Kulmbach
Meinung

Ich geh' wählen - auf jeden Fall!

Gerade 18, politisch völlig ahnungslos und bis vor kurzem auch uninteressiert - mit diesen Eigenschaften passte ich wohl genau in die Zielgruppe, die die Veranstaltung "Geh' wählen!" ansprechen wollte. Warum ich trotz meiner politischen Abneigung zur Diskussion gegangen bin?
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Rundschau-Praktikantin Julia Schilling hat den Diskussionsabend genutzt, um sich zu informieren. Die 18-Jährige darf im Herbst zum ersten Mal wählen. Foto: Dagmar Besand
Rundschau-Praktikantin Julia Schilling hat den Diskussionsabend genutzt, um sich zu informieren. Die 18-Jährige darf im Herbst zum ersten Mal wählen. Foto: Dagmar Besand

Weil ich dieses Jahr zum ersten Mal wählen darf.Und auch wählen will. Wen oder was? Auf diese Frage wusste ich leider keine Antwort. Und leider wusste ich auch nicht, wer mir darauf eine Antwort geben könnte. Langsam wusste ich nicht mal mehr, ob ich überhaupt wählen gehen sollte. Da kam mir "Geh' wählen!" gerade recht: Ohne jegliches Vorwissen einfach mal hören, was lokale Politiker zu unseren Anliegen sagen. Und wie es schien, war ich nicht die einzige, die so gedacht hat: Die Veranstaltung war gut besucht.
Auch der erste Eindruck war schon mal nicht schlecht: Angenehme Atmosphäre, junge Moderatoren und ein eiskalter Caipi (natürlich alkoholfrei) - Meinetwegen konnte es los gehen:
Obwohl sich die Veranstaltung dann lange hinzog und es auch lange dauerte, bis der Stein für eine gute Diskussion endlich ins Rollen kam, war es wirklich interessant, den Gesprächen zu folgen. Vor allem deswegen, weil sich beinahe jede Partei zu dem Thema geäußert hat, das mir persönlich sehr am Herzen liegt: Wie kann ich Karriere und Familie unter einen Hut bringen? Die Erziehung meiner künftigen Kinder organisieren? Gibt's genug Kitaplätze? - Da konnte ich die unterschiedlichen Meinungen und Konzepte gut miteinander vergleichen.
Leider hatte ich bei anderen Antworten auf Publikumsfragen den Eindruck, dass viele Politiker nicht genug auf die Anliegen der Fragenden eingingen, sondern eher ihr Wahlprogramm vorstellten oder gegen andere Parteien stichelten. War das das Ziel der Veranstaltung? Ich glaube nicht.
Andererseits will ich hier nicht alle über einen Kamm scheren. Es gab auch einige Politiker, die wirklich gezielt unsere Fragen beantworteten, so dass man sich als junger Mensch mit seinen Ängsten und Wünschen schon verstanden fühlte. Und je mehr sich die Politiker konkret äußerten, desto mehr fragten und diskutierten auch wir. Hauptsächlich über Schule, Ausbildung und Zukunftschancen. Eben Themen, die uns in unserem Alltag beschäftigen. Themen, bei denen die Meinungen der Parteivertreter ausschlaggebend sind, ob wir sie wählen oder nicht. Eine Gefahr gibt es meiner Meinung nach dennoch: Politiker und Parteien genügend voneinander zu unterscheiden. Natürlich ist uns der junge Mann, der kaum älter scheint als wir, auf den ersten Blick sympathischer als einer, der steif wirkt und gar nicht unsere Sprache spricht. Freilich ist das Gesamtprogramm wichtig, nicht nur das einzelne Gesicht. Aber Fakt ist auch: Es waren die jungen Kandidaten, die gezielt auf uns eingingen und nicht nur runterplapperten, was sie sich vorab zurechtgelegt hatten.
Wen ich jetzt in acht Wochen wähle? - Um ehrlich zu sein: Keine Ahnung. Ob ich wählen gehe? - Auf jeden Fall! Bis dahin werde ich dann eben noch die Parteibroschüren studieren, die ich mir bei der Veranstaltung eingepackt habe.
Als 18-Jährige, die jetzt zumindest einen Hauch von Ahnung und Interesse an Politik hat, ist es meine Pflicht, wählen zu gehen. Und nicht nur meine!

Julia Schilling absolviert gerade ein Praktikum in der BR-Redaktion.
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