Himmelkron

Himmelkroner Bürgermeisterkandidaten im Gespräch: Es gibt Zwist - aber Gemeinsamkeiten

Die Himmelkroner Bürgermeisterkandidaten Gerhard Schneider (CSU) und Steffi Meile-Fritz (Bürgerliste) diskutieren über ihre Vorstellungen.
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Die Kandidaten Steffi Meile-Fritz und Gerhard Schneider im Gespräch.Foto: Jürgen Gärtner
Die Kandidaten Steffi Meile-Fritz und Gerhard Schneider im Gespräch.Foto: Jürgen Gärtner

Die Situation ist für beide Gesprächspartner ungewohnt: Gerhard Schneider (CSU), 2014 und 2008 mit jeweils deutlich über 90 Prozent der Wählerstimmen zum Bürgermeister gewählt, nun auf einmal mit einer Gegenkandidatin konfrontiert. Und Steffi Meile-Fritz, Kandidatin der neuen Bürgerliste Zukunft Himmelkron, ein Neuling in der Kommunalpolitik, die den Amtsinhaber herausfordert. Im BR-Redaktionsgespräch diskutieren beide miteinander.

Ein sachliches Gespräch, in dem Respekt für den jeweils anderen zu spüren ist. Zwar bleibt Gerhard Schneider der Wortführer. Das liegt in der Natur der Sache. Als langjähriger Bürgermeister hat der 56-Jährige einen deutlichen Informationsvorsprung. Seine Gegenkandidatin aber wartet mit einer ganzen Reihe von Ideen auf, kontert, wenn nötig, souverän. Immer wieder spricht Schneider von der "lieben Kollegin", versichert, an einer guten, sachlichen Zusammenarbeit im neuen Gemeinderat interessiert zu sein.

So viel Harmonie war nicht immer. Der Bürgermeister und die Vertreter der Bürgerinitiative, aus der die Bürgerliste vor wenigen Monaten hervorgegangen ist, hatten sich in der Vergangenheit mehr als einmal heftige Wortgefechte geliefert.

Einziges Thema damals: Das geplante neue Gewerbegebiet an der Bundesstraße 303, das die Gemeinde favorisierte und die Bürgerinitiative zu verhindern versuchte - und letztlich mit einem Bürgerbegehren knapp scheiterte.

Immer noch dagegen

"Wir sind immer noch dagegen", betont Steffi Meile-Fritz. In Sachen Gewerbegebiet stehe man noch ganz am Anfang, sagt Gerhard Schneider. Er erwähnt das "Debakel" mit dem Investor, der wieder abgesprungen ist. Nun brauche man zunächst einen neuen Erschließungsträger, um dann das Gewerbegebiet Zug um Zug aufzubauen. Interessenten gebe es - auch aus dem Bereich Handel und produzierendes Gewerbe.

Eng mit der Diskussion um das Gewerbegebiet hängt die Diskussion über die Verkehrssituation in Himmelkron zusammen. Auch danach fragt BR-Redaktionsleiter Alexander Müller, der das Gespräch moderiert. Der Bürgermeister macht keinen Hehl daraus, dass er sich einen Kreisverkehr wünscht, um die Situation im Bereich der Autobahnzufahrt zu entschärfen. Steffi Meile-Fritz sieht die Sache kritisch, will keinen radikalen Eingriff in die Natur wie etwa beim Bau der Ortsumgehung von Untersteinach. Schneider beruhigt: Mit Untersteinacher Dimensionen sei so ein Kreisel nicht vergleichbar. Zunächst allerdings werde es eine Verkehrszählung geben.

Dringlicher erscheint der Kandidatin der Bürgerliste ein bescheideneres Bauwerk: ein Fußweg von den Wohngebieten im alten Ort zu den Läden im bestehenden Gewerbegebiet. Auch Bürgermeister Schneider sieht die Notwendigkeit. Allein: "Für die letzten 60 Meter, die über Privatgrund führen, brauchen wir noch eine Lösung."

Nachholbedarf sehen beide Kandidaten in Sachen Nahverkehr. Zwar ist, wie Gerhard Schneider beschreibt, Himmelkron über die Bundesstraße 303 gut an die Bus-Achse Kulmbach-Neuenmarkt-Bischofsgrün angebunden. Von Himmelkron aus fließt aber auch viel Verkehr Richtung Bayreuth: "Da könnte die Verzahnung noch besser funktionieren." So sieht das auch seine Gegenkandidatin, die Probleme insbesondere bei der Beförderung von Schulkindern sieht. Sie regt ein Pilotprojekt an, um unter anderem auch die Schulen in Neuenmarkt und Trebgast besser anzubinden. Ruftaxis, autonomes Fahren, ehrenamtliche Fahrdienste - sie könnte sich viel vorstellen. Ihr Gegenkandidat signalisiert da prinzipiell Aufgeschlossenheit.

Nicht ganz so groß ist die Einigkeit bei der Frage, wie sich der Ortskern weiter entwickeln kann. Steffi Meile-Fritz bezeichnet ihn als "tot". Fast alle Geschäfte haben geschlossen, es gibt keine Gastwirtschaft, kein Café - und für die älteren Himmelkroner kaum eine Möglichkeit, zu Fuß zum Einkaufen gehen zu können.

Ideen hat die Bürgerliste hier viele: einen ehrenamtlich geführten Dorfladen zum Beispiel, oder einen Laden als Inklusionsprojekt, einen Wochenmarkt, auf dem heimische Bauern ihre Waren verkaufen. All das könnte auch ein Ort der Kommunikation sein.

 

Laden ohne Chance?

Gerhard Schneider kontert: Im Gewerbegebiete gebe es eine Vielzahl von Geschäften. Ältere Menschen könnten jetzt schon einen Fahrdienst nutzen. Eventuell seien die Betreiber der Geschäfte auch bereit, in einen Lieferservice zu investieren. Skeptisch gibt sich der Bürgermeister in Sachen Dorfladen: Wo Läden wegen mangelnder Kundenfrequenz zumachten, stelle sich die Frage, ob ein neuer Laden wirklich eine Chance habe.

Einigkeit herrscht dann wieder bei der Frage, wie es mit dem Himmelkroner Schloss weitergeht. Das hat die Diakonie an einen Investor verkauft, der sich zu seinen Plänen noch nicht geäußert hat. Steffi Meile-Fritz hat Sorge, dass da ein Abschreibungsmodell entsteht, kann sich vorstellen, dass in das historische Gebäude eine Pflegeeinrichtung oder eine Außenstelle der Universitäten Bayreuth oder Bamberg einzieht. Gerhard Schneider teilt diese Sorge, hält das Schloss für den idealen Ort für eine Senioren-Residenz, ein Tagungszentrum oder ein Hotel.

Die Themenpalette im Redaktionsgespräch ist breit gefächert: Es geht unter anderem um Kinderbetreuung und um die seit drei Jahren gesperrt Brücke über den Main zur Baille-Maille-Allee, die, so Schneider, bis Herbst endlich wieder freigegeben werden soll. Dass das so lange dauert, dass auch die von Ortskundigen als Ausweichstrecke genutzte Bahnbrücke "verrammelt" wurde, ärgert seine Kontrahentin. Vielleicht so sagt sie, hätte die Gemeinde ja eine Notbrücke bauen können.

Schließlich äußern sich beide Kandidaten noch zur künftigen Zusammenarbeit. Sie habe noch wenig kommunalpolitische Erfahrung, sagt die "Neue", die sich selbstbewusst gibt: Als Obermeisterin der oberfränkischen Fotografen-Innung und Lehrerin könne sie sich durchaus durchsetzen, sei gut vernetzt. "Ich denke schon, dass ich eine Bereicherung für Himmelkron bin." Und der amtierende Bürgermeister versichert noch einmal, dass er mit der Bürgerliste kooperieren wolle: "Mit ein bisschen gutem Willen von beiden Seiten können wir unsere Gemeinde vorwärtsbringen."

Die Kommunalwahl in Himmelkron im Überblick

Gemeinde 3 534 Einwohner, davon 2 939 wahlberechtigt (Zahlen vom 12. 11. 2019).

Wahllokale Grampphaus, Schule Himmelkron, Feuerwehrhaus Gössenreuth, Kindergarten Lanzendorf. Zusätzlich drei Briefwahlbezirke im Rathaus. Gemeinderat Auf 16 Gemeinderatssitze bewerben sich in diesem Jahr CSU/FWG, SPD, Freie Wähler Lanzendorf-Himmelkron-Gössenreuth und die Bürgerliste Zukunft Himmelkron

Ergebnisse 2014 Der einzige Kandidat, Gerhard Schneider (CSU), wurde mit 93,99 Prozent der Stimmen (1532 Wählerstimmen) im Amt bestätigt.

Bei der Gemeinderatswahl entfielen 58,02 Prozent der Stimmen auf die CSU, 21,83 auf die Freien Wähler Lanzendorf-Himmelkron-Gössenreuth und 20,15 Prozent auf die SPD. Die CSU hat im Gemeinderat derzeit 9 Sitze, die Freien Wähler 4 und die SPD 3.

Serie zur Kommunalwahl

Am Dienstag lesen Sie ein Interview mit Dagmar Keis-Lechner (Grüne/Offene Liste), die sich in Kulmbach um das Oberbürgermeister-Amt bewirbt.

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