Hegnabrunn
Theater-Premiere

Grandiose Leistung in der Kneipe

Mit der Komödie "La Mandragola", die das Theater in der Kneipe" (TIK) in Hegnabrunn aufführte, konnten die Darsteller voll überzeugen. Vor allem Konrad Sauerteig wuchs über sich hinaus. Das Ensemble um Regisseur Jürgen Peter erhielt nach der Premiere Lob von höchster Stelle.
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Callimaco (Wolfgang Oertel, mit Gitarre) und sein Diener Siro (Konrad Sauerteig) verstehen es beide, Frauen zu umgarnen. Fotos: Werner Reißaus
Callimaco (Wolfgang Oertel, mit Gitarre) und sein Diener Siro (Konrad Sauerteig) verstehen es beide, Frauen zu umgarnen. Fotos: Werner Reißaus
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Das Lustspiel "La Mandragola" ist schon über 500 Jahre alt, aber aktueller denn je. Die freche und frivole Komödie des Italieners Niccolò Machiavelli gilt als eine der bedeutendsten der Renaissance. Es geht besonders um die universellen Symbole der Macht, Sex, Gold und Image. Geradezu köstlich, wie sich Machiavelli zu einzelnen Themen äußert. Etwa über das männliche Balzgehabe: "Ich wundere mich immer wieder, wie ein Stückchen Frauenbein derart gewaltige Gefühle in uns Männern zum Ausbruch bringen kann." Oder über die Ärzte: "Sie verstehen sich gut darauf, hohe Rechnungen zu schreiben. Aber bei der Diagnose fahren sie mit der Stange im Nebel herum." Und was des Mannes ganzen Stolz angeht: "Die Praxis lehrt, dass hinter einem großen Firmenschild sehr oft ein kleines Unternehmen steckt."

Die Besucher des "Theaters in der Kneipe" (TIK), die sich im Gasthof "Zum Unteren Wirt" drängten, erlebten eine
glanzvolle Premiere unter der Regie von Jürgen Peter. Die Wirtsstube diente in ihrer vollen Größe als Bühne, die Schauspieler verstanden es geschickt, das Publikum hin und wieder einzubinden, ohne aufdringlich zu wirken.
Auch Günther Zeller, selbst Schauspieler bei den "Buschklopfern" und "Schauhaufen", hat die Darbietung genossen: "Es waren sehr witzige Dialoge. Man muss genau aufpassen, um alles mitzubekommen. Begeistert bin ich immer wieder von Mona-Isabelle Peter, deren sprachliche Ausdrucksfähigkeit überzeugt. Sie beherrscht auch Hochdeutsch ganz hervorragend, was nicht jeder Franke so kann." Auch die Musik habe "wie die Faust aufs Auge gepasst", lobt Zeller.


"Hervorragend besetzt"

Ein ausgesprochener Fan des TIK ist Rüdiger Bauriedel, der schon alle Vorstellungen gesehen hat. "Die heutige Inszenierung war hervorragend besetzt. Vor allem Konrad Sauerteig als Siro, der Dreh- und Angelpunkt, war für mich eine Offenbarung als Schauspieler. Er hat das Wort geführt wie ein Fechter seinen Degen." Auch andere Rollen sah Bauriedel als optimal besetzt an. Etwa die des Liebhabers Callimaco, den Wolfgang Oertel mimte. "Er macht das mit Leidenschaft, und das steht für mich jedenfalls in keinem Widerspruch zu seinem Beruf als Pfarrer. Er hat schauspielerisches Talent, und es macht ihm sichtlich Spaß", so Bauriedel, der weiter keinen einzeln hervorheben möchte: "Die kleine Gruppe war wirklich grandios."

Kurt Rodehau, Vizepräsident der bayerischen Amateurtheater, gehört ebenfalls zu den TIK-Stammgästen: "Es ist schon selten, dass ein Regisseur diesen Weg in die Kneipe oder auch in die Kirche geht. Die Leistungen waren hervorragend. Was hier Amateure leisten, ist einfach phänomenal, das ist Wahnsinn."

Der Diener Siro (Konrad Sauerteig) verhilft seinem Herrn Callimaco Guadagni, einem Florentiner Lebemann (Wolfgang Oertel) mit hinterlistigen Plänen zum Treffen mit der von ihm angebeteten Lucretia (Silke Ködel), während er gleichzeitig deren Ehemann, Senator Nicia Calfucci (Walter Richter), die Hörner aufsetzt. Konrad Sauerteig, der erst vor vier Jahren zum Laienspiel kam, wuchs in seiner Rolle förmlich über sich hinaus. Bewundernswert, wie er die zum Teil sehr langen Textpassagen beherrschte und dabei noch geradezu genial den listigen Diener mimt. Wolfgang Oertel steht ihm da nur wenig nach.


Pfarrer Oertel gleich in drei Rollen

Der Untersteinacher Pfarrer beeindruckte die Zuschauer gleich in drei Rollen: Als Callimaco, als Arzt und als Mönch - obendrein noch im Gesangsduo mit seinem Diener, nicht unbedingt schön, aber laut.
Für die tollen Kostüme war Wolfram Broeder verantwortlich, der Leiter der städtischen Kostümabteilung am Theater Erlangen. "Ich habe Jürgen Peter bei der Naturbühne Trebgast kennen gelernt, und so bin ich zum TIK gekommen. Mit den Kostümen wollten wir der Historie gerecht werden, und in meinem Job weiß man dann, wie die ausschauen müssen."
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