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Grüne: Klimaschutz muss oberste Priorität haben

Die klimapolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Lisa Badum, gastierte auf ihrer Bayerntour in Kulmbach.
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Die Jugend macht sich für das Klima stark. Von links: Mona Prawitz, Sina Lechner, Lilli Mücke, Jasmin Prawitz, Lisa Badum, Chris Ohnemüller und Dagmar Keis-Lechner.Uschi Prawitz
Die Jugend macht sich für das Klima stark. Von links: Mona Prawitz, Sina Lechner, Lilli Mücke, Jasmin Prawitz, Lisa Badum, Chris Ohnemüller und Dagmar Keis-Lechner.Uschi Prawitz

Trockene Sommer, Überflutungen, heftige Stürme - der Klimawandel ist in aller Munde, die Jugend demonstriert auf den Straßen, auch in Kulmbach. Ein Anlass für die klimapolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lisa Badum, Kulmbach auf ihrer Bayern-Tour einen Besuch abzustatten. Zu der Veranstaltung hatte Dagmar Keis-Lechner, Vorsitzende des Grünen Kreisverbands Kulmbach, explizit auch junge Menschen eingeladen, und tatsächlich waren einige am Dienstagabend in die Kommunbräu gekommen.

"Wir werden gehört, aber zu wenig", beklagte die 15-jährige Lilli Mücke, "es ist doch wichtig, dass die Jugend eine Stimme hat." Deswegen wird sie wie zahlreiche andere Jugendliche auch am kommenden Freitag um 13.30 Uhr an der "Fridays For Future" Demo am Kulmbacher Marktplatz teilnehmen. "Ich will, dass jedes Land kapiert, dass wir die Welt zerstören", ergänzt ihre Freundin Sina Lechner. Die jungen Aktivistinnen und Aktivisten haben einiges vor. "Ich will einen Jugendstadtrat machen", eröffnete Sina Lechner ihre Pläne, die ersten Mitstreiter hat sie schon gefunden. Etwa in der 16-jährigen Jasmin Prawitz, die sich für den Landkreis Kulmbach einen besseren ÖPNV wünscht. "Ich will, dass es auch für Erwachsene attraktiv wird, mit dem Bus zu fahren. Dafür braucht es bessere Fahrtzeiten." Bei einer Freundin auf dem Land fahre der letzte Bus beispielsweise um 13 Uhr.

Von Lisa Badum wollen die Jugendlichen wissen, welche Mittel Deutschland habe, andere Länder zu beeinflussen. "Hierfür brauchen wir eindeutig die Europäische Union", erklärte Lisa Badum, einzelne Nationalstaaten hätten nicht die nötige Stärke. "Und ihr müsst euch weiter einsetzen, denn dass jetzt alle Parteien dazu gezwungen werden, sich in einem Klimagremium an einen Tisch zu setzen, ist eurem jugendlichen Engagement zu verdanken." Der Klimaschutz müsse in jeder Gemeinde oberste Priorität haben, notfalls gelte es, den Klimanotstand auszurufen, wie es bereits einige Kommunen in Deutschland getan hätten.

Badum beklagte, dass sich auf Bundesebene zu wenig tue. Ein sogenanntes Energiegeld, also ein Fixbetrag, den jeder Haushalt pauschal am Jahresende zurückbezahlt bekäme, sei ein guter erster Ansatz. "Somit wäre ein CO2-Preis nicht auf eine Belastung der Bürger ausgelegt." Die soziale Verträglichkeit und Akzeptanz ökologischer Maßnahmen dürfe man nicht aus den Augen verlieren, denn "wir können Klimaschutz nicht nur mit denjenigen schaffen, die es sich leisten können."

Damit Deutschland es schaffe, den Energiebedarf gänzlich aus alternativen Energien zu decken, müsse einiges umgestellt werden. "Wir brauchen ein vernetztes System mit dezentralen Kraftwerken und mehr Speichermöglichkeiten", sagte Badum. Eine Schließung der Kohlekraftwerke hält sie für unumgänglich und verweist auf die Photovoltaikbranche, die in Deutschland einst weltmarktführend gewesen sei. "Natürlich ist es schlimm, in der Kohlebranche Arbeitsplätze zu verlieren, aber als wir 100 000 Arbeitsplätze in der Solarindustrie verloren haben, hat keiner darüber geredet."

Chris Ohnemüller von den Kulmbacher Grünen sprach sich für eine Stärkung der Innenstadt aus, "wir müssen endlich von diesem Versandhandel wieder wegkommen".

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