Heinersreuth
Bestattungswesen

Heinersreuther Buchenhain wird zum Seelentröster für Trauernde

Hinter dem Schloss Heinersreuth soll ein Waldfriedhof entstehen. Die Baumart gilt als spiritueller Seelentröster.
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Ludwig von Lerchenfeld zeigt einen Baumstamm, der schon seit vielen Jahren im zukünftigen Bestattungswald liegt und der Moos angesetzt hat. Solche magischen Punkte sollen bestehen bleiben. Der Gemeinderat Presseck hat in seiner jüngsten Sitzung eine Fläche von 4,5 Hektar als Friedwald ausgewiesen und eröffnet damit neue Bestattungswege.Sonny Adam
Ludwig von Lerchenfeld zeigt einen Baumstamm, der schon seit vielen Jahren im zukünftigen Bestattungswald liegt und der Moos angesetzt hat. Solche magischen Punkte sollen bestehen bleiben. Der Gemeinderat Presseck hat in seiner jüngsten Sitzung eine Fläche von 4,5 Hektar als Friedwald ausgewiesen und eröffnet damit neue Bestattungswege.Sonny Adam
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Direkt vor der Einfahrt zum Heinersreuther Schloss führt ein kleiner Weg in den Wald. Dieser wird in den nächsten Monaten ausgebaut. Denn der Weg soll in Zukunft Trauernde zu einem Waldfriedhof der besonderen Art führen. Der Gemeinderat in Presseck hat die Weichen für eine völlig neue Bestattungsform gestellt: für einen Bestattungswald oder Naturfriedhof. Auf dem Gelände der Familie von Lerchenfeld soll eine erst einmal 4,5 Hektar große Fläche ausgewiesen werden, auf der Bestattungen zugelassen sind. "Aber wir können den Wald bei Bedarf auf bis zu zehn Hektar ausdehnen", erklärt Ludwig von Lerchenfeld.

Der Buchenhain hinter dem Stammsitz der Familie Lerchenfeld wurde vom Ur-Ahn des Barons gepflanzt, dem früheren bayerischen Finanzminister Max Emanuel von Lerchenfeld . "Die Bäume hatten für mich immer eine besondere Bedeutung. Denn sie sind teilweise schon 200 Jahre alt - sie sind etwas wirklich Besonderes", erklärt Lerchenfeld.

Tatsächlich hat das gesamte Areal etwas Magisches. Manche Bäume haben bizarre Formationen ausgebildet. Sie wachsen in Lyraform, bei manchen hat sich der Stamm geteilt, im weiteren Verlauf des Baumes vereinigt er sich weiter oben wieder. Solche Bäume könnten das Sinnbild für Paare werden. "Hier könnte beispielsweise eine Familie ihre letzte Ruhe finden", sagt Lerchenfeld und zeigt auf einen solchen besonderen Baum.

In dem zukünftigen Bestattungswald sollen Urnenbestattungen erlaubt sein. Die Urne - erlaubt sind nur ökologisch abbaubare Urnen - wird in den Waldboden eingelassen, in der Nähe eines vorher ausgesuchten Baumes. Am Baum wird dann ein Namensschild, das an den Verstorbenen erinnern soll, angebracht.

"Wir möchten ganz bewusst keine Blumen oder Grabsteine, die gepflegt werden müssen. Die Angehörigen sollen in dem Buchenwald einen Ort der Trauer finden, sie sollen gleichzeitig von aufwändiger Grabpflege befreit sein", erklärt Lerchenfeld das Konzept.

Gemäß der Feng-Shui-Lehre kommt Buchen tatsächlich eine spirituelle Bedeutung zu. Buchen stehen für das "Hier und Jetzt", sie geben den Menschen Halt, helfen, von verkrampftem Denken loszukommen. Buchen sind ein guter Seelentröster, fördern die Klärung von Gedanken. Kurzum: Die jahrhundertealten Buchen sind wie geschaffen, um zu einem Ort des Trostes und der Trauer zu werden.

In der Region sind Naturfriedhöfe noch rar. "Ich denke, dass wir mit dem Konzept des Friedwaldes Menschen, die eine besondere Art der Bestattung wünschen, aus der gesamten Region anziehen können - nicht nur Menschen aus Presseck und Heinersreuth, sondern auch aus Stadtsteinach, Kulmbach und der weiteren Region", so Lerchenfeld.

Schon in den nächsten Wochen werden die Vorbereitungen für solch einen besonderen Waldfriedhof getroffen. Der Wald wird "aufgeräumt", die Zugänge müssen verbessert werden, außerdem soll ein Parkplatz für Trauergäste angelegt werden.

Es wird eine Trägergesellschaft für die Realisierung des Projektes gegründet, bestehend aus den Familien Reitzenstein, Lerchenfeld und der Gemeinde Presseck. "Wir gehen davon aus, dass wir noch in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr die ersten Urnenbestattungen machen können", erklärt Lerchenfeld. Für die Gräber gibt es eine feste Gebührenordnung - wie bei allen anderen Friedhöfen auch. Die Kosten richten sich nach Laufzeiten und Baumgröße.

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