Kulmbach
Fußball

Goldene Zeiten auf dem grünen Rasen

Anfang der achtziger Jahre herrschten goldene Zeiten im Kulmbacher Fußball. Gleich zwei Vereine kickten in der Bayernliga.
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Ein rappelvolles Georg-Hagen-Stadion in der Mittelau - ein normales Bild zu den Glanzzeiten des ATS Kulmbach, die in den achtzigern Jahren mit dem Abstieg aus der Bayernliga langsam zu Ende gingen. Heute steht an dieser Stelle die Versandhalle der Kulmbacher Brauerei. Foto: BR-Archiv
Ein rappelvolles Georg-Hagen-Stadion in der Mittelau - ein normales Bild zu den Glanzzeiten des ATS Kulmbach, die in den achtzigern Jahren mit dem Abstieg aus der Bayernliga langsam zu Ende gingen. Heute steht an dieser Stelle die Versandhalle der Kulmbacher Brauerei. Foto: BR-Archiv
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Zwei Kulmbacher Fußball-Vereine in der 3. Liga - ja, das gab's wirklich. "Aber das wird nie wiederkommen", sagt Jürgen "Lui" Hofmann, der diese goldenen Zeiten selbst auf dem grünen Rasen erlebt hat. Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre spielten spielten der der TSV Trebgast (1977 bis 1981) und der ATS Kulmbach (1974 bis 1982) gemeinsam in der Bayernliga. "Lui" Hofmann war Linksaußen beim ATS. Er erinnert sich: "Die Zuschauerzahlen waren im Vergleich zu heute unvorstellbar. Zum Derby gegen Trebgast kamen 3200 Zuschauer ins Georg-Hagen-Stadion." Die 1949 eingeweihte Heimstatt des ATS in der Mittelau musste 1987 der Erweiterung der EKU-Brauerei weichen, der ATS baute auf der grünen Wiese im Stadtteil Weiher neu. Was "Lui" Hofmann heute noch bedauert: "Die treuen Zuschauer aus der Stadt sind damals nicht mit umgezogen. Das hat auch zum Niedergang der ATS-Fußballabteilung beigetragen." Besser für den Kulmbacher Fußball wäre eine vom ATS angestrebte Fusion mit dem TSV 08 und der Neubau eines Stadions im Katzbachtal gewesen, glaubt er. "Das hat aber der TSV 08 leider abgelehnt", sagt Hofmann, der lange Jahre auch für die "Nullachter" gekickt hat und mit ihnen 1975 in die Landesliga aufgestiegen ist. Später kehrte Hofmann noch einmal zu seinem Heimatverein ATS zurück, für den er noch eine Saison in der Bayernliga bestritt.

Auch wenn Söldner und Wandervögel unter den Fußballern damals noch in der absoluten Minderheit waren - höherklassiger Fußball ohne "Kohle" war auch damals schon undenkbar. Der ATS hatte die Bayernliga einer guten Jugendarbeit, vor allem jedoch fußballbegeisterten Unternehmern wie Manfred Eckardt, Heinz Ritter oder Hans Ellner zu verdanken. "Es gab damals schon ein paar Mark, gelockt wurde aber auch mit Anstellungen bei den Sponsoren", sagt Hofmann.

Mäzen macht's möglich

Einem Mäzen mit Fußball-Faible hat auch der TSV aus dem damals nur 1200 Einwohner zählenden Trebgast seine besten und wohl nie wiederkehrenden Glanzzeiten zu verdanken. Bademoden-Fabrikant Peter Oehme (Solar) hatte Werke erst in Trebgast und später in Bindlach. "Unser damaliger Vorsitzender Heinz Beck war Prokurist bei der Firma Solar", sagt Hans-Jürgen "Charly" Moos, der vor 42 Jahren mit dem TSV Trebgast sensationell in die Bayernliga aufgestiegen ist. "Wir waren überall die Bauern, alle Gegner haben gefragt, wo unser Kaff überhaupt liegt", schmunzelt Moos. Als Kapitän hat er den dreimaligen Aufstieg des TSV binnen sechs Jahren von der A-Klasse über die Bezirksliga und die Landesliga in die höchste Amateurklasse maßgeblich mitgestaltet. "Der Aufwand war nicht ohne. Wir haben ja alle gearbeitet, aber drei, vier Mal in der Woche trainiert", sagt der heute 71-Jährige. Besonders in Erinnerung geblieben sind Moos ein achtbares 2:2 in der Saison 1980/81 gegen den "großen" FC Schweinfurt 05 oder ein 2:0-Sieg bei den Amateuren des FC Bayern München mit Walter Junghans im Tor. Als die "kleinen Bayern" erstmals in Trebgast - noch auf dem alten Hauptplatz - ran mussten, lief auch der spätere Weltmeister Klaus Augenthaler auf. "Er hat sich fürchterlich über unseren Acker aufgeregt", erinnert sich Moos. Auch der heutige Bundesligist FC Augsburg war Gegner des TSV.

2000 Zuschauer beim Derby

Obwohl die Firma Solar mehr und mehr den Geldhahn zudrehte, hielt sich der TSV Trebgast nach dem Abstieg 1981 (Relegationsniederlage gegen den TSV Schwaben Augsburg) noch zwölf Jahre in der Bayernliga. 2000 Zuschauer wie zum Derby gegen den ATS hatten die Trebgaster zwar nicht mehr, aber immerhin noch mehrere hundert. "Solche goldene Zeiten kann und wird es beim TSV Trebgast nicht mehr geben", ist sich Moos sicher - und selbst in der Großen Kreisstadt Kulmbach ist der Lack längst ab. Als der ATS am Samstag den SV Ramsenthal im Kellerduell der Kreisliga mit 2:0 besiegte, zählte man gerade mal 70 Zuschauer.

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