Wunsiedel

Glückwünsche und ein Küsschen

Martin Schöffel holt für die CSU das Direktmandat. Im Wahlkampf hat der Wunsiedler hart dafür gearbeitet. Auch am Wahltag schenkt er sich nichts - und fährt am Abend noch zu seinen Parteifreunden nach Kulmbach.
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Da war noch nicht alles gelaufen - aber das Wesentliche doch entschieden: Steffi Schöffel gratuliert ihrem Mann Martin, der im neuen Stimmkreis Wunsiedel, Kulmbach für die CSU das Direktmandat geholt hat.  Fotos: Katrin Geyer
Da war noch nicht alles gelaufen - aber das Wesentliche doch entschieden: Steffi Schöffel gratuliert ihrem Mann Martin, der im neuen Stimmkreis Wunsiedel, Kulmbach für die CSU das Direktmandat geholt hat. Fotos: Katrin Geyer
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Der erlösende Moment kommt um 19.37 Uhr. Noch sind zwar nicht alle Stimmbezirke ausgezählt. Aber das bunte Balkendiagramm auf der Leinwand im Sitzungssaal des Wunsiedler Landratsamt zeigt es deutlich: Martin Schöffel von der CSU hat das Direktmandat so gut wie sicher. Seine Frau Steffi strahlt, gratuliert ihrem Mann mit einem liebevollen Kuss.


Noch nicht richtig locker

Dem zu diesem Zeitpunkt erst vorläufigen Gewinner der Landtagswahl im neuen Stimmkreis 408 Wunsiedel, Kulmbach, fällt das Strahlen noch schwer. Nein, sagt er, so richtig locker könne er jetzt noch nicht sein. Aber ja, er freue sich, dass er fast im gesamten Stimmkreis einen deutlichen Vorsprung bei den Erststimmen habe einfahren können. Im Landkreis Wunsiedel, wo er zuhause ist, hat er gar in ausnahmslos allen Stimmbezirken mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Die Wähler hätten seine bisherige Arbeit honoriert. Das Ergebnis im Landkreis Kulmbach wertet Schöffel als großen Vertrauensvorschuss. Und das, so betont er, macht ihn doch ein wenig stolz.

Die Anspannung bleibt, trotz allem. Zu diesem Zeitpunkt hat Martin Schöffel schließlich noch einen langen Abend vor sich: Er wird eine gute halbe Stunde später noch nach Kulmbach fahren, die Glückwünsche von seinen Parteifreunden dort entgegennehmen. Und irgendwann, spät vermutlich, auch wieder zurück nach Wunsiedel zur Familie.

Das Pendeln zwischen dem Fichtelgebirge und Kulmbach war in den letzten Monaten Alltag für den 36-jährigen. 4000 bis 5000 Kilometer werden es gewesen sein, die er jeden Monat auf der Straße verbracht hat, so schätzt er. In den Sitzungswochen ist er mit dem Zug nach München gefahren. Der neue, ausgedehnte Stimmkreis hingegen - zwischen dem östlichsten Punkt in Hohenberg an der Eger und dem westlichsten Außenposten Mainleus liegen ziemlich genau 100 Kilometer - ist mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht zu bewältigen.

Früher waren die Wege kürzer. Im Zuge der Stimmkreisreform in Bayern ist aus den selbstständigen Stimmkreisen Kulmbach und Wunsiedel ein ungeliebtes Flächen-Monstrum geworden, das bald nur noch als "Hundeknochen" bezeichnet wurde.


Lange Wege im "Knochen"

Im Dezember 2012 hatten die Delegierten aus beiden Teilen des neuen Gebildes in einer spektakulären Nominierungsversammlung zur Enttäuschung des Kulmbacher Bewerbers Ludwig von Lerchenfeld Schöffel auf den Kandidaten-Schild gehoben. Manch einer mag in der Folgezeit insgeheim gelächelt haben, wenn der Kandidat wieder einmal auch bei kleinsten Anlässen in der Region Kulmbach präsent war. "Aber es war mir wichtig, dass die Leute die Chance haben, mich kennen zu lernen", sagt er.

Noch wichtiger sei es ihm gewesen, dass er selbst die kennen lernte, die in der Region in der Verantwortung stehen - in den Vereinen, in den Unternehmen, in der Kommunalpolitik.

Das Konzept ist offensichtlich aufgegangen. Obwohl es so scheint, als würden die Kulmbacher immer noch ein wenig fremdeln mit dem neuen Stimmkreis: Im Landratsamt Wunsiedel, wohin an diesem Wahlabend alle Auszählungsergebnisse gemeldet werde, wo Reporter, Fotografen und Kamera-Teams kurz vor 18 Uhr Position bezogen haben, und wo auch Martin Schöffel selbst gegen halb sieben auftaucht, haben sich etliche seiner Parteifreunde eingefunden, um ihren Kandidaten zu unterstützen und um ihm zu gratulieren. Aus Kulmbach ist niemand da.

Die Kulmbacher warten daheim: In der "Alten Feuerwache", wo - so hört man es in Wunsiedel - in dem Moment, in dem der Kandidat seine Frau in den Arm nimmt, schön kräftig gefeiert wird.

Ergebnisse der Direktkandidaten und Parteien in den fränkischen Stimmkreisen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Direktkandidaten finden Sie auf dieser Seite.

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