Himmelkron
Schreiben

Himmelkroner Bürgerinitiative bittet Ministerpräsident um Unterstützung

Die Bürgerinitiative Himmelkron "Nein zum neuen Gewerbegebiet" hat sich an Ministerpräsident Söder mit der Bitte um Unterstützung gewandt.
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Als Sprecherin der Bürgerinitiative hat Wilhelmine Denk - hier bei der Podiumsdiskussion der Bayerischen Rundschau zu diesem Thema - an Ministerpräsident Markus Söder mit der Bitte um Unterstützung geschrieben.Archiv/Barbara Herbst
Als Sprecherin der Bürgerinitiative hat Wilhelmine Denk - hier bei der Podiumsdiskussion der Bayerischen Rundschau zu diesem Thema - an Ministerpräsident Markus Söder mit der Bitte um Unterstützung geschrieben.Archiv/Barbara Herbst

In dem Schreiben verweist Wilhelmine Denk als Sprecherin der Initiative und Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz auf den Bürgerentscheid gegen das neu geplante Gewerbegebiet Himmelkron Nord mit einer Fläche von 24 Hektar. Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, 26. Mai, statt.

Sie schreibt: "Wir sind erleichtert und erfreut, dass in Anbetracht des in allen Gesellschaftsschichten stattfindenden Disputes um die aktuellen Probleme betreffs Artenschutz, Klimaschutz und Reduzierung des Flächenverbrauches sich die politisch Verantwortlichen in Bayern an die Spitze der Bewegung setzen und die drängenden Probleme mit Beteiligten aus vielen Bereichen am Runden Tisch mit der Umsetzung des Volksbegehrens ,Rettet die Bienen' angepackt werden. Sie und Ihr Kabinett haben erkannt, dass diese einmalige Chance für die CSU in Bayern genutzt werden muss, um die Bürger, auch vor allem die Jugend, in ihrem politischen Engagement abzuholen."

Aber neben gesetzlichen Grundlagen, die geschaffen werden müssten, sei es dringend geboten, auch jetzt schon die Bürger, die sich vor Ort gegen weitere Flächenversiegelung und für den Schutz von landwirtschaftlichen Flächen und Naturreservaten einsetzen, zu unterstützen.

Weiter heißt es in dem Brief: "Der Ort Himmelkron hat 3500 Einwohner. Seit dem Jahr 1992 entstanden bereits auf 50 Hektar Fläche Gewerbegebiete, welche 2500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten. Davon werden 520 von Himmelkroner Bürgern selbst genutzt, 1980 Arbeitnehmer pendeln ein. Himmelkron liegt an der Autobahn A9 und an der B303. Es herrscht bereits jetzt ein sehr hohes, ständig zunehmendes Verkehrsaufkommen mit durchschnittlich ca. 73.000 Fahrzeugen täglich mit dem entsprechenden Verkehrslärm, Staus, Luft- und Lichtverschmutzung. Die Verkehrssituation mit den örtlichen Einmündungen in die B303 ist völlig unbefriedigend."

Nun solle, so die Bürgerinitiative, noch eine weitere landwirtschaftliche Fläche von 24 Hektar als Gewerbegebiet ausgewiesen und durch einen Investor erschlossen und vermarktet werden mit der Begründung, den Ort wirtschaftlich voranbringen zu wollen. "Dies würde die prekäre Verkehrssituation noch verschärfen und das fragliche Areal würde einer künftigen ökologischen Nutzung als wertvolle Fläche für immer entzogen."

Das Areal grenze an die alte Trasse der A9, die mit staatlichen Geldern renaturiert worden sei, als Ausgleichsfläche für den Neubau der Autobahn A9, so dass sich dort ein Biotop mit Bäumen, Sträuchern und einer unbearbeiteten Fläche mit einer großen Artenvielfalt an Vögeln und Niederwild über die ganze nördliche ehemalige Trasse im Ortsbereich Himmelkron zögen, welches im Falle einer Gewerbebebauung empfindlich gestört und durch mindestens eine stark befahrene Straße zerschnitten würde.

Die fränkische Linie und der Frankenwald, die hier betroffen seien, seien zu Recht unter Landschaftsschutz gestellt, hier dürften nicht noch mehr Gewerbebauten die Landschaft verschandeln.

"Ebenso würde sich die Lebensqualität der Himmelkroner Bürger weiter verschlechtern. Besonders betroffen hiervon ist der Ortsteil Gössenreuth, der dann von Süden bis Norden von der B303, Gewerbeflächen und der Autobahn mit der lärmintensiven Talbrücke umschlossen wäre", schreibt die BI weiter an den Ministerpräsidenten.

"Das Areal wurde im Jahr 1996 in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Seither hat sich aber die Situation in Bezug auf Artensterben, Klimaproblematik und Flächenverbrauch grundlegend geändert, so dass auch die kommunalen Entscheidungsträger gefordert sind, endlich umzudenken. Für den Ort Himmelkron besteht keine Notwendigkeit, noch weitere Arbeitsplätze zu schaffen, wenn man sich die Zahlen vor Augen führt. Himmelkron ist die Gemeinde mit der höchsten Wirtschaftsleistung in der Region und verfügt über weit mehr als zwei Millionen Euro Einnahmen jährlich. Außerdem stehen in anderen naheliegenden Gemeinden bereits erschlossene Gewerbeflächen zu Verfügung. Zum Beispiel im Markt Thurnau, 20 Autobahnminuten von Himmelkron entfernt und an der A70 gelegen, werden aktuell noch Gewerbeflächen angeboten."

Der Brief endet mit einem Appell an den Ministerpräsidenten: "Wir bitten Sie um Unterstützung unseres Anliegens und um Einflussnahme auf die örtlichen Entscheidungsträger, um weiteren Flächenverbrauch zu verhindern und die landwirtschaftlichen Flächen für die hiesigen kleinen Höfe zu bewahren, welche nicht weniger, sondern mehr Boden brauchen, wenn in Zukunft eine ökologischere Bewirtschaftung erfolgen soll. Denn der Boden ist eine der wichtigsten Ressourcen und auch von entscheidender Bedeutung für den Schutz bedrohter Arten, wie es der Gesetzentwurf aus dem Volksbegehren vorsieht, der nun umgesetzt werden soll. Hier sind sowohl die Kommunen als auch der Staat selbst in der Pflicht, dringend gegenzusteuern. "

In Kopie geht das Schreiben an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Umweltminister Thorsten Glauber, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, den Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, den Bezirkspräsident des Oberfränkischen Bauernverbands, Hermann Greif, an die Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands mit Geschäftsführer Harald Köppel, an Kreisobmann Wilfried Löwinger, die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner und an Landrat Klaus Peter Söllner.

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