Kulmbach
Burggeflüster

Grün und völlig überschätzt

Bärlauch ist in diesen Wochen im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Zu recht? Unsere Autorin hat da so ihre Zweifel.
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Bärlauchblätteer Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Bärlauchblätteer Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Kaum regt sich draußen die Natur und das erste Grün sprießt, geht der Blödsinn wieder los: Bärlauch!
Bärlauch-Brötchen, Bärlauch-Butter, Bärlauch-Käse, Bärlauch-Salami, Bärlauch in der Nudelsoße und Bärlauch auf dem Schnitzel.
Meine Großmutter hat Bärlauch vermutlich gar nicht gekannt oder wenn, dann nicht unbedingt als sammelns- und verzehrenswert erachtet. Bärlauch-Suppe gab es früher bei uns nie. Nur Schnitzla mit "Petterla".
Nun ist es nicht so, dass ich Bärlauch nicht mag. Ich mag den Geruch nach Zwiebeln und Knoblauch, der sich in diesen Wochen in vielen Wäldern zum Beispiel am Staffelberg oder in der Fränkischen Schweiz ausbreitet. Ich mag es, wenn die Pflanzen demnächst winzige, weiße Blüten treiben und der Waldboden aussieht, als hätte man ihn mit feiner Spitze bedeckt. Und auch ich nehme mir gerne mal ein bisschen Bärlauch mit nach Hause. Gehackt aufs Butterbrot oder zu Pesto verarbeitet, kann ich dem Grünzeug durchaus Geschmack abgewinnen.
Aber ich kann den Hype nicht nachvollziehen.Was bringt mir Bärlauch im Brötchen? Nach einigen Minuten im Backofen dürfte der Geschmack hinüber sein. Was bringt mir Bärlauch in der Salami, wenn die nach wie vor vor allem nach Salami schmeckt?
Dem Gemüsehändler, der Bärlauch in Plastik verpackt für 3,50 Euro je Packung im Supermarkt vertickt, dem bringt's mit Sicherheit was. Der schmiert sich am Ende der Saison ein Butterbrot, streut sich Schnittlauch drauf und freut sich auf den nächsten Coup: Strenzerla. Ab 2019 für viel Geld in der Gemüseabteilung. Und ab 2020 im Brötchen, in der Suppe, in der Salami.


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