Kulmbach

AfD-Politiker Höcke in Kulmbach: 1000 Menschen bei Gegendemo - Zwischenfall in der Halle

Der Auftritt des umstrittenen AfD-Politikers Björn Höcke löste am Freitag eine starke Gegenbewegung in Kulmbach aus. In der Stadthalle kommt es am Abend zu einem Zwischenfall.
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Etwa 1000 Bürger demonstrieren gegen eine Kommunalwahlkampf-Veranstaltung der AfD in der Stadthalle in Kulmbach, bei der auch Björn Höcke spricht. Am 15. März finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Foto: Bodo Schackow/dpa
Etwa 1000 Bürger demonstrieren gegen eine Kommunalwahlkampf-Veranstaltung der AfD in der Stadthalle in Kulmbach, bei der auch Björn Höcke spricht. Am 15. März finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Foto: Bodo Schackow/dpa
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Etwa 1000 Menschen haben am Freitag vor der Kulmbacher Stadthalle gegen einen Wahlkampfauftritt des Thüringer AfD-Fraktionschefs Björn Höcke demonstriert.

Es ist ein Moment von bewegender Symbolkraft: Um 19.33 Uhr erklingen die Glocken von Spitalkirche, Petrikirche, Nikolaikirche, der Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau und der Kirchen in Mangersreuth und Ziegelhütten. Zwölf lange Minuten läuten sie - bis 19.45 Uhr.

Höcke in Kulmbach: Fast 1000 Menschen demonstrieren für Demokratie

1933 bis 1945 - eine dunkle Zeit in der deutschen Geschichte, an die Erinnerungen wach werden, wenn Demagogen vom Schlage eines Björn Höcke das Wort ergreifen. Der AfD-Rechtsaußen spricht am Freitagabend in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach. Draußen, auf dem Eku-Platz, haben sich annähernd 1000 Menschen versammelt, die schweigen, solange die Glocken läuten, sich spontan zu einem großen Kreis formieren: Protest gegen die AfD und ihre völkisch-nationalen Parolen. "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus" sagt der evangelische Dekan Thomas Kretschmar, als die Glocken verstummen.

Bereits ab 17 Uhr begann sich der Eku-Platz mit Teilnehmern des bunten Festes zu füllen, zu dem SPD, Grüne, FDP, CSU, WGK, Freie Wähler, Linke, Mut-Partei, Gewerkschaften, Kirchen und Künstler aufgerufen hatten.

Organisiert haben die Protestveranstaltung Matthias Hahn und Michael Otte. Die sind in unterschiedlichen politischen Parteien aktiv, der eine in der SPD, der andere in der FDP. Aber Parteizugehörigkeit soll an diesem Abend keine Rolle spielen, ebenso wenig wie Religion oder Nationalität. Was allein entscheidet: Das Bekenntnis zu Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit.

"Wir können seit 70 Jahren in Deutschland in Frieden und Freiheit leben, das haben wir dem Staatssystem der Demokratie zu verdanken", sagte der prominenteste Redner des Abends, FDP-Kommunalpolitiker Karl Schenk Graf von Stauffenberg. Teile der AfD seien angetreten, dieses System zu untergraben. Mitorganisator und FDP-Kreisvorsitzender Otte sagte: "Ich fordere alle verantwortlichen Politiker der demokratischen Mitte auf, mehr zusammenzurücken und einen respektvolleren Umgang untereinander zu pflegen."

Ähnlich äußern sich viele andere. Am offenen Mikrofon, aber auch in Video-Statements, die an eine Hauswand projiziert werden. Vertreter von Parteien, von Kirchen, Künstler, Gewerkschaftler, Mitarbeiter von Amnesty International - viele schließen sich dem Protest an. Es gibt Musikbeiträge, Poetry Slam und viele Statements. Auch die Türkische Gemeinde Kulmbach beteiligt sich an der Veranstaltung und schenkt Tee aus.

Der ist willkommen bei den Menschen, die zum Teil Stunden auf dem Eku-Platz ausharren. Andere bleiben nicht so lange. Es ist ein Kommen und Gehen.

Nicht alle kommen der Bitte nach, friedlich und ruhig zu demonstrieren und auf Krawall zu verzichten. An der Sutte, der Stadthalle zugewandt, hat sich eine Gruppe formiert, die mit lautstarken Parolen ihren Protest artikuliert.

Höcke-Auftritt: Starke Polizeipräsenz rund um die Stadthalle in Kulmbach

Eine starke Polizeipräsenz hatte sich schon früh am Abend rund um die Stadthalle formiert.

Viele, die die Höcke-Rede hören wollten, darunter auch Nicht-AfD-Anhänger, wurden mit lautstarken Parolen wie "Nieder mit der Nazi-Pest" oder "Faschistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt" auf dem Weg zur Halle angepöbelt.

Antwort mit dem "Stinkefinger"

So mancher AfD-Anhänger zeigte den "Stinkefinger", all die, die mit rechtem Gedankengut nichts am Hut haben und sich nur ein Bild vom Rechtsaußen der Partei machen wollten, nahmen die Beschimpfungen mit einem Lächeln an. Die kamen im übrigen nicht von Gegendemonstranten, die sich dem Bündnis unter dem Motto "Kulmbach für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit" angeschlossen hatten, sondern vor allem von Mitgliedern der Antifa, die nach Kulmbach gekommen waren. Diese hatten sich hinter dem Absperrgitter postiert, das Eku-Platz und Stadthalle trennte. Ein Aufeinanderprallen mit AfD-Anhängern verhinderten die Einsatzkräfte der Polizei, die in der Sutte starke Präsenz zeigte.

Im Laufe des Abends werden neben Hauptredner Björn Höcke weitere Redner der AfD sprechen, unter anderem der Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Kulmbach, Hagen Hartmann. Höcke gilt selbst innerhalb der AfD als Rechtsaußen und ist höchst umstritten. Als Fraktionschef im Thüringer Landtag hatte er maßgeblich an der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten mitgewirkt.

Stadthalle ist bis auf den letzten Platz besetzt: Kreisvorsitzender Hock spottet über Demonstranten

Um 18.50 Uhr ist die zulässige Kapazitätsgrenze der Halle erreicht, die 338 Plätze sind besetzt. Das gibt Kreisvorsitzender Georg Hock per Mikrofon bekannt. Besucher werden nicht mehr eingelassen. Viele warten aber ohnehin nicht mehr.

Gegen 19.15 Uhr begrüßt Hock, der sich selbst als AfD-Urgestein bezeichnet, die Besucher.

Er richtet einen Gruß auch an die Demonstranten draußen, "die hoffentlich frieren". Er wisse um die Öffentlichkeitswirkung der Veranstaltung mit Höcke. Und er ist es, der auf die Grundstücksgeschäfte von OB Schramm eingeht. "Man macht als Oberbürgermeister keine Geschäfte mit seiner Stadt. Das ist zutiefst unmoralisch."

OB-Kandidat Hagen Hartmann hält sich zunächst zurück in Sachen Lokalpolitik und wettert unter anderem über die Asylpolitik, als es zu einem Zwischenfall kommt. Eine junge Frau ruft dazwischen und wird des Saals verwiesen. Und ihr Freund gleich mit. Kreisvorsitzender Hock warnt: "Wer dazwischenruft, dem wird gnadenlos Hausverbot erteilt." Den AfD-Sympathisanten rät er: "Lassen Sie sich nicht provozieren."

Höcke ist noch gar nicht da

Eine Änderung im Programm gab es auch: Die als Rednerin angekündigte Christiane Christen ist erkrankt, für sie springt Linda Amon ein, beide gehören zu den Mitbegründerinnen der umstrittenen Bewegung Kandel ist überall. Hauptredner Björn Höcke war für 21 Uhr angekündigt.

mit dpa

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