Hutschdorf
Theater

Hutschdorfer zeigen, was passiert, wenn Franken reisen

Die Hutschdorfer Theatergruppe feiert mit dem Stück "Spanien olé - Fast wie bei uns daheim" eine gelungene Premiere. Da machte das Zuschauen richtig Spaß.
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Ungereimtheiten müssen ausgeräumt werden; im Bild (von links) Sandra Zimmermann, Vanessa Adler, Michael Schuberth, Jens Rödel, Daniel Gardill, Stephanie Busch, Ute Hirschmann, Eberhard Einwag Horst Wunner
Ungereimtheiten müssen ausgeräumt werden; im Bild (von links) Sandra Zimmermann, Vanessa Adler, Michael Schuberth, Jens Rödel, Daniel Gardill, Stephanie Busch, Ute Hirschmann, Eberhard Einwag Horst Wunner
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So macht Zuschauen Spaß: Ungekünstelt, fränkisch derb, mit grandioser Mimik und einer Menge Charme überzeugte die Theatergruppe Hutschdorf bei ihrer Premiere im ausverkauften Saal des Hauses Bethanien. Sie präsentierte den Dreiakter "Spanien olé - Fast wie bei uns daheim" in knapp drei Stunden, eine turbulente, aufregende, mit vielen Bonmots gespickte Komödie. Das war Laienschauspiel auf gutem Niveau. Die Empfehlung gleich zu Beginn: hingehen und angucken, es lohnt.


Acht erfahrene Akteure und ein Neuling


Die acht erfahrenen Akteure und der Neuling Michael Schoberth vermochten spannungsgeladen und durchgängig Gegensätze zu lösen und in ein Happy-End zu führen. Wenn grundverschiedene Ehepaare mit ihren Kindern zum Urlaub ins gleichen Hotel auf der iberischen Halbinsel in Strandnähe fahren, sind Verwicklungen, Intrigen, andere Lebensgewohnheiten und Überraschungsmomente vorprogrammiert.

Da hat der deutsche Mann sein eigenes Bier und die Landjäger dabei, wird ein Raubüberfall fingiert, um den FKK-Besuch zu vertuschen, Pornohefte machen die Runde. Und es landet schon mal unverhofft eine Weißwurst zu oberbayerischer Musik im Mund der im Liegestuhl schlafenden Unternehmergattin. Oder der Fuß zur Kühlung in einem Eimer voller Sangria.


Ständiger Szenenwechsel


Es ist dieser ständige Szenenwechsel, das emotionale Hingeben der Hutschdorfer Theaterleute, die keine Grenzen scheuen. Nach langen Bemühungen, die oft zu scheitern drohen, ist der Deal perfekt: Evi darf beim Hotelier Pedro in Spanien bleiben, die Eltern geben den Segen. Mehr wird nicht verraten.
Auf dem Weg dorthin spielen die Hobby-Protagonisten ihre Qualitäten aus, erstaunlich selbst- und textsicher, Souffleuse Lara Krusch verbrachte einen ruhigen Abend. Dafür amüsierte sich das Publikum köstlich ob der schauspielerischen Talente.

Sandra Zimmermann mit einem großen Sprechpart, der alle Gefühlsregungen auslotete, brillierte als liebenswerte Cholerikerin, mal die rigorose Gattin und Mutter, mal die Grande Dame. Sie beherrscht viele Nuancen. Jens Rödel ist der Prototyp des deutschen Proletariers, der meint, im Urlaub dies ausleben zu müssen. Er zieht seine Fans magisch an in fränkischer Direktheit und Unbekümmertheit. Und Stephanie Busch verkörpert die typische Hausfrau, etwas zurückhaltend mit gelegentlichen Wallungen. Ihr ruhiges Naturell nimmt manchen Aktionen die Schärfe.

Genau zusammen passen das Liebespaar Vanessa Adler und Daniel Gardill: Sie temperamentvoll, ein Blickfang, der Wirbelwind; er zuvorkommender Gastronom mit sanfter Seele und sanfter Stimme, einer, den man mögen muss.


In Zeitlupe


Schwierige Komponenten hat Florian Reiers zu bewältigen, die löste er prächtig. Als tollpatschiger Bub, der in Zeitlupe redet, denkt und läuft, und den Standartsatz "Ja, Mama" zigmal wiederholt, so dass ihn sogar Zuschauer gegen Ende der Vorstellung spontan rufen.

Ute Hirschmann gefiel in der Rolle der Service-Kraft, ein bisschen provokant und unterkühlt. Großartig ihr Spanisch-Slang, schließlich hat sie diese Sprache im Gymnasium erlernt.


Das bewegende Element


Und einer darf nicht fehlen: der Regisseur und fast Profi Eberhard Einwag. Er ist das belebende Element, das Salz in der Suppe, das dem Stück zusätzlich Esprit verleiht. Die unschlagbare Mimik und Gestik, dieser schwer zu definierende Blick, das Rollen der Augen: Klasse!.

Neuling Michael Schuberth empfahl sich für weitere Aufgaben.Den geplagten Ehemann, unter der Fuchtel seiner resoluten Frau stehend, brachte er treffend aufs Parkett.

Schön auch das Bühnenbild, für eine durchdachte Technik sorgten Fabian und Christian Einwag. Fazit: Ein genussreicher Abend, der sich in die Erfolgsgeschichte der Theatergruppe einreiht, die es seit fast drei Jahrzehnten gibt.

Weitere Termine


Freitag, 6. April, und Samstag,7. April, jeweils um 20 Uhr; Sonntag, 8. April, um 15 Uhr (vorher gibt es Kaffee und Kuchen); Samstag, 14. April, um 20 Uhr. Alle Aufführungen finden im Haus Bethanien statt.
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