Himmelkron
Protest

Himmelkron: Widerstand gegen Gewerbegebiet wächst

Naturschützer aus Himmelkron haben eine Bürgerinitiative gegründet. Die soll das geplante, 24 Hektar große Gewerbegebiet an der B 303 verhindern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das geplante Gewerbegebiet neben der B 303 in Himmelkron ist umstritten, der Widerstand wächst offenbar. Mitglieder der Ortsgruppe im Bund Naturschutz haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, um die Erschließung des rund 24 Hektar großen Areals zu verhindern.Archiv/Reißaus
Das geplante Gewerbegebiet neben der B 303 in Himmelkron ist umstritten, der Widerstand wächst offenbar. Mitglieder der Ortsgruppe im Bund Naturschutz haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, um die Erschließung des rund 24 Hektar großen Areals zu verhindern.Archiv/Reißaus

Der Widerstand gegen das in Himmelkron geplante, 24 Hektar große Gewerbegebiet an der B 303 gegenüber der Frankenfarm wächst offenbar. Nach der Informationsveranstaltung der Ortsgruppe im Bund Naturschutz, zu der im September rund hundert Bürger gekommen waren, machen die Verantwortlichen jetzt mobil. "Viele Anwesende zeigten sich besorgt, einige traten spontan dem Bund Naturschutz bei. Die Bereitschaft, unwiederbringliche, natürliche Ressourcen in erheblichem Umfang für ein fragwürdiges Bauvorhaben zu opfern, war bei den meisten Zuhörern nicht vorhanden", stellt BN-Ortsvorsitzende Wilhelmine Denk fest. Sie hat deshalb zusammen mit Andrea Jung und Dieter Hornfeck am 9. Oktober die Bürgerinitiative "NEIN zum weiteren Gewerbegebiet" ins Leben gerufen.

Versammlung am 6. November

Alle interessierten Bürger, auch Vereine und Institutionen, seien eingeladen, sich der Initiative anzuschließen. Dies bedürfe weder einer Mitgliedschaft noch der Zugehörigkeit zu einer Partei. Für 6. November um 19.30 Uhr sei die erste Versammlung im Gasthof Opel geplant.

"Neben einer kritischen Begleitung des Vorhabens und einer umfassenden Information der Bürgerinnen und Bürger zielt die Bürgerinitiative darauf ab, den Gemeinderat und die Bürgermeister zu einem Umdenken zu bewegen", sagt Wilhelmine Denk. "Es geht um die Zukunft und um das Image von Himmelkron!"

Ob bei den politisch Verantwortlichen in Himmelkron ein Umdenken einsetzt, ist freilich mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Zwar stellt Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) den Willen der Bevölkerung in den Vordergrund ("Wenn mehrheitlich gesagt wird, wir wollen das Gewerbegebiet nicht, dann haben ich und meine Verwaltung einen Haufen Arbeit weniger"), ist aber überzeugt davon, dass ein Teil der gleichen Leute der Gemeinde Vorwürfe machen wird, sollte in zehn Jahren eine wirtschaftliche Krise herrschen. "Ich habe noch nichts gehört, dass es zu wenig Arbeit gibt. Unsere Aufgabe ist es halt auch, ein bisschen in die Zukunft zu schauen", so der Bürgermeister, der darauf verweist, dass in Himmelkron dank seiner verkehrsgünstigen Lage in den letzten 20 Jahren rund 1500 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Und er fragt: "Warum haben denn die Häuser in Himmelkron immer noch ihren Wert?"

Vielfältige Nutzung angestrebt

Zum Stand der Verhandlungen mit dem Erschließungsträger, dessen Namen er nach wie vor nicht nennen will, erklärt Schneider, dass dieser einen Rahmenvertrag mit den Grundstücksbesitzern abgeschlossen habe und dann mit der Frage der Flächenaufteilung an die Gemeinde herangetreten sei.

Schneider verhehlt nicht, dass die Gespräche momentan "etwas stockend verlaufen", weil die Gemeinde gewisse Wünsche geltend gemacht habe. "Wir wollen ein Gewerbegebiet mit vielfältiger Nutzung, mit einer Mischung aus Logistik, Handel und produzierendem Gewerbe." Die Gemeinde könne sich auch vorstellen, einen Teil des Areals, vielleicht vier, fünf oder sechs Hektar, selbst zu kaufen.

"Kein Interessenkonflikt"

Einer der Verkäufer könnte dann stellvertretender Bürgermeister Harald Peetz (CSU) sein, der in dem geplanten Gewerbegebiet 5,5 Hektar landwirtschaftlichen Grund besitzt und dem seitens der Naturschützer hinter vorgehaltener Hand ein Interessenkonflikt vorgeworfen wird. Den sieht der stellvertretende BBV-Kreisobmann, der damit sehr offen umgeht, überhaupt nicht.

"Ja, man hat mir schon vorgehalten, unbedingt Millionär werden zu wollen. In Himmelkron haben schon viele Bauern Land verkauft, und da hat auch keiner etwas gesagt. Ich hätte es nicht nötig, meine Grundstücke zu verkaufen, weil ich Vollerwerbslandwirt bin und dies auch künftig bleiben will", betont Peetz und legt Wert auf die Feststellung, dass er hauptsächlich die Entwicklung der Gemeinde im Blick hat.

Es gebe dort 14,15 Grundstücksbesitzer, von denen er der einzige Vollerwerbslandwirt sei. "Deshalb wurde ich auch zum Verhandlungsführer ernannt. Wenn ich nicht mitgemacht hätte, würde aus dem Gewerbegebiet nichts werden. Ich habe mich engagiert, damit es in Himmelkron weitergeht", so Peetz, der sich inzwischen bereits landwirtschaftliche Ersatzgrundstücke gekauft hat - "nicht in Himmelkron, ich nehme da niemandem etwas weg".

Auch Peetz hüllt sich in Bezug auf die Identität des Erschließungsträgers in Schweigen. Nur so viel: "Er kommt aus dem Großraum Hannover."

Man darf nun gespannt sein, wie die Resonanz auf die Einladung der Bürgerinitiative ausfällt. Für Bürgermeister Schneider jedenfalls kommt die Aktion zu früh: "Es ist noch überhaupt nichts beschlossen, wir haben bisher nur Gespräche geführt."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren