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Grippewelle in Kulmbach: kleiner Piks mit großer Wirkung

Die Grippewelle des vergangenen Winters hatte auch das Kulmbacher Klinikum erfasst. Daher hat sich das Haus zu einer ungewöhnlichen Aktion entschlossen.
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Für die gute Sache ließ sich ein bestens gelaunter Landrat Klaus Peter Söllner von Amtsärztin Camelia Sancu gegen die Grippe impfen. Aufmerksame Beobachter waren Thomas Banse (rechts) und Klinikum-Geschäftsführerin Brigitte Angermann (links).privat
Für die gute Sache ließ sich ein bestens gelaunter Landrat Klaus Peter Söllner von Amtsärztin Camelia Sancu gegen die Grippe impfen. Aufmerksame Beobachter waren Thomas Banse (rechts) und Klinikum-Geschäftsführerin Brigitte Angermann (links).privat

Ein Influenza-Ausbruch wie im vergangenen Winter, als auch am Klinikum Kulmbach nach zahlreichen Erkrankungen das Personal knapp wurde, soll in diesem Jahr nicht wieder vorkommen. Bis zu 60 Mitarbeiter aus dem Pflegebereich und zahlreiche Ärzte hatten damals gleichzeitig unter der Grippe gelitten und waren deshalb ausgefallen.

Aus diesem Grund hat sich das Klinikum erstmals entschieden, seinen Beschäftigten eine kostenlose Impfung anzubieten, die sich Interessierte während der Arbeitszeit verabreichen lassen können. Weil dieses Angebot bislang einzigartig ist und vielleicht auch Signalwirkung entwickeln könnte, hat sich auch das Gesundheitsamt Kulmbach angeschlossen. Die staatliche Behörde wirbt darum, die Impfquote nicht nur unter Beschäftigten im Gesundheitswesen zu erhöhen.

"Überhaupt nicht gespürt"

Um zu demonstrieren, dass eine Grippeimpfung eine im Grunde kleine Sache ist, die große Nachwirkungen verhindern kann, ließ sich jetzt Landrat Klaus Peter Söllner im Klinikum von Amtsärztin Camelia Sancu mit einem Vierfachwirkstoff gegen Influenza impfen. Sein Kommentar: "Ich hab' es überhaupt nicht gespürt."

Thomas Banse gehört zum Hygienevorstand am Klinikum. Er hat die Impfaktion mit vorbereitet und befürwortet sie: "Wir haben im vergangenen Jahr eine schwere Epidemie durchgemacht. Landesweit hatten wir doppelt so viele Erkrankte wie in den zehn Jahren zuvor. Deswegen haben wir uns vorgenommen, für dieses Jahr besser gerüstet zu sein." Dazu gehöre auch das Impfangebot an die Mitarbeiter, die als Angehörige des medizinischen Personals ebenso zu den Risikogruppen zählten wie ältere Menschen oder chronisch Kranke.

100 Anmeldungen am ersten Tag

Drei Termine im Oktober bietet das Klinikum laut Banse seinen Mitarbeitern an. Schon für den ersten war die Nachfrage groß. Vergleichszahlen gebe es zwar nicht, weil es bislang dieses kostenlose Angebot nicht gegeben habe, so der Mediziner. Aber die Zahl der Beschäftigten, die sich in den vergangenen Jahren gegen Grippe impfen ließen, dürfte bei etwa 15 Prozent liegen. "Durch diese Aktion und natürlich auch durch die Erfahrungen aus dem vergangenen Winter gehen wir dieses Jahr von deutlich höheren Zahlen aus", sagt Banse. Allein für den ersten Tag habe es deutlich mehr als 100 Anmeldungen gegeben. "Wir hoffen, viele Mitarbeiter durchimpfen zu können." Die Teilnahme sei aber freiwillig.

Camelia Sancu steht hinter der Aktion. Jedes Jahr werbe ihre Behörde darum, an der Grippeimpfung teilzunehmen. Die regelmäßige Impfung, so die Leiterin des Gesundheitsamts, sei wichtig, weil das Grippevirus sehr verwandlungsfähig ist. "Das Virus kann jedes Jahr sein Aussehen verändern und damit den Körper austricksen. Deswegen ist die Grippeschutzimpfung jährlich notwendig."

Ein Zeichen setzen

Das Gesundheitsamt wolle durch die Beteiligung an der Aktion am Klinikum ein Zeichen setzen und damit so viele Menschen wie möglich auf die Impfung aufmerksam machen.

Aufmerksam gemacht wurden die Beschäftigten des Klinikums durch Flyer und ein Schreiben, in dem die wichtigsten Argumente für eine Impfung zusammengefasst sind. Michael Ernst, ebenfalls Mitglied in der Hygienekommission, steht ebenfalls voll und ganz hinter dieser Initiative. Dass seine Kollegen die Impfung kostenlos und während ihrer Arbeitszeit erhalten können, empfindet er als richtigen Ansatz, die Quote zu verbessern. "Einfacher geht es nicht. Jeder kann ohne Krankenkarte kommen und sich impfen lassen." An der Zahl der Anmeldungen sehe man, wie gut diese Aktion ankomme.

Zunächst 450 Impfdosen

Geschäftsführerin Brigitte Angermann erinnert an die Ereignisse aus dem Vorjahr. "Wir haben sehr negative Erfahrungen mit der Grippewelle gemacht. Zeitweise hatten wir mehr als 60 Kranke aus dem Bereich der Pflege. Einstimmig haben wir deshalb in der Hygienekommission beschlossen, unseren Mitarbeitern ein eigenes kostenloses Impfangebot zu machen. Wir erhoffen uns dadurch eine höhere Impfquote, weil sich unsere Beschäftigten dadurch einen Extragang zum Hausarzt sparen können.""

450 Impfdosen habe das Klinikum zunächst bestellt. Damit könne ein Drittel der Mitarbeiter geimpft werden. "Dabei wissen wir natürlich nicht, wie viele sich dennoch bei ihrem Hausarzt gegen die Grippe schützen lassen." Zehn Euro kostet eine Impfung, ohne den dazu noch nötigen Personaleinsatz. Alles in allem sei das eine gute Investition, sagt Brigitte Angermann.

Landrat Klaus Peter Söllner hat sich mit einem strahlenden Lächeln von Amtsärztin Camelia Sancu in den Oberarm piksen lassen. Er habe sich gern für die Aktion zur Verfügung gestellt. "Ich finde den Ansatz gut, die Resonanz ist großartig. Im vergangenen Jahr waren wir aufgrund des Grippeausbruchs wirklich schwer gezeichnet. Auch in den Behörden und Betrieben hatte die Grippe zu großen Ausfallzahlen geführt. Wenn man vorbeugen kann, ist das eine gute Sache."

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