Grafendobrach
Energiedorf

Grafendobrach: Grüner Strom vom Acker?

Die Firma Münch Energie aus Rugendorf will auf knapp 14 Hektar Fläche eine Photovoltaikanlage bauen. Wie denkt der Kulmbacher Stadtrat über das Projekt? Und was passiert jetzt?
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Auf der jetzt schneebedeckten Fläche am Waldrand will die  Firma Münch Energie aus Rugendorf auf knapp 14 Hektar Fläche eine  Photovoltaikanlage bauen. Foto: Stephan Tiroch
Auf der jetzt schneebedeckten Fläche am Waldrand will die Firma Münch Energie aus Rugendorf auf knapp 14 Hektar Fläche eine Photovoltaikanlage bauen. Foto: Stephan Tiroch
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Wird Grafendobrach ein Energiedorf? Ja, wenn es nach den Plänen der Firma Münch Energie geht. Denn der Rugendorfer Spezialist für regenerative Energie will dort auf einer Fläche von 13,8 Hektar - das sind etwa 20 Fußballfelder - grünen Strom für 3300 Haushalte produzieren.

Kaum einsehbar

Für die Photovoltaikanlage hat man sich einen Südhang ausgeschaut, nördlich vom Dorf am Waldrand gelegen. "Die Fläche wurde mit Bedacht gewählt", sagt der Projektverantwortliche von Münch Energie, Michael Schlee, auf Anfrage. Vorgabe sei gewesen, das Landschaftsbild so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Schlee: "Man kann das Gelände kaum einsehen. Es gibt keine Fernwirkung."

Tatsächlich muss man sich in die Höhe begeben, um etwas zu sehen: zum Beispiel zur Straße nach Lehenthal. Von hier hat man einen freien Blick auf die jetzt schneebedeckte Fläche (Foto oben).

Schlee bezeichnet es als Standortvorteil für die gesamte Region, wenn Strom klimafreundlich und günstig vor Ort produziert wird. "Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus, im Gegenteil." Neben der Gesetzeslage habe sich auch die gesellschaftliche Akzeptanz für grünen Strom geändert.

Einig mit Eigentümern

Mit den drei Grundstückseigentümern ist sich der Investor einig. Nach unbestätigten Quellen winkt eine Jahrespacht von 1500 Euro pro Hektar. Der Vertrag soll angeblich 20 Jahre laufen.

Jetzt liegt der Ball im Kulmbacher Rathaus. Münch Energie beantragte bei der Stadt, für die drei Flurstücke einen "vorhabenbezogenen Bebauungsplan zur Errichtung einer Photovoltaik-Freianlage" aufzustellen.

Darüber wollte der Stadtrat in der Sitzung am Donnerstag beraten. Aber am Dienstag setzte Oberbürgermeister Henry Schramm den Tagesordnungspunkt ab. SPD-Fraktionssprecher Ingo Lehmann hatte einen Ortstermin angeregt.

Ortssprecher: Ortsbegehung sinnvoll

Eine Entscheidung, die Ortssprecher Wolfgang Michel begrüßt: "Eine Ortsbegehung mit den Bürgern, bevor etwas beschlossen wird, ist sinnvoll." Laut Michel, der die ins Auge gefasste Fläche als "steinig und trocken" bezeichnet, sei es im Dorf bisher "relativ ruhig".

Wenn man sich in Grafendobrach umhört, ist der Solarpark schon ein Thema. Es wird diskutiert - bisher aber nicht in der Öffentlichkeit.

Dafür und dagegen

Es gibt unterschiedliche Ansichten - wie überall, wo regenerative Energie erzeugt werden soll. Die einen sind dafür, weil der Strom, der aus der Steckdose kommt, auch irgendwie da hineinkommen muss. Durch Atom- und Kohleausstieg habe die Politik die Richtung vorgegeben. Es gehe um Klimaschutz. Die anderen sind dagegen, weil Ackerland zweckentfremdet wird. Die Bauern könnten ohnehin kaum mehr Flächen dazupachten. Ein Gegner des Projektes fragt: "Muss denn der ganze Strom in Oberfranken erzeugt werden?"

Bürger sollen zu Wort kommen

Die Bürger sollen bei der geplanten Ortsbesichtigung mit dem Bauausschuss des Stadtrats und der Firma Münch zu Wort kommen. Ein Termin, so OB Schramm, steht noch nicht fest.

Er macht klar, dass der Antrag am Donnerstag wohl abgelehnt worden wäre, und verweist auf den Grundsatzbeschluss des Stadtrats von 2009. Dort heißt es, "dass Photovoltaikanlagen künftig vorrangig auf Dächern errichtet werden sollen, um das Landschaftsbild möglichst zu erhalten". Seither habe man einige Projekte nicht genehmigt. "Wir waren gut beraten", meint er und nennt die Grafendobracher Planung einen "Rieseneingriff in die Landschaft".

Auch in den Fraktionen wurde das Thema diskutiert. Alle befürworten den Ortstermin. Man werde weitergehende Informationen des Investors und einen Eindruck vom Bürgerwillen bekommen.

Interessen abwägen

Es sei, so heißt es, abzuwägen zwischen Landschaftsbild, Interessen von Landwirtschaft und Tourismus sowie den Erfordernissen einer dezentralen und regenerativen Energiegewinnung. CSU und WGK fühlen sich an den Grundsatzbeschluss gebunden, schließen aber eine neue Grundsatzdiskussion nicht aus.



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