei sowie Flächen im Umfeld des Mönchshofs im Gespräch. Juli 2017 bis Juni 2018 Konzeptarbeiten durch zwei hochkarätig besetzte Planungsgruppen, eine universitätsinterne und einen externen Beirat Dezember 2017 Die Stadt kauft die Spinnerei-Villa und einen Teil des Güterbahnhofsgeländes, wo das neue Live Science-Fakultätsgebäude entstehen soll. Im Pförtnerhäuschen arbeitet bereits Campus-Geschäftsführer Matthias Kaiser. Februar 2018 Die Bevölkerung wird bei einer Präsentation in der Stadthalle über den Stand der Planungen informiert. Mai 2018 Umzug in die Spinnereivilla. Dort entsteht das Verwaltungszentrum der Fakultät. Juli 2018 Die Finanzierung der Uni-Fakultät steht. Laut Beschluss des Kabinetts werden in den kommenden fünf Jahren 136 Millionen Euro in die neue Fakultät investiert. Die ersten Teilsummen sind im Doppelhaushalt 2019/20 eingeplant.

Oktober 2018 Die bereits seit 1980 bestehende, aber viele Jahre nicht mehr aktive Regionalgruppe Kulmbach des Universitätsvereins Bayreuth wird wiederbelebt. Zu den Mitgliedern gehören Stadt und Landkreis Kulmbach, mehrere Unternehmen und Privatpersonen. Januar 2019 Erste Vorlesung am Campus Kulmbach: 30 Studierende des Bayreuther Master-Studiengangs "Lebensmittel und Gesundheitswissenschaften" besuchen ein zweitägiges Blockseminar in einem Vortragsraum in der Spinnereivilla. 29. März 2019 Die Fakultät für Lebenswissenschaften (Campus Kulmbach) wird bei einer Feierstunde mit Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) in der Stadthalle offiziell eröffnet. Wo genau der Campus gebaut wird, steht noch nicht fest. Favorisiert wird seitens der Uni das Güterbahnhofsgelände. Verhandlungen mit der Kulmbacher Brauerei, der ein Teil der Grundstücke gehört, dauern noch an.

15. Mai 2019 Der bayerische Landtag verabschiedet den Haushalt des bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Damit sind weitere Mittel für den Campus Kulmbach freigegeben.

Ausblick Bis 2025 sollen in Kulmbach bis zu 1000 junge Menschen studieren und 22 Professuren etabliert werden. Forschungsfragen sind die kausalen Zusammenhänge zwischen Krankheitsrisiko und Lebensweise, der Einfluss von individuellen, kulturellen oder sozioökonomischen Faktoren auf die Gesundheit und die Versorgung der Menschen mit gesunden Lebensmitteln.Die Studiengänge, die in Kulmbach angeboten werden, gibt es so an keiner anderen Uni in Deutschland. Begonnen wird mit dem Master "Food Quality and Safety" (Start im Oktober 2020), Diesem soll möglichst bald ein zweiter Masterstudiengang folgen, "Global Food, Nutrition and Health". Beide Studiengänge werden interdisziplinär ausgestaltet sein und in englischer Sprache angeboten.

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