Stadtsteinach
Millionen-Projekt

Hilferuf des passionierten Müllers aus Stadtsteinach

Dirk Partheimüller lebt und arbeitet in einem Museum. In der Stadtsteinach Kunstmühle mahlt er Getreide zu Mehl. Jetzt muss das Anwesen saniert werden.
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Die Kunstmühle in Stadtsteinach ist ein echter Blickfang, allerdings muss sie jetzt umfassend saniert werden. Foto: Sonny Adam
Die Kunstmühle in Stadtsteinach ist ein echter Blickfang, allerdings muss sie jetzt umfassend saniert werden. Foto: Sonny Adam
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Die Kunstmühle in Stadtsteinach ist ein echter Insidertipp. Sie liegt mitten im Ort, aber dennoch etwa versteckt. Zu Fuß erreicht man sie am besten durch den Stadtpark. Seit 1884 ist der Begriff "Kunstmühle" verbrieft. Doch das geschichtsträchtige Gebäude ist viele Jahrhunderte älter.

Schon um 1350 soll es an diesem Ort die sogenannte Pletzmul gegeben haben. In der Chronik der Stadtgeschichte ist im Verlauf der Jahrhunderte dann auch von der "Beytzmule" und von der "Plaitzmull" die Rede. Es handelt sich immer um die gleiche Mühle.

Den Namen Partheimühle trägt die Mühle seit 1800. Damals heiratete Eduard Partheymüller aus der Kienmühle in Altenkunstadt in Stadtsteinach ein.

"In der 18. Generation"

"Ich betreibe die Mühle jetzt in der 18. Generation", sagt Dirk Partheimüller und hofft, dass sein Sohn die Familientradition einmal fortsetzen wird, "der ist aber erst zwölf ".

Doch jetzt steht der 51-Jährige vor einer riesigen Aufgabe: Er möchte die Mühle sanieren. Sie soll eine neue Außenhaut bekommen. Nur so kann die Statik des markanten Walmdaches auf Dauer erhalten werden.

"Wir haben das Dach schon nachgebessert. Aber wir müssen etwas machen", erklärt Partheimüller und deutet auf dem Dachboden auf marode Balken. Auch eine Isolierung wäre sinnvoll.

Doch die Kosten - geschätzt werden sie auf rund 1,6 Millionen Euro - wären für den Betreiber untragbar. Deshalb hofft der Müller - einer der letzten seiner Art - auf Unterstützung.

"Uns ist die Kunstmühle wichtig. Sie ist ein herausragendes Bauwerk. Hier verbinden sich traditionelles Handwerk und Geschichte", sagt Landrat Klaus Peter Söllner. Er hat sich die Mühle angeschaut, um zu prüfen, was machbar wäre.

"Nicht mit 50 000 Euro getan"

"Wir können noch nicht mit Sicherheit sagen, was möglich ist. Eines ist aber klar: Wir versuchen mit aller Kraft, Hilfestellung zu leisten, und wir wissen auch, dass es in diesem Fall mit 50 000 Euro nicht getan ist", so der Landrat. Der Prozess werde sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auch der Stadtsteinacher Bürgermeister kämpft für die Mühle. "Wir sind dabei, die Weichen für ein neues Städtebauförderprogramm zu stellen", erklärt Roland Wolfrum. Im Klartext heißt das: Das Fördergebiet, das bislang auf den historischen Ortskern konzentriert war, soll auf die Fläche des Stadtparks und der Mühle ausgeweitet werden. Das gesamte Gebiet soll neu überplant werden. Wichtig wird dies vor allem dann, wenn die Bundesstraße nicht mehr durch den Ort führt. "Wir müssen für dieses Programm eine Gestaltungsfibel entwickeln. Das dauert sicher zwei Jahre", sagt Wolfrum.

Öffentliches WC?

Vorstellen könnte sich der Bürgermeister, dass die Scheune der Mühle, die sich auf der Bachseite zum Stadtpark hin befindet, umgebaut wird und dass dann diese private Maßnahme bezuschusst wird. Eventuell könnten öffentliche Toiletten in der früheren Schneidmühle untergebracht werden. Der Müller wäre bereit, der Stadt eine Nutzung für mindestens 25 Jahre zu gewähren.

"Die Architektin Martina Schwarz hat verschiedene Varianten überlegt - von der Außenhautsanierung bis zur Komplettsanierung", erläutert Klaus Bodenschlägel, Projektmanager im Landratsamt. Er ist guter Hoffnung, dass sich auch die Oberfrankenstiftung, das Amt für Denkmalpflege sowie der Entschädigungsfonds des Wissenschaftsministeriums finanziell beteiligten könnten. Doch das komme ganz auf das Konzept und die anschließende Nutzung an. "Es ist klar, dass diese Mühle ein ganz spezielles Bau- und Kulturdenkmal ist - denn sie ist ja bis heute lebendig", so Bodenschlägel.

"Gute Gespräche"

Doch in welchem Umfang saniert werde, müsse letztlich der Besitzer Dirk Partheimüller allein entscheiden. "Wir hatten schon gute Gespräche. Aber jetzt ist der Ball wieder beim Unternehmer. Er muss entscheiden, welche Investition zu schultern ist."

Dirk Partheimüller verarbeitet in "seiner" Mühle jährlich rund 1000 Tonnen Getreide zu Mehl. Er bietet auch Spezialmehle an. Von der einfachen Hausfrau, die Wert auf regionale Produkte legt, bis hin zur erfahrenen Küchlabäckerin klopfen alle an die Mühlentür von Dirk Partheimüller. Und die Beratung gehört für den immer gut gelaunten Müller dazu. "Mehl ist ja jedes Jahr anders", sagt er. Immer hat er einen Tipp parat.

Strenger Zeitplan

Persönlich hat sich der Müller für die Realisierung seiner Zukunftspläne einen strengen Zeitplan gesetzt. Bis Mitte nächsten Jahres soll die Finanzierung gesichert sein. "Noch ist alles nur eine Idee. Aber nächstes Jahr sollte es losgehen", sagt er. Im Zuge der Sanierung könnte auch ein Lädla entstehen, in dem das Mehl direkt verkauft wird.

Unterstützung hat auch die Bäckerinnung zugesagt. Obermeister Ralf Groß betont, dass die Kunstmühle die einzige in der Umgebung sei, die ausschließlich regionales Getreide verarbeitet.

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