Kremitz

Himmelkron/Kremitz: Auf freiwilligen Lärmschutz verzichten?

Die Autobahndirektion Nordbayern will bei der Lanzendorfer Brücke freiwillig Erdwälle aufschütten lassen. Das würde vor allem den Ort Kremitz entlasten. Doch nicht alle sind mit den Planungen einverstanden.
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Bürgermeister Gerhard Schneider erläutert die Planunterlagen für die freiwillige Erdseitendeponie an der Talbrücke bei Kremitz. Fotos: Werner Reißaus
Bürgermeister Gerhard Schneider erläutert die Planunterlagen für die freiwillige Erdseitendeponie an der Talbrücke bei Kremitz. Fotos: Werner Reißaus
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Es gibt Widerstand gegen die geplante Lärmschutzmaßnahme am südlichen Widerlager der Autobahntalbrücke der A 9. Die Autobahndirektion Nordbayern will dort freiwillig Erdwälle aufschütten lassen.

Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) hatte kurzerhand zu einem Vor-Ort-Infotermin am Sonntagmorgen eingeladen, bei dem die Pläne und die rechtlichen Grundlagen dieser "Erdstoffseitendeponie" besprochen wurden. Dem Gemeindeoberhaupt ging es dabei um die Vorteile für den Ortsteil Kremitz und die befürchteten Nachteile.

Rund 50 Bürger waren mit den Vertretern des Gemeinderates der Einladung gefolgt.

Schneider stellte gleich klar: "Wenn die Bürger sagen, wir brauchen das nicht, dann es wird auch die nächsten zehn bis 20 Jahre keinen zusätzlichen Lärmschutz geben." Er machte deutlich, dass der Lärmschutz seit dem Bau der Talbrücke Lanzendorf ein Thema ist: "Eine wesentliche Verbesserung konnten wir erreichen, als bei der Baumaßnahme 2019 die Übergangskonstruktion umgestellt wurde. Es wurde auch der Lärmschutz auf der Seite zur Ortschaft Kremitz und in Richtung Kieselhof erneuert."

Planung geändert

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Schallschutz-Elemente der Talbrücke, die nach rund 20 Jahren ihre Halbwertzeit überschritten hatten, weiter bis zur Betriebsausfahrt verwendet werden, um an dieser Stelle die Lage zu verbessern.

"Bedauerlicherweise wurde das vom Bundesverkehrsministerium aus den Plänen und der Ausschreibung herausgestrichen." Der Bürgermeister stellte klar, dass laut Autobahndirektion der Erdwall die einzige Möglichkeit zur Verbesserung der Situation sei und es keine Verlängerung der Wände an der Brücke geben wird.

Im Spätsommer vergangenen Jahres hatte CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner mitgeteilt, dass die Gemeinde Himmelkron die Chance hat, eine freiwillige Verbesserung zu bekommen - im Zusammenhang mit der Verlegung der A 70 bei Thurnau. Von dort könnten größere Erdmengen zur Talbrücke bei Kremitz transportiert werden, um damit den Schallschutz zu optimieren.

Das hat der Gemeinderat Schneider zufolge am 24. September 2019 auch öffentlich beraten und beschlossen.

Bis die Ausführungspläne von der Autobahndirektion vorgelegt wurden, verging einige Zeit.

7000 Quadratmeter nötig

Die Pläne sehen im Wesentlichen eine Verbreiterung des Erdwalles vor, der vier Meter über Fahrbahnhöhe angelegt werden soll. Das hat zur Folge, dass dafür ein zusätzlicher Flächenbedarf von 7000 Quadratmetern erforderlich sein wird.

Schneider nahm danach in Absprache mit der Autobahnbehörde Kontakt zu den Grundstückseigentümern auf und erhielt von allen ein grundsätzliches Verständnis zur freiwilligen Lärmschutzmaßnahme.

"Für eine Wende sorgte dann aber Hans Spiller vor 14 Tagen, der sich als Sprecher bestimmter Menschen, die gegen den Lärmschutzwall sind, an unseren Dritten Bürgermeister Peter Aßmann gewandt hat und ihm zu verstehen gab, dass es in Kremitz auch Widerstand geben wird", so Schneider.

Der nahezu einhellige Tenor bei der anschließenden Diskussion ging dahin, die einmalige Chance eines freiwilligen Lärmschutzes zu ergreifen.

Hans Spiller gab an, im Auftrag der Bürger von Kremitz zu sprechen: "Einige Bürger im Dorf sind der Meinung, die Erddeponie brauchen wir nicht. Es müsste auch der Wald weg. Es ist ein Eingriff in die Natur."

Spiller wurde allerdings vorgehalten, dass er nur bestimmte Dorfbewohner befragt habe. Was den Wald angeht, wurde darauf verwiesen, dass dieser mit Schädlingen befallen und seine Lebensdauer begrenzt ist.

Stellvertretender Bürgermeister Harald Peetz (CSU) wurde deutlicher: "Wir haben die Chance, einen Lärmschutz für Kremitz und Lanzendorf sowie für Teile von Himmelkron umsonst zu bekommen. Die Autobahndirektion übernimmt sogar den Unterhalt. Ich verstehe nicht, wie man dagegen sein kann."

Gegenüber Hans Spiller sagte Peetz noch: "Ich hätte großen Respekt, wenn du heute sagen würdest, ich und mein Bund Naturschutz übernehmen die Patenschaft für den Hang und wollen dort Sträucher pflanzen. Aber nur, um sich zu profilieren, die Chance zu vergeben, den Lärm wegbringen, das verstehe ich nicht."

Die Meinung geändert

Klaus Merker räumte ein, dass er sich zunächst gegen das Vorhaben ausgesprochen habe, er nach den Informationen durch die Gemeinde aber überzeugt sei, dass die Maßnahme den Bürgern einen Vorteil bringt.

Gemeinderat Hans Matussek (CSU/FWG) hielt den Erdwall ebenso für die beste Lösung.

Auch MdB Emmi Zeulner appellierte an die Bürger, die Chance zu nutzen.

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