Unterbrücklein
Verkehr

Im Gewerbegebiet Unterbrücklein ist es "wie auf einem Rasthof"

Im Gewerbegebiet Unterbrücklein gibt es Ärger. Schwere Lastwagen, die Verbotsschilder nicht beachten, laden in der Sackgasse. Nicht nur zum Leidwesen der Anwohner, die sich wie Lkw-Fahrer Christian Bastam einen Wendehammer wünschen.
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Die Schilder machen unmissverständlich deutlich, dass schwere Lastwagen die Straße nicht befahren dürfen. Viele Lkw-Fahrer lassen das Verbot außer Acht. Fotos: Alexander Hartmann
Die Schilder machen unmissverständlich deutlich, dass schwere Lastwagen die Straße nicht befahren dürfen. Viele Lkw-Fahrer lassen das Verbot außer Acht. Fotos: Alexander Hartmann
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Lkw-Fahrer Christian Bastam ist müde - und spürbar genervt. Kein Wunder: Er hat einen langen Arbeitstag hinter sich, will seinen 40-Tonner nur noch abstellen. Doch das ist gar nicht so einfach. Der 46-Jährige ist auf der A 70 von Bamberg Richtung Hof unterwegs. Lkw-Stellplätze sind Mangelware. Der Rastplatz Paradiestal ist gesperrt, die Stellflächen am Autohof bei Thurnau sind besetzt. Die Lenkzeit hat er längst überschritten, und so bleibt dem Mann, der für eine Thüringer Spedition fährt, nur eines übrig: Er fährt bei Unterbrücklein von der Autobahn ab und sucht im dortigen Gewerbegebiet nach einer Parkmöglichkeit.

Nur sieben offizielle Stellplätze

Was Bastam dort vorfindet? Für Lkw-Fahrer alles andere als paradiesische Zustände. Die Zahl der offiziellen Stellplätze ist auf die sieben an der Tankstelle begrenzt. " Der Bedarf ist größer. Ich lasse auf unserem Areal nachts schon mal 13 bis 15 Lkw stehen", teilt Tankstellenbetreiber Thomas Neugebauer mit.

Das Wenden ist nicht einfach

Doch auch die reichen nicht aus, wie Christian Bastam weiß, der an diesem Abend leer ausgeht. Doch wohin? Wie viele seiner Kollegen lässt er Verbotsschilder außer Acht. Er fährt die Straße am McDonald's und den Verbrauchermärkten Müller und Aldi vorbei in Richtung Grauenthal - obwohl die für Fahrzeuge über 7,5 Tonen gesperrt ist und ein Schild darauf verweist, dass keine Wendemöglichkeit besteht. Doch wenden muss der 46-Jährige. Und so dreht er schließlich sein Gefährt mit einigen Mühen auf der engen Kreuzung, an der die Straße in die Gemeindeverbindungsstraße mündet, die von Unterbrücklein über Grauenthal nach Igelsreuth führt. "Das nervt", sagt Bastan, der mitbekommen hat, dass das Rangieren den Anwohnern ein Dorn im Auge ist.

"Das geht über 24 Stunden"

Die berichten, dass selbst Tanklastwagen und Autozüge in der Sackgasse landen. "Wir kommen uns vor, als würden wir auf einem Rastplatz leben", klagt Günther Stöcker, der in Grauenthal wohnt und wie seine Frau Christine unter dem Schwerlastverkehr leidet. Auch nachts. "Das geht über 24 Stunden", sagt Stöcker, nach dessen Worten das Gewicht der Fahrzeuge für die Gemeindeverbindungsstraße zu groß ist. "Die bricht an einigen Stellen auf."

Als Leidtragende sieht sich auch die Familie Strobel, die in Igelsreuth wohnt. "Beim Wenden blockieren die Lkw die Kreuzung. Wir werden da oft ausgebremst", berichtet Reinhilde Strobel. Sohn Rainer hat die Wendemanöver mit dem Handy gefilmt. Zu sehen sind Fahrer, die nachts an der Kreuzung verzweifeln, kaum die Wende schaffen, nicht selten einen Leitungsmasten touchieren.

Auch die Firma Strabag, die in Unterbrücklein eine Niederlassung hat, ist betroffen. "Die Lastwagen wenden auf unserem Firmengelände. Das ist ein Ärgernis", betont technischer Betriebsleiter Thomas Eggersdorfer und stellt fest: "Wenn die Lkw im Sommer bei über 30 Grad im Stand drehen, hält das der Asphalt nicht aus."

Die Lkw-Fahrer parken - oft auch über Nacht - am Straßenrand auf mehreren Hundert Metern Länge. An das geltende Parkverbot halte sich keiner, sagt Günther Stöcker: "Manche bleiben sogar über zwei Tage. Dort wird gegrillt, Wäsche aufgehängt, und jede Menge Müll bleibt liegen." Gemeinde wie auch Polizei seien über die unerträgliche Situation informiert worden. Man werde aber immer wieder nur vertröstet. Passiert sei bis dato nichts.

"Das wäre eine Lösung"

Wie man denn die Situation verbessern könnte? Ein Wendehammer wäre die Lösung, sagen die Familien Strobel und Stöcker. Zudem müssten die Kontrollen verschärft und die Fahrbahn in Richtung Grauenthal verengt werden, um Lastwagen das Passieren unmöglich zu machen. Ein Wendehammer? "Das wäre eine gute Lösung", pflichtet Lkw-Fahrer Christian Basam bei, der die Klagen verstehen kann. "Mir ist es ja selbst unangenehm, wenn ich auf der Kreuzung, die nicht für den Schwerlastverkehr ausgelegt ist, drehen muss", stellt der 46-Jährige fest, der seinem 40-Tonner halb auf dem Gehweg, halb auf der Straße abgestellt hat. Bastam führt diesmal eine Reihe von über zehn parkenden Lkw an, deren Fahrer die Nacht an der Straße in der Schlafkoje verbringen. Wie er haben auch seine Kollegen keinen offiziellen Stellplatz gefunden. "Was bleibt uns da anderes übrig. Wenn wir die Lenkzeit überschritten haben, müssen wir unsere Ruhezeiten halt einhalten", sagt der Thüringer, der auf die Anwohner "dann keine Rücksicht nehmen kann".

Das sagt die Gemeinde

Und was sagt die Gemeinde? Sie kennt das Problem, zumal der Entwässerungsgraben neben der Fahrbahn durch die Lkw ramponiert wird. Wie Bürgermeister Harald Hübner (CSU) erläutert, soll der Graben jetzt neu aufgebaut werden. In engem Abstand würden Leitpfosten aufgestellt, um zu verhindern, dass die Lastwagen künftig wieder durch diesen fahren.

Die Kommune spielt laut Hübner auch mit dem Gedanken, auf Höhe der Firma Strabag die Fahrbahn zu verengen. Ob es so gelingen wird, die Lkw aus der Straße herauszuhalten? "Das muss man sehen. Die richtige Lösung haben wird bisher leider noch nicht gefunden."

Hübner: Aufgabe des Bundes

Eine Option wäre es, im Zuge einer Firmen-Neuansiedlung im Bereich hinter der Tankstelle mit dem Bau einer Stichstraße eine Wendemöglichkeit zu schaffen, so Hübner. Für viel Geld auf eigene Kosten einen Wendehammer oder sogar Stellplätze zu schaffen, sei aber nicht Aufgabe der Kommune, sondern des Bundes. Wie Hübner mitteilt, gibt es Pläne der Autobahndirektion, den Autobahn-Parkplatz Rotmaintal auszubauen. Das könnte zu einer Entlastung für Lkw-Fahrer, Gewerbegebiet und Anwohner führen - allerdings erst in ein paar Jahren.

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