Kulmbach

Herbergssuche in der Petrikirche

Das Musische Gymnasium spannte im Adventskonzert einen breiten musikalischen Bogen, der von alter bis zur neuen Musik reichte.
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Das Concertino für Posaune (Julian Heinz) und Orchester eröffnete das Adventskonzert des Marktgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Foto: Klaus Klaschka
Das Concertino für Posaune (Julian Heinz) und Orchester eröffnete das Adventskonzert des Marktgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Foto: Klaus Klaschka
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"Herbergssuche" titelte das Adventskonzert des Musischen Gymnasiums im MGF am Mittwochabend in der vollbesetzten Petrikirche. Es war ein musikalischer Bogen von Anfängern bis zu weit Fortgeschrittenen, zwischen konsonanten und dissonanten, rhythmischen und getragenen Klängen, tiefgründigen und witzigen Einfällen, alter bis neuer Musik; und schließlich ein Bogen von der biblischen Suche nach einer Herberge zu den Migrationsbewegungen der Gegenwart.

Diese Verbindung hatte Alisa Göppner aus der Klasse Q11 bereits auf dem Konzertplakat mit einer Google-Maps-Darstellung grafisch aufgebereitet. Den Auftakt machte Julian Heinz, 2018 Bundessieger bei Jugend musiziert, mit dem Concertino für Posaune und Orchester (Leitung Barbara Baumann) von Lars-Erik Larsson aus den 1950er Jahren; einem eher spröden Stück, das dem 15-Jährigen wenig Raum für lyrischen Klang ließ, dafür aber viel Virtuosität abverlangte. Es folgte ein europäisch-südamerikanischer musikalischer Spagat des Orchesters, dem "Tango de Nochebuena" der Münchner Geigerin Regine Nosske, nämlich der aparten Mischung des Weihnachtslieds "Stille Nacht" mit Tangorhythmen.

"Die Weihnachtsmaus"

"Adventlicher" sang der Unterstufenchor (Leitung Vera Doerfler) von der Empore und spielte die Bläser-Anfängergruppe (Leitung Klaus Hammer). Witzig das Vororchester (Leitung Cezar Salem) unter anderem mit "Die Weihnachtsmaus". Ausgehend vom Pizzicato mit Fingerschnipsen und schließlich Zischeln huschte sie irgendwo zwischen den Bänken herum, bis unter dem Adventskranz in der Mitte des Kirchenschiffs zum Tubaquartett mit Landsknechtstrommel und dem "Little Drummer Boy".

Samtig weich und klanglich sehr ausgewogen das Saxofon-Ensemble unter Edgar Stübinger mit zwei weihnachtlich anmutenden Stücken im Big-Band-Sound und das Instrumentalensemble mit drei Stücken aus Tschaikowskys Nussknacker-Suite, das Vera Doerfler geschickt für Minimal-Orchester zu großem Klang arrangiert hatte.

Sänger und Bläser

Der dritte Teil des Konzerts gehörte im Prinzip den Sängern unter der Leitung von Fachschaftsleiter Hubertus Baumann; zunächst dem Vokalensemble mit drei spanischen und englischen Weihnachtsliedern, abgelöst vom Blechbläserensemble mit einem Arrangement aus Rheinbergers erster Orgelsonate und dem scharfen "Brass thriller - In Not" von Hubert Meixer.

Den Konzert-Titel "Herbergssuche" setzten schließlich Bläser und Sänger gemeinsam um: Zunächst mit dem alpenländischen Weihnachtslied "Wer klopfet an", das das Ensemble in Teamarbeit selbst so arrangiert hatte, dass die Blechbläser instrumentenweise ausschieden, abtraten, sodass deren Raum vom nachrückenden Chor Stück für Stück besetzt werden konnte.

Herbergssuche und Migrationsbewegung

Damit spannten Bläser und Sänger einen Bogen von einer volkstümlich anheimelnden Erinnerung an die Herbergssuche vor gut 2000 Jahren in die Gegenwart. Denn mit seinem Stück "Herbergssuche heute" hat Lorenz Maierhofer die biblische Suche nach einer Herberge auf die Migrationsbewegungen der Gegenwart übertragen: Zunächst klingen traditionelle Liedfetzen an, die von Sprechgruppen mit der Bitte um Einlass "gestört" und mit "nicht bei mir" abgelehnt werden, bis einzelne Sprecher und Sänger an die Parallele der Ereignisse im Zeitsprung von 2000 Jahren mahnen. Mit zwei achtstimmigen Gesängen beschloss der Chor des MGF das Konzert schließlich versöhnlich: Dem Kyrie aus der Messe in Es von Rheinberger und der Vertonung des 100. Psalms "Jauchzet dem Herrn" für Doppelchor von Mendelssohn.

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