Kulmbach
Portrait

Hans Albert Ruckdeschel: Stratege mit klaren Werten

Der Kulmbacher Ehrenbürger und Unternehmer Hans Albert Ruckdeschel feiert seinen 75. Geburtstag.
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Die Firma Ireks ist Hans Albert Ruckdeschels Leben: Am Dienstag wird er 75 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er noch nicht. Foto: Matthias Hoch
Die Firma Ireks ist Hans Albert Ruckdeschels Leben: Am Dienstag wird er 75 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er noch nicht. Foto: Matthias Hoch

Er ist ein Unternehmer mit Weitblick, ein aufmerksamer Beobachter und besonnener Stratege, immer bereit für Innovation und Fortschritt, um das Familienunternehmen Ireks voranzubringen. Und er ist Kulmbacher mit Herz und Seele. Am Dienstag feiert Hans Albert Ruckdeschel seinen 75. Geburtstag. In einem Alter, in dem sich andere längst in den Ruhestand verabschiedet haben, denkt er noch nicht ans Aufhören, denn die Firma Ireks ist für ihn seit einem halben Jahrhundert weit mehr als ein Arbeitsplatz: Sie ist sein Leben, und die Erfolgsgeschichte der Unternehmensgruppe ist sein Lebenswerk.

Bodenständig und bescheiden

Große Worte um seine Person vermeidet Hans Albert Ruckdeschel. Er ist bei allem unternehmerischen und persönlichen Erfolg bodenständig-bescheiden. Doch zu seinem heutigen Ehrentag wird es sie neben vielen guten Wünschen sicher geben, die (verdienten) Lobeshymnen auf den Mann, dem seine Heimatstadt 2007 die Ehrenbürgerwürde verliehen hat.

Der Name Ruckdeschel steht für eine beispielhafte Familientradition und für den Erfolg einer weltweit tätigen Firmengruppe, die fest in Kulmbach verwurzelt ist. Hans Albert Ruckdeschel steht in vierter Generation an der Spitze des Unternehmens, das sein Urgroßvater, der Kulmbacher Bäckermeister und Brauer Johann Peter Ruckdeschel, im Jahr 1856 gegründet hat und das bis heute eine Familiengesellschaft ist. Das operative Geschäft hat der 75-Jährige schon vor zehn Jahren weitgehend an die nächste Generation übertragen - an seinen Neffen Stefan Soiné, der einer der sechs Geschäftsführer ist.

Wo sieht Hans Albert Ruckdeschel heute seine Rolle im Unternehmen? "Es ist wichtig für mich, noch dabei zu sein, und ich bin nach wie vor an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt." Der 75-Jährige ist nun in erster Linie Beobachter und Stratege, der mit viel Erfahrung im Blick behält und mit messerscharfem Verstand analysiert, was sich national, aber vor allem international tut - in der Landwirtschaft, in der Politik, im Konsumverhalten. "Wir müssen unsere Märkte kennen, um erfolgreich zu sein." Jede grundlegende Entscheidung will gut überlegt sein, ob es nun um den Brexit geht oder um das Engagement in Russland oder Brasilien.

Kompetenter Allrounder

Schon in seiner Jugend sah Hans Albert Ruckdeschel es als selbstverständlich an, ins Familienunternehmen einzusteigen. Eine breit gefächerte Ausbildung schuf die Basis dafür, dass aus ihm ein Allrounder wurde, der seine Branche aus dem Effeff kennt. Als gelernter Mälzer und Bankkaufmann, dazu noch studierter Betriebswirt, kann er überall fachkundig mitreden.

Seit Ende der sechziger Jahre trägt er Verantwortung im Unternehmen, 1978 wurde er Geschäftsführer und übernahm das Malzgeschäft. Um diesen Aufgabenbereich gerissen hat Ruckdeschel sich damals nicht: "Es ist ein sehr komplexes und schwieriges Geschäft, das schon seit Jahrzehnten nicht mehr als wachstumsträchtig gilt."

Doch er nahm die Herausforderung an. In jeder Position sein Bestes zu gehen, auch ungeliebte Aufgaben gut zu machen, ist sein Lebensprinzip. So gelang es ihm nicht nur, diese Sparte profitabel weiterzuführen. Hans Albert Ruckdeschel hat es auch verstanden, Tradition und Fortschritt in ganz besonderer Weise zu vereinen. Unter seiner Regie hat sich aus dem einst nationalen Unternehmen eine weltweit tätige Firmengruppe mit mehr als 2900 Mitarbeitern und Standorten in 22 Ländern entwickelt. Viele zukunftsweisende Investitionen tragen seine Handschrift und sichern dem Unternehmen eine starke Marktposition. Ireks ist bekannt für Backzutaten und Braumalze, aber auch für Aromen, Speiseeisprodukte und Agrarhandel.

Als Steuermann des Unternehmens sah und sieht sich der 75-Jährige in vielfältiger Weise in der Verantwortung: "Es geht einerseits natürlich um eine gute Entwicklung für unser Familienunternehmen, aber man trägt auch Verantwortung für alle Beschäftigten und deren Familien. Und nicht zuletzt hat der Unternehmenserfolg über die Gewerbesteuer auch Auswirkungen auf das Gemeinwesen."

Seine Heimatstadt liegt Hans Albert Ruckdeschel am Herzen. Aufmerksam und ideenreich begleitet er alle Initiativen, die geeignet sind, die Stadt voranzubringen, allen voran der Uni-Campus. Die Kulmbacher Fakultät der Universität Bayreuth, die sich dem Themenfeld Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit widmet, sieht er als "besondere Aufwertung" für die Stadt. Deshalb will er dazu beitragen, dass der Start gut gelingt. "Wir sind bereit, übergangsweise mit unserem Forschungsbereich den Lehrbetrieb zu unterstützen."

Liebe zur Kunst und soziale Ader

Nicht nur als Arbeitgeber und Ireks-Regisseur sowie als Ratgeber in vielfältigen Ehrenämtern hat sich Ruckdeschel in Kulmbach Verdienste erworben. Viele soziale und kulturelle Initiativen werden von ihm und seiner Frau Margit unterstützt. Freunde der Kirchenmusik verbinden seinen Namen mit der Rieger-Orgel in der Petrikirche. Als Vorsitzender des Orgelbauvereins hat er das aufwendige Projekt vorangetrieben - mit der ihm eigenen Mischung aus Hartnäckigkeit und Kompromissbereitschaft und dem unbedingten Willen, etwas einmal Begonnenes auch zu einem guten Ende zu führen.

Hans Albert Ruckdeschel ist ein Mensch mit klaren Werten und Überzeugungen. Er kämpft für das, was er für richtig hält. Etwas um jeden Preis durchzuboxen, ist seine Sache allerdings nicht: "Man muss andere Standpunkte akzeptieren und anständig miteinander umgehen, damit man sich noch in die Augen schauen kann."

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