Neufang
Jubiläum

Hochprozentiges mit langer Tradition

Die Schnapsbrennerei Steinlein feiert ihr hundertjähriges Bestehen. Gebrannt werden nur Früchte von der eigenen Streuobstwiese.
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Ein Quiz zum Jubiläum: Christian Steinlein (rechts) belohnt den Gewinnertisch der Stammgäste mit einem Destillat aus der hauseigenen Schnapsbrennerei. Foto: Werner Reißaus
Ein Quiz zum Jubiläum: Christian Steinlein (rechts) belohnt den Gewinnertisch der Stammgäste mit einem Destillat aus der hauseigenen Schnapsbrennerei. Foto: Werner Reißaus
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Seit 150 Jahren wird in der Gastwirtschaft Steinlein ein Brennrecht ausgeübt. Dieses Jubiläum wurde entsprechend gefeiert. Christian Steinlein, jüngster Nachkomme der Familie Steinlein, präsentierte aus diesem Anlass eine Probe aller Destillate aus der Hausbrennerei und verknüpfte das mit einem Wirtshaus-Quiz. Dass daraus am Ende der Tisch der Stammgäste als Sieger hervorging, kam nicht von ungefähr, denn die Gruppe um den früheren Hotelier Werner Herrmann gehört seit Jahren zu den Genießern und damit Kennern der Steinlein'schen Obstschnäpse.

Brennrecht seit 1869

Das Brennen in kleinen Brennereien, vorwiegend den Obstbrennereien, hat vor allem in Bayern eine lange Tradition. Johann Hans Herbert Steinlein war der erste Land- und Gastwirt, der 1869 das Brennrecht erhielt, das dann an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wurde. Es wurde damals auch mit dem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden.

Heute wird auf dem Hofe Steinlein keine Landwirtschaft mehr betrieben, sondern Herbert Steinlein konzentrierte sich ausschließlich darauf, die Gastwirtschaft zu einem Markenzeichen in der Region auszubauen, was ihm gemeinsam mit seiner Familie auch gelungen ist.

Mittlerweile hat Sohn Steffen die Nachfolge in der Gastwirtschaft angetreten und Sohn Christian hat sich zum professionellen Experten im Schnaps- und Whiskybrennen weitergebildet. Christian Steinlein: "Es hatte damals verschiedene Gründe, den Landwirten ein Brennrecht zu erteilen. So sollte ihnen eine weitere Einnahmequelle erschlossen werden, ein Nebenerwerb vor allem in den Wintermonaten."

Mit den Hausbrennereien sollte aber auch die wirtschaftliche Situation der Region insgesamt gefördert werden. Und so nebenbei bekam auch die "Obrigkeit" durch die Steuerabgaben mit 10,22 Euro pro Liter, ebenfalls zusätzliches Geld in die Kasse. Diese Steuerabgabe hat heute noch Gültigkeit.

In den Anfangsjahren war die Kontrolle gegenüber Schwarzbrennern, den sogenannten "Moonshiners", noch notwendig. Die "schwarzen Schafe" gehören aber inzwischen der Vergangenheit an.

Zur Brenngeschichte in "Eifing" berichtete Christian Steinlein, dass seine Vorfahren ein Abfindungsbrennrecht erhielten, das sich auf mehlige und nichtmehlige Stoffe wie Korn und Obst bezog. 300 Liter Weingeist dürfen in der Hausbrennerei Steinlein jährlich gebrannt werden. Das entspricht etwa 700 Litern Schnaps. Diese Menge werde aber nie ausgeschöpft, wie Christian Steinlein feststellte.

Qualität statt Quatität

Die erste urkundliche Erwähnung bezieht sich auf das Jahr 1794, wo das Brennrecht mit dem Haus verbunden war. Johann Hans Herbert Steinlein begann 1869 mit dem Brennen von Schnaps. Während früher nur mit Zwetschgen und Korn zwei Sorten gebrannt wurden, sind es heute mehr als zehn Sorten und ab dem Jahr 1982 galt in der Schnapsbrennerei Steinlein die Devise: Mehr Qualität statt Quantität.

Zwei Jahre später übernahm Herbert Steinlein die Gastwirtschaft und damit auch die Hausbrennerei. Die Herstellung wurde aufwendiger gestaltet, das Ergebnis durch die Obstauslese und das Nachreifen entsprechend hochwertiger, erläuterte Christian Steinlein den Gästen. "Allein bei den Mirabellen waren von Baum zu Baum Unterschiede erkennbar. Anfangs war es aber noch schwierig, den Schnaps im Dorfwirtshaus zu verkaufen."

Ein wichtiges Jahr für die Entwicklung war 1994, als die Brennerei umgebaut und vergrößert wurde und im gleichen Jahr die Anlage einer Streuobstwiese erfolgte." Mittlerweile stehen auf der Streuobstwiese über 200 Bäume, die die Früchte fürs Selbstgebrannte liefern. Auf der Wiese wachsen Äpfel, Birnen, Quitten, Mirabellen, Zwetschgen, Mispeln, Vogelbeeren, Kirschen und Wildkirschen. Es werden ausschließlich eigene Produkte gebrannt. Christian Steinlein: "Unsere Destillate entstehen seit 1869 bis heute ohne Zusatz von Zucker, und die Trinkstärke liegt bei uns bei 45 Prozent. Das ist die Trinkstärke der Genießer."

Knobeln und kreativ denken

Was Senior Herbert Steinlein an der Mitarbeit seines Sohnes Christian, der in der Oberpfalz als Pädagoge an einer Schule für Lernbehinderte tätig ist, schätzt: "Er hat Spaß am Schnapsbrennen und bringt immer wieder neue Ideen ein."

Das Wirtshaus-Quiz zur Jubiläumsfeier erforderte keine Antworten auf Wissensfragen in der Schnapsbrennerei, sondern es ging ums Schmecken, Raten, Schätzen, Zuhören, Knobeln und Kreativ sein. So galt es, das Gewicht von einem leeren Schnapsglas oder die Entfernung von "Eifing" nach Tokio zu schätzen: 12 302 Kilometer zu Fuß.

Nicht unerwähnt ließ Herbert Steinlein, dass mit Ablauf des 31. Dezember 2018 das Branntweinmonopol abgeschafft wurde. Die persönliche Erlaubnis zum Betrieb einer Abfindungsbrennerei erfüllt heute bereits dann die Anforderungen, wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb über zwei Hektar Ackerbau und einen halben Hektar Intensiv-Obstanbau verfügt.

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