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Kulmbach
Gesundheits-Serie

Heilende Hände gegen Schmerzen: So arbeitet Tierphysiotherapeutin Bianca Lies

Was tun, wenn die Katze Rücken hat und der Hund nach Kreuzbandriss nur mühsam auf die Pfoten kommt? Dann hilft Bianca Lies.
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Eine Wasserratte ist Patita nicht gerade - und so bedarf es der Überredungskunst von Tierphysiotherapeutin Bianca Lies (links) und Leckerle aus der Hand von Frauchen Kerstin Kreiner-Bischoff, bis die Hündin in den Pool steigt. Das Schwimmen kräftigt die Muskulatur des zehn Jahre alten Vierbeiners, der mit einem verkürztem Vorderlauf zur Welt kam.
Eine Wasserratte ist Patita nicht gerade - und so bedarf es der Überredungskunst von Tierphysiotherapeutin Bianca Lies (links) und Leckerle aus der Hand von Frauchen Kerstin Kreiner-Bischoff, bis die Hündin in den Pool steigt. Das Schwimmen kräftigt die Muskulatur des zehn Jahre alten Vierbeiners, der mit einem verkürztem Vorderlauf zur Welt kam.
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Seit zehn Jahren lebt Patita nicht auf großem Fuß, sondern eher auf (zu) kleinem. Die Hündin aus Spanien kam mit einem verkürzten Vorderlauf zur Welt - mittlerweile bereitet das dem Mischling Probleme beim Gehen und Laufen. Hier kommt Bianca Lies ins Spiel. Frau Lies, ist Physiotherapie für Hund und Katze etwas völlig anderes als jene beim Menschen? Nein. Natürlich muss sie bei meinen Patienten abgestimmt sein auf deren besonderen Körperbau. Ich gehe aber anders als ein Humanphysiotherapeut an die Sache heran: Ich mache vorab eine Gangbildanalyse, denn die Hunde kommunizieren ja nicht über Worte und sagen mir, wo es drückt oder zieht. Aber sie sprechen über ihren Körper, ihre Haltung, und das muss ich richtig deuten können. Das Gangbild verrät sehr viel. Wann kommen Sie zum Einsatz? Ich arbeite eng mit Tierärzten zusammen, die mich bei besonderen Fällen um Rat bitten. Dazu gehören etwa Hunde mit ungeklärten Lahmheiten, deren Ursache es schnell herauszufinden gilt. Ferner sind viele Patienten bei mir in Behandlung, die nach einer Operation, etwa Kreuzbandriss oder Bandscheibenschaden, versorgt werden müssen. In der Medizin muss man sich ständig fortbilden. Wie passiert das bei Ihnen? Das muss ich natürlich auch. Dazu gehören Kenntnisse über spezielle Tier-Akupunktur oder den Einsatz von Blut-Egeln genauso wie die Hydrotherapie, also schonende Behandlungen im Wasser. Extra dafür habe ich mir ein Unterwasserlaufband angeschafft und im vergangenen Jahr einen Warmwasserpool mit 13000 Litern Fassungsvermögen. Das war nur möglich aufgrund der größeren Praxis in Kulmbach. Zuvor hatte ich zwei Räumchen daheim in Gundersreuth. Der Normalsterbliche wird womöglich stirnrunzelnd sagen: Muss der ganze Aufwand denn sein für Hund und Katz? Bemerken Sie Veränderungen in der Einstellung von Tierbesitzern? Da kann ich eine Geschichte erzählen. Als ich mich 2015 selbstständig gemacht habe, musste ich mir auch anhören: ,Was, dafür geben die Leute so viel Geld aus, dass Du davon leben kannst?" Und ja: Die Menschen schauen mittlerweile viel mehr darauf als früher, wie es ihrem Vierbeiner geht, denn er wird als Familienmitglied anerkannt und nicht bloß als Hofhund oder Arbeitstier bei der Jagd betrachtet. Ich bin positiv überrascht, wie stark sich das gewandelt hat. Die ganzen Hundesportler werden viel sensibler, was das Befinden ihrer Tiere angeht. Sie holen sich Tipps beispielsweise zum richtigen Warmmachen, was für den Hund nicht weniger wichtig ist als für sein Herrchen. Die Folgen sind ja ähnlich: Zerrungen oder Risse von Bändern und Muskeln, denen ich so vorbeugen kann. Nehmen Ihre Patientenzahlen zu? Ja, spürbar. Ich habe an einem normalen Tag nach Terminvergabe bis zu zwölf Hunde oder Katzen bei mir. Tierärzte sind ebenfalls sensibilisiert und raten in ihren Praxen, zur Nachbehandlung oder Vorsorge eine Fachkraft wie mich aufzusuchen. Man muss sich freilich erst einen Namen machen, denn die Berufsbezeichnung als solche ist leider nicht geschützt. Meine Ausbildung in Karlsruhe dauerte zwei Jahre. Wie groß ist der Einzugsbereich? Ich habe Patienten aus Kronach und Bayreuth, aus Lichtenfels und sogar aus der Oberpfalz. Was sind den die Klassiker in ihrem Betätigungsfeld? Der Kreuzbandriss oder -anriss ist einer. Das sind Hunde, die plötzlich ohne ersichtlichen Grund lahmen und nicht selten erstmal mit Schmerzmitteln ruhig gestellt werden. Daraus resultieren oft Folgeschäden wie Arthrose, wenn nicht rechtzeitig operiert und nachbehandelt wird. Überhaupt laborieren viele meiner Patienten an Arthrosen in diversen Ausprägungen, verursacht durch Knorpel- und Gelenkschäden. Auch durch Übergewicht? Das habe ich öfter, bisweilen massiv. Das zieht nicht nur Gelenke in Mitleidenschaft: Die Folgen reichen von Diabetes über Leberverfettung bis zur Herzschwäche. Ich bin ein ehrlicher Typ und sage das den Haltern auch, denn letztlich schadet es dem Tier. Gerade Arthrose-Patienten könnten leicht auf Schmerzmittel verzichten, wenn das Gewicht reduziert würde. So etwas lässt sich willentlich beeinflussen. Aber wenn ein Hund etwa mit einem deformierten Fuß oder Bein zur Welt kommt, sieht die Sache schon anders aus. Definitiv, aber auch da lässt sich zumindest Linderung erzielen. Oft zitiertes Beispiel sind die Ellbogen- und Hüftdysplasien etwa beim Schäferhund. Hier hilft gezielter Muskelaufbau, nicht nur nach einer OP. Solche Behandlungen klettern schnell in den vierstelligen Bereich. Richtig. Ich habe Welpen mit Wachstumsstörungen zur Therapie. Deren Haltern lege ich grundsätzlich eine Tier-OP-Versicherung ans Herz. Man ahnt nie, was alles medizinisch noch getan werden muss. Wer an Chiropraktik für Tiere denkt, dem fällt "Knochenbrecher" Tamme Hanken ein. Aus ihrer fachlichen sicht: War er Segen oder doch eher Fluch? Ich bin davon nicht so begeistert gewesen. Bei meinen Anwendungen kommen diese extrem langen Hebel, wie Tamme Hanken sie bevorzugt hat, nicht vor. Ich finde das sogar eher gefährlich. Natürlich renke ich im Notfall auch mal ein - aber von einmal "knacken" wird es nicht automatisch wieder gut. Da muss die Muskulatur mit reinspielen, die in den meisten Fällen die Hauptursache ist. Ob verklebte Faszien oder Fehlhaltung: Es gilt, das gesamte Tier zu betrachten und nicht eine Baustelle losgelöst vom Rest.

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