Kulmbach
Burggeflüster

Hauptsache, einer investiert...

Franken verliert sein Gesicht - im Handstreich wird abgerissen, dafür entstehen Toskana-Siedlungen und hässliche Supermärkte. Es geht auch anders.
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Gößweinstein, hier eine Ansicht um 1850, gehört zu den beliebtesten Touristenzielen in der Fränkischen Schweiz. Allerdings ist die Idylle im Vordergrund heutzutage durch eine Ansammlung von einfallslosen Supermarkt-Bauten völlig zerstört - kein Einzelfall in der Region. Repro: Reinhard Löwisch
Gößweinstein, hier eine Ansicht um 1850, gehört zu den beliebtesten Touristenzielen in der Fränkischen Schweiz. Allerdings ist die Idylle im Vordergrund heutzutage durch eine Ansammlung von einfallslosen Supermarkt-Bauten völlig zerstört - kein Einzelfall in der Region. Repro: Reinhard Löwisch

Franken boomt - fast zehn Millionen Gäste kamen 2017, davon 1,8 Millionen aus dem Ausland. Tendenz steigend. Städter staunen über die Preise in der "Fränkischen", wo das knusprige Schäufela noch nicht einmal zehn Euro kostet und die kleinen Brauerei-Wirtshäuser schon bei einer Bierpreis-Erhöhung um "a Zehnerla" - vielleicht von 2,20 auf 2,30 Euro - Gewissensbisse haben.

Die einen Touristen schwören auf Kulinarik, die nächsten auf (Bau-) Kultur wie im pittoresken Bamberg, andere wieder auf die wildromantische Natur etwa des Frankenwalds oder der Flusstäler der Fränkischen Schweiz.

Doch Obacht, Tourismus-Manager! Eure heile fränkische Welt der Hochglanz-Broschüren bröckelt. Allerorten wird jetzt "aufgeräumt". Da macht eine Kommune mitten im Ort zwei alte Bürgerhäuser platt. Ein Renovierung wäre ja "unwirtschaftlich" gewesen - das Totschlag-Urteil für die meisten alten Buden. Tradition und Identität muss man sich halt leisten wollen. Dafür entsteht ja ein neue, schöne Toskana-Siedlung auf der grünen Wiese - genauso wie in Bielefeld, Bottrop oder Bautzen.

Die Gemeinderäte kippen die letzten Bauvorschriften, sogar von traditionell fränkischen Dachneigungen will man noch nie was gehört haben.

Selbst in der Touristenhochburg Gößweinstein durfte ein Discounter direkt neben seinem nun leerstehenden Supermarkt einen etwas größeren, aber nicht minder hässlichen aus dem Boden stampfen. Vermutlich fiel im Gemeinderat der Standardsatz: "Sind wir doch froh, wenn einer investiert..."

Schauen wir mal nach Österreich, der Schweiz oder Südtirol. Dort müssen die Architekten richtig Gehirnschmalz investieren, um bauen zu dürfen. Und glauben Sie, dass es dort keine Supermärkte mehr gibt?

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