Kulmbach
Initiative

Hilfe scheitert nicht am Geld

Die Firma Saum & Viebahn möchte die Situation Schlaganfall-Betroffener verbessern - mit einer 15.000-Euro-Spende für die Selbsthilfegruppe Kulmbach.
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Gruppentherapie bei der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe KulmbachBarbara Herbst
Gruppentherapie bei der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe KulmbachBarbara Herbst
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Von einem Tag auf den anderen ist alles anders: Ein Schlaganfall stellt das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen auf den Kopf. Gut, wenn man dann Menschen an seiner Seite hat, die helfen, Probleme zu meistern und den Weg zurück in ein normales Leben zu finden.
Um Betroffene zu begleiten, ihnen Mut zu machen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, wurde vor drei Jahren die Kulmbacher Selbsthilfegruppe Schlaganfall gegründet. Ab sofort hat die Gruppe die Chance, ihren Mitgliedern weit mehr zu bieten als bisher - dank einer großzügigen Geldspende.


Thema aus der Tabuzone holen

Susanne Schicker-Westhoff, geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Saum& Viebahn, ist die Unterstützung von Schlaganfallbetroffenen ein großes persönliches Anliegen. Sie hat in der eigenen Familie die Folgen eines solchen Schicksalsschlags erlebt und erfahren, wie schnell Krankenkassen die Patienten als "austherapiert" einstufen und Leistungen einstellen. Sie möchte mit der Spende ermöglichen, dass das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt und auch diejenigen umfassende Hilfe bekommen, die sich das aus eigener Kraft nicht leisten können.
Um das Geld an die richtige Adresse zu bringen, wandten sich Susanne Schicker-Westhoff und Geschäftsführer Andreas Klenk an "Franken helfen Franken", den Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken, der den Kontakt zur Schlaganfallselbsthilfegruppe herstellte. Als Partner ist die Diakonie mit im Boot: Die Kirchliche allgemeine Sozialarbeit (KASA) hat über "Franken helfen Franken" die 15 000 Euro erhalten - als "zweckgebundene Spende zur Unterstützung der Gruppenbelange der Selbsthilfegruppe Schlaganfall und für Einzelfallhilfen Schlaganfall-Betroffener gemäß der Satzung des Diakonischen Werks".
In Kooperation mit dem Leitenden Arzt Christian Konhäuser vom Klinikum und dem dortigen Sozialdienst können Schlaganfallbetroffene unbürokratisch und schnell Hilfe bekommen. Beispiel: Alleinstehende Patienten kommen aus der Rehaklinik zurück in ihre Wohnung, können den Alltag vorerst noch nicht allein meistern, erhalten aber auch keine Leistungen der Pflegeversicherung. "In diesen Fällen können wir aus den Spendenmitteln den familienentlastenden Dienst schicken, der einkauft oder zum Arzt begleitet, so KASA-Leiterin Pia Schmidt. Auch ein Zuschuss zu Hilfsmitteln ist möglich.


Viele Menschen sind betroffen

"Viele Schlaganfall-Patienten stehen nach Krankenhaus und Rehabilitation mit ihren Problemen allein da", bedauert Chefarzt Konhäuser, der die Selbsthilfegruppe von Anfang an begleitet hat. Schlaganfallpatienten sind keine Randgruppe: "Von 2000 stationären Patienten in unserer Klinik für Neurologie haben rund 500 einen Schlaganfall erlitten." Nach einem Schlaganfall bleiben oft neurologische Schäden, die sich nicht mehr oder nur teilweise zurückbilden. Es kommt zu Behinderungen beim Sprechen, Gehen oder Verstehen, zu Lähmungen oder dauerhaften schmerzenden Muskelverkrampfungen. Gezielte Übungen unter professioneller Anleitung können deutliche Verbesserungen bewirken.
Die Selbsthilfegruppe kann den Betroffenen dank der Spende jetzt auch auf diesem Gebiet attraktive Angebote machen, so deren Leiterin Anita Hofmann. So gibt es bei den Treffen Gruppentherapiestunden. Abwechselnd arbeiten die Logopädin Henrike Reinike und der Ergotherapeut Michael Voller mit den Betroffenen.
Fritz Melcher und Heinrich Potzel freuen sich über dieses Angebot und üben fleißig die gezeigten Bewegungen. "Man spürt, wie der Muskel arbeitet und sich danach entspannt." Beim Üben gilt: Viel hilft viel. "Je öfter man es macht, desto besser wird die Beweglichkeit."


Infos und Kontakt

Zweck Die Bayerische Rundschau und der Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken "Franken helfen Franken" unterstützen die Initiative der Firma Saum & Viebahn für die Schlaganfallselbsthilfegruppe Kulmbach. Partner ist die Diakonie Kulmbach.

Saum & Viebahn Susanne Schicker-Westhoff führt das 1901 in Berlin gegründete Familienunternehmen, das seit 1945 in Kulmbach ansässig ist, in dritter Generation. Der international tätige Textilverlag ist spezialisiert auf Gardinen, Deko- und Möbelstoffe und beschäftigt 120 Mitarbeiter.

Spendenkonto Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01, Kennwort Schlaganfallhilfe Kulmbach.

Termine und Kontakt Die Schlaganfallselbsthilfegruppe Kulmbach trifft sich jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 14.30 Uhr im Johann-Eck-Gemeindehaus, Goethestraße 11 a. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Ansprechpartnerinnen sind Anita Hofmann, Telefon 0176/2374 2385, und Pia Schmidt, Telefon 09221/605 7773.

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