Himmelkron
Prozess

Hitlergruß in Himmelkron kommt richtig teuer

Ein Fußballfan von Erzgebirge Aue pöbelte in Himmelkron gegen betende Moslems. Am Donnerstag stand er in Kulmbach vor Gericht.
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Ein Fußballfan aus Aue machte sich in Himmelkron mit dem Hitlergruß  strafbar. Damit brachte er auch die anderen Anhänger des FC Erzgebirge in Verruf. Foto: dpa
Ein Fußballfan aus Aue machte sich in Himmelkron mit dem Hitlergruß strafbar. Damit brachte er auch die anderen Anhänger des FC Erzgebirge in Verruf. Foto: dpa

Schon wieder Sachsen. Aktuell ist der Freistaat in den Schlagzeilen wegen des umstrittenen Polizeieinsatzes gegen ein ZDF-Team bei einer Demonstration der rechtspopulistischen Pegida-Bewegung in Dresden. Es geht um Behinderung der Pressearbeit.

In Himmelkron machten vor einem Jahr Fußballfans des westsächsischen Zweitligisten Aue Schlagzeilen. Erneut war eine Verbindung zum rechtsextremen Lager unverkennbar.

Niederlage beim Club

Auf der Heimfahrt vom Spiel in Nürnberg, wo der FC Erzgebirge mit 1:2 verloren hatte, hielten Anhänger der Violetten im Gewerbegebiet neben der Autobahn an. Beim Schnellrestaurant Burger King geriet man mit einer einer türkischen Reisegruppe aneinander. Die Moslems beteten.

Das passte einem Fußballfan nicht. Er musste am Donnerstag vor dem Amtsgericht Kulmbach erscheinen. Als Angeklagter.

Der Vorwurf lautete: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Eine sperrige Formulierung - gemeint war der Hitlergruß. "Er rief laut: Heil Hitler und Sieg Heil", sagte Staatsanwalt Christopher Feulner. Dabei reckte der Aue-Fan die rechte Hand nach oben. Das konnte jeder auf dem Parkplatz sehen und hören.

"Es stimmt", räumte der 26-Jährige ein, der auf einen Verteidiger verzichtete. Er sei aufgebracht gewesen wegen der Niederlage. Und mit 1,5 Promille ziemlich angetrunken. "Rausgerutscht" seien ihm die Nazi-Äußerungen. "Das hatte nix mit Fußball zu tun."

Rechte Gesinnung?

Ob er eine rechte Gesinnung habe, wollte Amtsrichterin Sieglinde Tettmannn wissen. "Ich habe meine Meinung", meinte der Mann. Aber mehr wolle er dazu nicht sagen. Er habe sich provoziert gefühlt.

Laut Bundeszentralregister hat der Angeklagte bereits drei Vorstrafen - darunter eine einschlägige, weil er Naziparolen gegrölt hatte. Eine weitere wegen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz: "Pyrotechnik - das war in Sandhausen", sagte er.

Auf die sechs geladenen Zeugen konnte das Gericht verzichten, weil der Angeklagte ein Geständnis abgelegt hatte. Was sich für ihn vorteilhaft auswirkte.

Nach nur 20-minütiger Verhandlung fällte die Richterin das Urteil. Sie verhängte die auch vom Staatsanwalt geforderte Geldstrafe: 90 Tagessätze mal 45 Euro - zusammen 4050 Euro. Das sind etwa drei Monatslöhne des Bauarbeiters. "Ohne Geständnis wären wir im Bereich von 120 Tagessätzen gewesen", erklärte Tettmann und gab dem Mann - völlig kostenlos - noch einen guten Rat: "Wenn Ihr Verein das nächste Mal verliert oder wenn sie sich provoziert fühlen, machen Sie etwas, das nicht strafbar ist."

Kommentar: Pardon ist nicht angebracht

Der Fußball hat ein Problem. Nein, das Desaster der Nationalmannschaft bei der WM in Russland und die Folgen mit Özils Rassismus-Vorwürfen sind diesmal nicht gemeint. Es geht um rechte Hooligans. Sie prügeln, pöbeln, randalieren und zeigen den Hitlergruß.

Das Problem hat der Fußball ziemlich exklusiv. Gehen Sie mal zum Handball oder zur Leichtathletik, zum Basketball oder zum Biathlon. Solche Gewalttäter findet man dort nicht. Diese Sportarten brauchen keine Polizei, um die echten Fans zu schützen. Man wird das Gefühl nicht los, dass der DFB und auch die Vereine zu wenig tun, um solche Straftäter endlich aus den Stadien zu verbannen. Pardon ist nicht angebracht. Das machte auch das Kulmbacher Gericht deutlich. Über 4000 Euro Geldstrafe tun dem rechten Pöbler richtig weh. Er sollte überlegen, dass er auch die andern Aue-Fans in Verruf bringt.



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