Kulmbach
Interview

Harald Vorleuter hat gute Erinnerungen ans Kulmbacher MGF

Zwischen 1995 und 2002 leitete Harald Vorleuter die Geschicke des Gymnasiums. Nun kehrt der 59-Jährige als Ministerialbeauftragter nach Oberfranken zurück.
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Harald Vorleuter (59) tritt seine Stelle als Ministerialbeauftragter zum 1. August an, sein Dienstsitz ist Hof. Der promovierte Diplom-Psychologe studierte Sport, Sozialkunde und Psychologie für das Gymnasiallehramt. Den Kulmbachern ist er bekannt aus seiner Zeit am MGF-Gymnasium von 1995 bis 2002. Im Anschluss arbeitete er als Büroleiter der früheren bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU). Foto: privat
Harald Vorleuter (59) tritt seine Stelle als Ministerialbeauftragter zum 1. August an, sein Dienstsitz ist Hof. Der promovierte Diplom-Psychologe studierte Sport, Sozialkunde und Psychologie für das Gymnasiallehramt. Den Kulmbachern ist er bekannt aus seiner Zeit am MGF-Gymnasium von 1995 bis 2002. Im Anschluss arbeitete er als Büroleiter der früheren bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU). Foto: privat
Harald Vorleuter kommt zurück nach Oberfranken - aber nicht als Schulleiter, sondern als Ministerialbeauftragter für die Gymnasien. Die Kulmbacher kennen den 59-Jährigen als langjährigen Chef des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums.

Herr Vorleuter, in Ihrer neuen Rolle treten Sie auch wieder in Kontakt mit Kulmbach und dem MGF. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit vor 15 Jahren?
Harald Vorleuter: An meine Zeit in Kulmbach denke ich gerne zurück. Zahlreiche Freundschaften sind daraus entstanden, die meine Frau und ich immer noch pflegen. Das MGF war damals eine nicht gerade einfache Aufgabe, hatte es doch eine sehr unruhige Zeit hinter sich mit zahlreichen Problemen, die noch lange nachwirkten. Gemeinsam mit dem Kollegium und dem Landkreis Kulmbach konnte ich bis zum Ende meiner siebenjährigen Dienstzeit das MGF in vielen schulischen Bereichen herausragend entwickeln.

Haben Sie schon einen Termin für den ersten persönlichen Besuch an alter Wirkungsstätte?
Ich habe bereits vor ein paar Tagen der Schule informell einen kurzen Besuch abgestattet, weil ich neugierig war zu sehen, was sich alles verändert hat.

Hof wird Ihr neuer Dienstsitz. Ist der Umzug bereits geplant?
Das ist aktuell ein schwieriges Thema, weil meine Frau aus verwandtschaftlichen Gründen noch ein Jahr in München bleiben muss und ich mir deswegen nur eine kleine Wohnung als Zwischenlösung mieten kann.

Welche Aufgaben hat ein Ministerialbeauftragter?
Diese sind umfangreich - deswegen nur ein knapper Ausschnitt. Neben vielen Verwaltungsaufgaben ist die wichtigste unter dem offiziellen Begriff "Schulaufsicht" zusammengefasst. Dahinter verstecken sich zum Beispiel Beratung und Unterstützung der Gymnasien in allen schulischen Angelegenheiten oder die Vorprüfung der Beurteilungen der Schulleiter und Lehrkräfte. Diese Aufgaben kann ein Ministerialbeauftragter nicht allein bewältigen. In Oberfranken werde ich durch 9 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hof und 25 in verschiedenen Gymnasien unterstützt.

In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Sie als Verfechter des achtjährigen Gymnasiums, nun sollen Sie die Rückkehr zum G9 vorbereiten helfen. Beißt sich das nicht?
Überhaupt nicht! Zum einen gibt es nach wie vor handfeste Gründe für eine achtjährige gymnasiale Laufbahn. Denken Sie an die demografische Entwicklung in Deutschland, die in den nächsten Jahren immer stärker zu spüren sein wird. Sie macht es immer schwieriger, ausreichend viele, sehr gut qualifizierte Arbeitnehmer zu finden, die letztlich unseren Wohlstand tragen. Auf der anderen Seite sehe ich als Pädagoge natürlich aber auch die Notwendigkeit, unsere Gymnasiasten mit einer möglichst breiten und tiefen Bildung in die Universitäten oder den Arbeitsmarkt zu entlassen. Aus diesem Blickwinkel ist ein weiteres gymnasiales Schuljahr sinnvoll. Vor der Entscheidung 2003 stand man genau vor dieser Abwägung. Vor dem Hintergrund deutlich schwächerer Steuereinnahmen als heute hat sich die Politik damals für eine stärkere Gewichtung der volkswirtschaftlichen Gründe entschieden. Die bayerischen Gymnasien haben aber bewiesen, dass sie ein achtjähriges Gymnasium mit weltweit anerkannter Qualität verwirklichen können.

Sie waren seit 2010 Leiter eines Gymnasiums in Bad Tölz und tauschen diese Position nun gegen eine Stelle im Ministerium. Zog es Sie immer zurück in die Verwaltung?
Ich hatte in meinem beruflichen Leben das große Glück, mehrere Berufsfelder intensiv kennenlernen zu dürfen. Ich war als studierter Psychologe in der neuropsychologischen Forschung und Therapie tätig, habe aber auch fünf Jahre als Lehrer unmittelbar mit vielen Schülern arbeiten dürfen. Nach 13 Jahren Erfahrungen in der ministeriellen Bildungsverwaltung und 14 Jahren als Leiter zweier Gymnasien freue ich mich nun auf eine Aufgabe, die zwischen den Gymnasien und dem Ministerium angesiedelt ist.

Zuvor waren Sie Büroleiter bei Kultusministerin Monika Hohlmeier. Sie hatten vor dem Wechsel nach Tölz eine turbulente Phase hinter sich, standen 2009 sogar vor Gericht wegen Ihrer Tätigkeit für eine Task Force im Zuge der Vorbereitungen zur Fußball-WM 2006. Wie kam es überhaupt zu dem juristischen Streit - und wie ging er letztlich für Sie aus?
In dem Streit, der durch eine anonyme Strafanzeige ausgelöst worden ist, ging es darum, ob ich berechtigt gewesen sei, als Vorsitzender eines vom Ministerium völlig unabhängigen und ihm auch bekannten Fördervereins nach Monaco zu reisen. Es war geplant, ein Formel-Eins-Event in das Kulturprogramm zur Fußball-WM 2006 einzubauen. Die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht hatten behauptet, dies hätte meine Aufgaben als Beamter des Freistaats beeinflussen können. Das Landgericht hingegen hat dies ganz anders gesehen. Weil die Staatsanwaltschaft einen vorgeschlagenen Freispruch blockierte, wurde die ursprüngliche Geldstrafe des Amtsgerichts in eine Verwarnung umgewandelt. Entgegen anderer Behauptungen bin ich dadurch nicht vorbestraft.

Wie bewerten Sie im Rückblick die Art und Weise, wie auch seitens der Politik mit Ihnen umgegangen wurde?
Ein Ministerwechsel ist immer eine schwierige Phase, in der versucht wird, sich von engen, ehemaligen Mitarbeitern zu lösen. Dies kann in manchen Fällen sehr unschön ablaufen, wie es meine Person betraf. Befindet man sich im Fokus eines solchen Geschehens, benötigt man viel Kraft und Stehvermögen. Allerdings hatte ich damals durchaus auch Hilfe von politischer Seite erfahren.

Und wie sehen Sie das Verhältnis heute?
Seit einiger Zeit hat sich mein Verhältnis zum Kultusministerium nicht nur entspannt, es ist wieder getragen von gegenseitigem Vertrauen. Wäre es anders, hätte ich die neue Aufgabe als Ministerialbeauftragter, immerhin eine Vertrauensstellung, nicht annehmen dürfen.
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