Kulmbach
Geburtshilfe

Hebammen machen Frauen stark für die Geburt

Eine Schwangerschaft ist etwas Aufregendes. Werdende Familien erhalten seit kurzem im "Storchennest" Unterstützung.
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Franziska Kraus, Maren Wolfrum und Simone Langenhorst (von links) sind die Gründerinnen der Hebammenpraxis "Storchennest".Foto: Katrin Geyer
Franziska Kraus, Maren Wolfrum und Simone Langenhorst (von links) sind die Gründerinnen der Hebammenpraxis "Storchennest".Foto: Katrin Geyer
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Was gibt es Spannenderes im Leben einer Frau oder einer jungen Familie, als die Zeit, in der sich Nachwuchs ankündigt? Aber in die Vorfreude auf ein Baby mischen sich oft auch Sorgen: Wie wird sich das Leben mit einem Kind verändern? Wird das Kind gesund sein? Und was genau passiert eigentlich bei der Geburt?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen können Frauen geben, die Expertinnen sind in Sachen Schwangerschaft und Wochenbett: die Hebammen. Sie stehen Frauen vor und während der Geburt bei, betreuen Mutter und Kind im Wochenbett und helfen im Rahmen der Nachsorge der jungen Familie, das gemeinsame Leben mit vielen Anfangsschwierigkeiten zu meistern.

"Wir sehen uns als Wegbegleiterinnen", sagt Simone Langenhorst. Die 56-Jährige, die viele Jahre Erfahrung als Hebamme hat, hat gemeinsam mit ihren jungen Kolleginnen Franziska Kraus (22) und Maren Wolfrum (24) vor kurzem in Kulmbach das "Storchennest" gegründet, eine Hebammenpraxis. "Wir wollen Frauen - und ihre Partner - in allen Phasen der Schwangerschaft, während der Geburt und danach unterstützen", erläutern sie. Und vor allem wollen sie Schwangeren dabei helfen, die richtige Hebamme zu finden.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so einfach. Nachwuchs war rar bei den Geburtshelferinnen, und aus Ballungszentren kamen Hiobsbotschaften: Wer sich nicht unmittelbar nach dem Schwanger

schaftstest auf die Suche mache nach einer Hebamme, werde womöglich keine mehr finden.

Auch in Kulmbach war die Situation angespannt. Steigende Geburtenzahlen - allein im Jahr 2018 sind im Klinikum Kulmbach 742 Babys zur Welt gekommen - sorgten bisweilen dafür, dass es für manche Frauen schwer war, eine Nachsorge-Hebamme zu finden. "Aber mittlerweile sind wir gut versorgt", meint Anja Meier, die seit 27 Jahren als freiberufliche Hebamme arbeitet.

Das bestätigt auch Ute Mötsch, die stellvertretende Leitung der am Klinikum angestellten Hebammen. "Manchmal muss man ein bisschen rumtelefonieren - aber letztlich lässt sich dann schon eine Nachsorge-Hebamme finden."

Die neue Praxis sehen die Hebammen keineswegs als Konkurrenz - eher schon als Bereicherung. Das wollen auch die Gründerinnen des "Storchennest" sein. "Wir wollen Frauen in allen Fragen der Schwangerschaft und Geburt beraten. Wir bieten Geburtsvorbereitungskurse oder später Rückbildungskurse an, wir informieren über Säuglingspflege, über den Umgang mit dem Tragetuch, übers Stillen und vieles mehr", erläutern die drei Hebammen, die alle als Teilzeitkräfte am Klinikum Kulmbach beschäftigt sind (Maren Wolfrum ist derzeit noch in der Elternzeit), und darüber hinaus freiberuflich ihre Praxis betreiben. In den behaglich gestalteten Räumen in der Pestalozzistraße 1 gibt es Platz für Untersuchungen, Gespräche und Kurse.

Im Mittelpunkt der Arbeit der drei Frauen steht die Information - und die Vernetzung. "Viele Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, wissen ja gar nicht, was auf sie zukommt", so Maren Wolfrum. "Viele wissen auch gar nicht, wie sie an Informationen zum Thema Hebamme kommen sollen und wie sie für sich die richtige Hebamme finden."

Viele Unsicherheiten in der Schwangerschaft und kurz vor der Geburt könnten durch Gespräche ausgeräumt werden."Die Frauen wissen vieles aus den Medien - aber oft eben auch das Falsche", sagt Simone Langenhorst. Dazu komme, dass viele junge Frauen nicht mehr in einem Familienverbund mit älteren Frauen lebten, die ihren Erfahrungsschatz weitergeben könnten. "Wenn diese Frauen ganz auf sich alleine gestellt sind, ist Beratung besonders wichtig."

Natürlich stehen die Hebammen den Frauen auch während der Geburt bei. Nicht immer kann garantiert werden, dass die Hebamme, die die Frau schon aus dem Geburtsvorbereitungskurs kennt, auch im Kreißsaal dabei ist.

Aber die drei Gründerinnen des "Storchennest" kennen den Klinikbetrieb, tauschen sich auch mit den übrigen Kolleginnen dort aus: Alle seien in der Lage, den Gebärenden mit viel Einfühlungsvermögen zu helfen, versichern sie.

Auch die Nachsorge nach der Geburt ist eine wichtige Aufgabe der Hebammen. Der Alltag mit Baby ist neu und nicht ohne Schwierigkeiten. Da können die Hebammen ebenfalls helfen - und binden bei Bedarf die ganze Familie mit ein. "Es gibt", so haben sie festgestellt, "ein wachsendes Interesse am Vater-Sein."

Ihre Hauptaufgabe freilich sehen die "Storchennest"-Gründerinnen Maren Wolfrum, Franziska Kraus und Simone Langenhorst darin, die Frauen zu bestärken, dass Schwangerschaft und Geburt ganz normale Vorgänge sind. "Eine Geburt ist das Natürlichste auf der Welt. Wenn wir den Frauen helfen, Selbstbewusstsein und Körpergefühl zu entwickeln, können wir sie stark machen für die Geburt."

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