Kulmbach
Gericht

Highnoon am Kulmbacher Luitpoldbrunnen

Bei der Weihnachtsschlägerei am Marktplatz verhinderten sehr viel Alkohol und Aggression ein friedliches Fest. Nach der wilden Prügelei gab es jetzt nachträgliche Geschenke für die drei Angeklagten.
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Alkohol spielte eine Hauptrolle bei der Weihnachtsschlägerei 2017 auf dem Kulmbacher Marktplatz.  Am Montag verurteilte das Amtsgericht Kulmbach die drei Angeklagten. Foto: Archiv
Alkohol spielte eine Hauptrolle bei der Weihnachtsschlägerei 2017 auf dem Kulmbacher Marktplatz. Am Montag verurteilte das Amtsgericht Kulmbach die drei Angeklagten. Foto: Archiv

Lichterglanz und Tannengrün: Weihnachten 2017 war der Kulmbacher Marktplatz aufs Schönste geschmückt. Friedlicher hätte die Stimmung nicht sein können. Bis zu jener wilden Prügelei am 23. Dezember, als sich dort zwei Gruppen von Nachtschwär mern über den Weg liefen.

Es war nicht 12 Uhr mittags, sondern mitten in der Nacht. 3.30 Uhr dürfte es gewesen sein, als die Fäuste flogen und Blut floss. Jede Menge Alkohol sorgte für aggressive Stimmung: Highnoon am Luidtpoldbrunnen.

Nicht mit letzter Klarheit

Was in jener Nacht passiert war, beschäftigte jetzt sechs Juristen am Kulmbacher Amtsgericht. An drei Verhandlungstagen ging es darum, den Sachverhalt aufzuklären, was "nicht bis in die letzte Klarheit" (Richterin Sieglinde Tettmann) gelang. Es reichte aber, um die Angeklagten zu verurteilen.

Die Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig. Gesichert ist, dass beide Gruppen, die sich vorher nicht kannten, vorher in verschiedenen Lokalen gefeiert und gebechert hatten. Nur ein Zeuge war nüchtern, der im Verfahren eine Hauptrolle spielen sollte.

Eine Frau (34), ihr Freund (23) und ein weiterer Begleiter (25) befanden sich auf dem Heimweg. Sie hatten deutlich über den Durst getrunken - zwischen 1,5 und 1,9 Promille - und waren "alkoholbedingt enthemmt", so das Gericht.

Frau besonders aggressiv

Beim Vereinshaus traf man auf drei Arbeitskollegen, von denen zwei auch Schlagseite hatten. Warum die Streiterei begann, wusste keiner mehr so genau. Ein Wort gab das andere. Besonders aggressiv sei die Frau gewesen: Sie soll mit russischen Beleidigungen nicht gegeizt und Begriffe wie "Abschaum" oder "Wichser" hinterhergeschickt haben. Dann ging es zur Sache.

Bei ihrem Urteil stützte sich die Richterin am Montag vor allem auf den dritten Arbeitskollegen, der nicht an der Schlägerei beteiligt und als Fahrer stocknüchtern war. "Ich habe selten so einen glaubwürdigen Zeugen gesehen", so Tettmann.

Der 46-Jährige gab an, dass sich zwei Paare gebildet hatten. Sein älterer Kollege (51), der sich einen Unterschenkelbruch zuzog, habe "die Backen vollgekriegt". Der 23-Jährige hielt den jüngeren Kollegen (33) im Schwitzkasten, während die Frau zutrat: "Dreimal an den Kopf." Der Zeuge rief die Polizei.

Ohne Bewährung

Freiheitsstrafen ohne Bewährung forderte Staatsanwältin Eva-Marie Heßler. Zehn Monate wegen vorsätzlicher Körperverletzung für den 25-Jährigen, bei dem noch eine einschlägige Bewährungsstrafe offen war. Ein Jahr wegen gefährlicher Körperverletzung für den 23-Jährigen, der sein Opfer bedroht ("Ich reiß dir eine Auge aus") und auch am Auge verletzt hatte. Ein Jahr und zwei Monate für die Frau wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung. Die Tritte hätten lebensgefährlich sein können, so Heßler.

Dem "moderaten Strafantrag" schloss sich Nebenklägervertreter Stephan Schultheis an. Der Rechtsanwalt aus Pegnitz forderte zudem 3500 Euro Schmerzensgeld für den 33-jährigen Nebenkläger und die Übernahme dessen sämtlicher Kosten.

Notwehr und Freispruch

Rechtsanwalt Werner Brandl betonte, dass sein Mandant aus Notwehr zugeschlagen habe. Deshalb sei der 25-Jährige freizusprechen. Ebenfalls auf Freispruch plädierte Rechtsanwalt Frank Stübinger: Beim 23-jährigen Angeklagte sei es eine "einvernehmliche Schlägerei" gewesen.

Rechtsanwalt Ralph Pittroff, der die Frau verteidigte, hielt eine Gesamtstrafe von neun Monaten mit Bewährung für ausreichend. Es sei eine Spontantat gewesen, die Tritte hätten keine bleibenden Schäden verursacht, und die Angeklagte habe sich entschuldigt.

Knapp am Gefängnis vorbei

Das Gericht verhängte Bewährungsstrafen. Der 25-Jährige kam mit sechs Monaten davon, da ihm der Beinbruch nicht angelastet werden könne. Er muss noch 1500 Euro an den Weißen Ring überweisen. Zehn Monate bekam der 23-Jährige, der 1000 Euro an den Bayreuther Verein Fähre zu zahlen hat. Mit elf Monaten schrammte die Frau knapp am Gefängnis vorbei. Sie und ihr Freund müssen jeweils 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten und das Schmerzensgeld bezahlen. Die Bewährungszeit beträgt jeweils drei Jahre. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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