Kulmbach
Landwirtschaftsserie (5)

Gülle: Das Gold aus dem Kuhstall

Gülle auf Feldern und Wiesen ist nicht jedermanns Sache. Ohne den natürlichen Dung aus der Viehhaltung müssten Bauern teuren Kunstdünger verwenden - und die Rohstoffe dafür sind nicht ewig verfügbar.
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Gülle ist für die Landwirte ein nahezu unersetzlicher Dünger. Foto: dpa
Gülle ist für die Landwirte ein nahezu unersetzlicher Dünger. Foto: dpa
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Sein Mais landet nicht im (Biogas-)Tank, sondern quasi auf dem Teller - wobei Hermann Grampps Kühe nicht vom edlen Porzellan futtern, sondern vom Boden. Die Silage aus der Maisernte wandert tonnenweise in den 2008 bei Unterkodach errichteten Stall und ernährt 95 Kühe. Die wiederum liefern dem Landwirt aus Melkendorf Gülle in rauen Mengen. Mehr als drei Millionen Liter kommen da in einem Jahr zusammen.

Besser gesagt: fließen zusammen. Es platscht hörbar in den Boxen, wenn sich die Kühe ihrer Exkremente entledigen und der Urin zusammen mit dem Kot auf den Boden prasselt. Der Gestank lässt feine Nasen sich verbiegen. Für Milchviehbauer Grampp riecht es nach gespartem Geld. Die Gülle- ist zugleich seine Goldgrube, denn in ihr stecken im wesentlichen Stickstoff, Phosphor und Kalium, chemisch abgekürzt NPK.

Geschlossene Kreisläufe

Das Dreigestirn der Wachstumsbeschleuniger ist der Garant dafür, dass er seinen gefleckten "Sahneschnitten", wie es auf dem Werbeplakat des Bauernverbands an der Stirnseite des Stalls steht, genügend Futter vorsetzen kann. Das Verdauungsprodukt kommt zurück auf die Felder. "Ein so geschlossener Kreislauf ist das, was ich bei meiner Art der Landwirtschaft anstrebe", sagt Grampp.
Zweiter Pluspunkt: Den teuren Zukauf von Düngemitteln kann sich der 46-Jährige fast gänzlich sparen. "Ich gebe den Maispflanzen, wenn sie 30 bis 50 Zentimeter hoch sind, eine Unterfuß-Düngung als Starthilfe. Ich bringe eine wasserlösliche NP-Mischung aus, damit dem Mais die Nährstoffe schnell zur Verfügung stehen." Mehr nicht.
Den Rest besorgt nicht der Kunst-, sondern der Kuhdung. Allerdings müssen Landwirte wie Hermann Grampp einige Besonderheiten beachten, wenn sie die Gülle ausbringen. "Etwa ein Viertel meiner 180 Hektar an Feldern und Wiesen liegen im Überflutungsgebiet des Mains. Dort darf ich weder mineralischen noch organischen Dünger ausbringen, dafür bekomme ich jedoch einen Ausgleich. " Eine Folge der so genannten Nitrat-Richtlinie der Europäischen Union: um Bäche, Flüsse und nicht zuletzt das Grundwasser vor zu viel Nitrat-Eintrag zu schützen.

Aus diesem Grund ist es den Bauern auch untersagt, in den Wintermonaten die Jauche auszubringen. "Wir müssen genügend Kapazitäten vorweisen, um die Gülle für mindestens sechs Monate lagern zu können. Bald könnten es sogar neun Monate werden", sagt Grampp und hebt die Schultern. "Nix genaues weiß man nicht, aber ich müsste meine Lagerstätten dann erweitern - das wiederum kostet Geld, bringt aber keines ein."

Die Kernsperrfrist in der Düngemittelverordnung regelt das wie folgt: In der Zeit vom 1. November bis 31. Januar dürfen Gülle und Jauche nicht auf Ackerland, vom 15. November bis 31. Januar nicht auf Grünland ausgebracht werden. Nicht alle Landwirte sind mit der Verbotsregelung einverstanden - vor allem wenn es in den eigentlichen Wintermonaten weder Frost noch Schnee gibt, so wie im vergangenen Schmalspur-Winter 2013/2014, und die Bauern tausende Liter von einem Lager zum nächsten "spazieren fahren", obwohl die Vegetation im Februar schon im Gang ist.

Vorsicht, Ammonium!

Eine Ausbringung von Gülle auf gefrorenen oder schneebedeckten Böden ist nach Vorgabe der der Regierung von Oberfranken verboten. Das zuständige Sachgebiet für Wasserwirtschaft in Bayreuth weist darauf hin, dass Mist sickerwasser, Gülle und Jauche große Mengen an Ammonium enthalten. Diese Stickstoffverbindung belastet in Gewässern den Sauerstoffhaushalt stark, zudem begünstigt es das Algenwachstum und wird außerdem bei hohen pH-Werten in das für Fische giftige Ammoniak umgewandelt.

Wer Gülle ausbringt, sollte genügend Distanz zu Wasser einhalten. Zu Fließgewässern und Seeufern nennt die Behörde einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf bis zehn Metern, bei Gelände am Hang entsprechend mehr. "Wir sind angehalten, Minimum drei Meter Abstand zu jeder Uferböschung zu halten", sagt Hermann Grampp. Der unbestimmte Rechtsbegriff dafür lautet "gute landwirtschaftliche Praxis". Der Melkendorfer hält sich strikt an die Vorgaben, wie er sagt. "Der Boden und sauberes Wasser sind ja nicht zuletzt auch unser Kapital als Bauern."


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