Untersteinach
Philatelie

Großes Geld für kleine Marken auf einem alten Brief aus Untersteinach

Ein vor 165 Jahren in Untersteinach abgeschickter Brief ist für 100 000 Euro versteigert worden.
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Eine Rarität, die 100 000 Euro wert ist: der in Untersteinach abgestempelte Brief. Repro: privat
Eine Rarität, die 100 000 Euro wert ist: der in Untersteinach abgestempelte Brief. Repro: privat

Für Laien ist es nur ein alter Umschlag. Für Experten hingegen ist es ein sehr, sehr wertvolles Sammlerstück: Ein Faltbrief, frankiert mit fünf Briefmarken, ist dieser Tage in Wiesbaden für 100 000 Euro versteigert worden. Das Besondere daran für Philatelisten: die beiden mit einem Steg verbundenen rosafarbenen Marken. Das Besondere für Laien: Abgestempelt worden ist der Brief in Untersteinach - erkennbar an der Aufschrift und an der Stempelnummer 358, wie uns ein Sammler aus der Region erläutert hat.

Der Brief stammt aus der Sammlung des verstorbenen Unternehmers Erivan Haub (siehe Infobox). Das Auktionshaus Corinphila beschrieb das Sammlerstück als "Faltbrief (1854)", frankiert mit einer hellblauen Drei-Kreuzer-Marke, zwei bläulich-grünen beziehungsweise blaugrünen Neun-Kreuzer-Marken und einem waagrechten Paar rosafarbener Ein-Kreuzer-Marken.

Vor allem die sorgen bei Philatelisten für Begeisterung, sind sie doch durch einen sogenannten Zwischensteg verbunden. Sämtliche Marken sind abgestempelt mit einem sogenannten Mühlradstempel mit der Nummer 358 und einem sogenannten Halbkreis-Aufgabenstempel mit der Schrift "Untersteinach 14/9". Gerichtet ist der Brief an M. Dettelbach in Nottingham - zu versenden "via Ostende". In Nottingham hat man den Umschlag mit dem Ankunftsstempel "Nottingham Sp 18 1854" versehen.

Geheimnisvoller neuer Besitzer

Gewürdigt wird der Brief von den Auktionaren als "allergrößte Bayern-Seltenheit". Es seien, so heißt es, nur noch zwei weitere Briefe mit Zwischensteg bekannt. Der, um den es hier gehe, sei bisher "der einzige mit Buntfrankatur und Auslandsdestination". Er zähle damit zu den schönsten Zwischenstegbriefen der Kreuzer-Marken.

Versteigert wurde der Brief nun bei der Heinrich-Köhler-Auktion am 8. Juni in Wiesbaden als Los Nummer 32 im Zuge der Auflösung der Sammlung des verstorbenen Unternehmers Erivan Haub. Das Startgebot hatte 30 000 Euro betragen, der Hammer war dann bei 100 000 Euro gefallen. Hinzu kommen noch Aufgelder, so dass der neue Besitzer wohl etwa 125 000 Euro wird bezahlen müssen.

Wer so viel Geld ausgibt für einen alten Brief? Das bleibt ein Geheimnis. Es muss aber auf jeden Fall ein erklärter Liebhaber sein.

Erivan Haub

Der Unternehmer Erivan Karl Matthias Haub (* 29. September 1932 in Wiesbaden; † 6. März 2018 in Pinedale, Wyoming, USA) war ein deutscher Unternehmer und Miteigentümer der Unternehmensgruppe Tengelmann, die er von 1969 bis 2000 leitete. Erivan Haub war einer der reichsten Deutschen; sein Vermögen wurde in der Forbes-Liste 2014 mit etwa 5,2 Milliarden US-Dollar angegeben. Einen Namen machte sich der Unternehmer durch sein ausgeprägtes ökologisches Engagement.

Der Sammler Erivan Haub war ein Philatelist und Sammler alter Uhren. Seine umfangreiche Briefmarkensammlung baute er seit seiner Jugend als Abbild der historischen Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Sie enthielt zahlreiche Seltenheiten von Weltrang. Im Zeitraum vom Juni 2019 bis 2023 wird die "Sammlung Erivan" in mehr als dreißig Auktionen durch die Auktionshäuser Heinrich Köhler in Wiesbaden, H. R. Harmer in New York und Corinphila in Zürich versteigert. Darunter ist auch der Faltbrief aus Untersteinach.

Wer war M. Dettelbach aus Nottingham?

Für echte Philatelisten zählt nur eines: Welche Briefmarken befinden sich auf dem Umschlag und was sind sie wert? Die Frage, wer den Brief geschrieben hat und wer der Empfänger ist, so hat uns ein Experte berichtet, sei dabei nicht weiter interessant.

Aber die Frage beschäftigt uns doch: Wer war M. Dettelbach, der Empfänger des Briefes? Und welche Verbindung hatte er (oder sie) nach Untersteinach, wo der Brief aufgegeben wurde?

Die Suche im Telefonbuch und in einem alten Adressbuch bleibt ergebnislos: Der Name Dettelbach kommt in Untersteinach nicht vor. "Der Name ist uns noch nie untergekommen", heißt es auch bei der Verwaltungsgemeinschaft. Und selbst das Internet kennt diesen Familiennamen nicht - jedenfalls nicht in unserer Region. Die Suchmaschine verweist uns auf den Ort Dettelbach im Landkreis Kitzingen.

Fündig werden wir aber an anderer Stelle. Ebenfalls im Internet stoßen wir auf das "Adressbuch der Kaufleute, Fabrikanten und handelnden Gewerbsleute von England, Schottland, Irland", den Band 21 des "großen Adreßbuchs von Europa und den fremden Welttheilen", herausgegeben vom Verlag E. Leuchs & Comp. in Nürnberg. Dort ist auf Seite 91 die Rede von einem Maurice Dettelbach, aufgelistet unter der Rubrik "merchants", also "Kaufleute".

Ob das der Empfänger des Briefes ist? Zeitlich könnte das hinkommen: Das Adressbuch stammt aus dem Jahr 1846, der Brief wurde 1854 verschickt.

Vielleicht gibt es ja in Untersteinach jemanden, der weiß, wer "M. Dettelbach" war? Der ihn oder sie vielleicht zu seinen Vorfahren zählt und uns mehr berichten kann?

Über Hinweise freuen wir uns. Per Mail unter redaktion.kulmbach@infranken.de, per Post unter Bayerische Rundschau, Redaktion, E.-C.-Baumann-Straße 5, 95326 Kulmbach - und gerne auch per Telefon unter 09221/949-387.

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