Laden...
Kulmbach
Glosse

Glosse: Warum ich moderne Märchen mag

Ich mag Märchen. Ganz besonders faszinieren mich die modernen Märchen, die "Urban Legends" (Stadt-Legenden) oder "FOAF tales".
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Holger Hollemann/dpa
Foto: Holger Hollemann/dpa
Letzteres heißt "Friend of a friend tales" , und die deutsche Übersetzung "Erzählung des Freundes eines Freundes" lässt schon erahnen, was davon zu halten ist: Nicht viel. Da hat der Freund eines Freundes oder wahlweise auch der Onkel des Cousins der Schwägerin etwas erzählt, für dessen Wahrheitsgehalt er sich verbürgt. Belege aber gibt es keine.

Das verhält sich so bei der Geschichte von dem Pärchen, das aus einem Spitzenrestaurant geflogen sein soll , weil es jeweils vom Teller des anderen probiert hat. Das verhält sich kaum anders bei der Geschichte von den jungen Alligatoren, derer sich ein New Yorker angeblich mithilfe der Toilettenspülung entledigt hat, und die sich nun in der Dunkelheit der Kanalisation eifrig vermehren und zu monströsen Viechern heranwachsen.

Das moderne Märchen von "King" Elvis, der keineswegs tot ist, sondern wahlweise in Argentinien, Mexiko oder
Mecklenburg-Vorpommern einen ruhigen Ruhestand genießt, ist ebenso schön und falsch wie die Geschichte von der Mondlandung, die angeblich nie stattgefunden hat, sondern in einem Studio in Hollywood gedreht wurde.

Mein liebstes Märchen aber ist das von der Frau, die ihren frisch gebadeten Hund in der Mikrowelle trocknen wollte. Das ist weder dem Hund noch dem Gerät sonderlich gut bekommen. Seither muss, so will es die Legende, jede Mikrowelle einem Gerichtsbeschluss zufolge einen Warnhinweis tragen.

Das glauben Sie nicht? Und Ihre Mikrowelle trägt auch keinen Warnhinweis? Dann fragen Sie doch mal ihre Nachbarin. Deren Schwippschwager hat einen Kollegen, der jemanden kennt, der bestätigen kann, dass das alles, alles wirklich wahr ist.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren