Mannsflur
Tante Emma

Harbichs Lädla war in Mannsflur eine Institution

Die ehemaligen Hoteliers aus Breslau hatten nicht nur Lebensmittel im Angebot. Hier war ein Treffpunkt für das Stadtsteinacher Oberland.
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So kannte man ihn: Oskar Harbich stand viele Jahre am Ladentisch seines Lädlas in Mannsflur. Foto: privat
So kannte man ihn: Oskar Harbich stand viele Jahre am Ladentisch seines Lädlas in Mannsflur. Foto: privat
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Wie in der Stadt Kulmbach ("Tante Emma konnte man riechen") gab es vor 50 Jahren auch auf dem Land viele kleine Läden, wo man von Lebensmitteln bis zu den Dingen des täglichen Bedarfs alles kaufen konnte. So betrieb Oskar Harbich in Mannsflur viele Jahre einen Tante-Emma-Laden, der nicht nur Nahversorger, sondern ein beliebter Treffpunkt im Stadtsteinacher Oberland war.


Stets höflich und zuvorkokmmend

"Was darf es denn sein, die Dame?" - "Bitte schön, der Herr!" Oskar Harbich beherrscht die Umgangsformen. Stets freundlich lächelnd, höflich und zuvorkommend steht er am Ladentisch. Zu kaufen gibt es bei ihm alles: Mehl, Zucker, Gries und Reis - alles feinsäuberlich abgewogen und in spitze Papiertüten verpackt; dazu Milch, Eier, Lindes Malzkaffee oder Libby's Kondensmilch. Selbstverständlich auch Persil, Zahnpasta und 4711 Kölnisch Wasser. Und für die, die sich's leisten können, hat er Wein und Schnaps im Angebot.

Oskar Harbich, geboren 1905, ist einer von denen, die sich - nahezu mittellos - mit Fleiß und Pfiffigkeit in Mannsflur eine neue Existenz aufbauen wollen. Mit seiner Frau Johanna muss er bei Kriegsende Hals über Kopf aus Breslau fliehen. Sie lassen auch ihr Hotel zurück, das sie geführt haben. Sie finden zunächst in Marienweiher eine Bleibe, ziehen jedoch 1950 nach Mannsflur um, als die ersten Häuser in der Bachmannstraße bezugsfertig sind.


Einst wie eine Idylle

Die Siedlung Mannsflur in den fünfziger und sechziger Jahren - wie eine Idylle erscheint sie heute. Die Grundversorgung ist durch kleine Geschäfte gesichert, dazu gibt es viele Arbeitsplätze vor Ort (Storchenmühle, Weberei Fanny Schramm, Baufirma Boese) und ein lebendiges Vereinsleben. Ältere Bewohner wie Elsbeth Wremzycki schwärmen von früher. "Wir haben alle zusammengehalten ", sagt sie.

Ein Glücksfall für die Gemeinschaft ist die Idee der Harbichs, ihrem Lädla noch ein Café anzugliedern: gehobener Standard, mit einem Billardtisch innen und einer gemütlichen Terrassse außen. Nachmittags trifft sich dort die Damenwelt zum Plausch und lässt sich frisch gebackene Kuchen schmecken. Abends finden sich die Jugendlichen und Vereine ein.


Anziehungspunkt für die gesamte Region

Legendär sind die Tanzabende. Bunte Lichterketten verbreiten mediterranes Flair, es wird geflirtet und geschwoft. "Das Café Harbich war ein Anziehungspunkt für die gesamte Region", erinnern sich Oswald und Heidi Popp, deren Tante Johanna Harbich gewesen ist. "Auch Graf Lippa und Karl Theodor zu Guttenberg haben immer mal wieder auf der Terrasse gesessen und sich die Sonne auf die Nase scheinen lassen", ergänzen sie noch.

Wehmütige Erinnerungen, wenn man heute auf die kleine Siedlung schaut. Läden und Gaststätten sind schon lange verschwunden. Das letzte Geschäft, die Metzgerei Rattler aus Kupferberg, ist 1995 aufgegeben worden.

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