Kulmbach
Aktion

Glen-Dimplex-Mitarbeiter gehen eine Stunde früher heim

Im Zuge des Tarifkonflikts in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall bei Glen Dimplex zu einem Solidaritätswarnstreik aufgerufen.
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Die IG Metall ruft aktuell zu Warnstreiks auf, auch in Oberfranken.Maurizio Gambarini/dpa
Die IG Metall ruft aktuell zu Warnstreiks auf, auch in Oberfranken.Maurizio Gambarini/dpa
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Was es damit auf sich hat, erläutert Renate Guist, die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens: "Der Aufruf zum Solidaritätswarnstreik bedeutet, dass unsere Mitarbeiter eine Stunde früher als normal ihre Arbeit beenden." Das betreffe die Arbeitnehmer, die im Schichtsystem und im Gleitzeitbetrieb tätig sind. "Die Leute der Nachtschicht haben das Angebot genutzt und sind heute morgen eine Stunde früher heimgegangen", sagt Guist. Die Aktion laufe den gesamten Tag weiter. Derzeit beschäftigt Glen Dimplex in Kulmbach etwa 770 Mitarbeiter.

Bernd Theile, Mitglied der Geschäftsführung, betont, das Unternehmen sei von der aktuellen Tarifauseinandersetzung nicht betroffen. Wir haben bereits im Vorfeld der Verhandlungen einen Ergänzungstarifvertrag geschlossen, weil wir - sozusagen im gleichen Atemzug - auch ein nachhaltiges Zukunftskonzept vorlegen konnten, das wiederum ein umfangreiches Investitionsvolumen schwerpunktmäßig für den Standort Kulmbach beinhaltet."

Die Warnstreikaktion im Haus erfolge auf freiwilliger Basis; die Mitarbeiter hätten so die Gelegenheit, sich solidarisch zu erklären. "Nach Abschluss der Tarifrunde werden wir unsererseits mit weiteren Informationen an die Öffentlichkeit gehen", sagt Theile. Das sei auch so mit dem zuständigen IG-Metall-Bevollmächtigten für Ostoberfranken, Volker Seidel, abgesprochen.

Seidel bestätigt das. "Die Kollegen bei Glen Dimplex beteiligen sich zur Unterstützung der Mitarbeiter in anderen Betrieben der Branche. Nach Abschluss der Verhandlungen werden wir dann für Glen Dimplex den gemeinsamen Verhandlungsstand darstellen."

Wann das sein wird, hänge von der Gesprächsbereitschaft des VBM ab, in dem die bayerischen Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranche zusammengeschlossen sind. Laut Seidel sei aktuell kein Ende in Sicht. "Der VBM hat sich eingegraben, wir sehen auch nach der zweiten Verhandlungsrunde keinerlei Annäherung."

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Geld und einen Anspruch auf die befristete Absenkung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden. Bestimmte Beschäftigtengruppen sollen dabei einen Teillohnausgleich erhalten. Diese Gruppen umfassten Menschen mit Kindern respektive Pflegebedürftigen zu Hause sowie Beschäftigungsverhältnisse mit besonderen Arbeitsumständen. "Dazu zählen beispielsweise jene, die im Drei-Schicht-System arbeiten. Wer das einmal am eigenen Leib erlebt hat, der weiß, welche Belastungen damit verbunden sind."

Von einem "Angebot" der Arbeitgeberseite könne, so Seidel, aktuell keine Rede sei. "Man hat mickrige zwei Prozent geboten. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit, denn der VBM hat das gekoppelt mit Gegenforderungen wie der Erhöhung der Arbeitszeit, der Abschaffung bezahlter Pausen und mehr. Es gab bislang keinerlei Bereitschaft, überhaupt über Inhalte zu verhandeln. Man hat versucht, die Beschäftigten zu verunsichern, indem behauptet wurde, die Forderungen der Gewerkschaft seien gar nicht rechtswirksam."

Die Kollegen hätten sich aber nicht einlullen lassen, sagt Seidel. Das zeige die bisherige Beteiligung der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten an den Aktionen. " In Nürnberg hat ein Sternmarsch die ganze Stadt lahmgelegt, und auch an anderen Standorten ist die Beteiligung bisher höher ausgefallen, als wir es uns erwartet haben."

Seidel hatte am Donnerstagvormittag bei einer Großkundgebung bei KSB in Pegnitz teilgenommen. "Dort haben 500 Menschen trotz der Minustemperaturen vor dem Werkstor den Forderungen der IG Metall Nachdruck verliehen." Weitere Aktionen finden in Mistelgau, Marktredwitz und Bayreuth statt. Am Freitag soll es zusätzliche so genannte Frühschluss-Aktionen in Selb und Schwarzenbach am Wald geben. "Der Begriff ist wörtlich zu nehmen: Die Beschäftigten machen dort früher Schluss oder fangen, je nach Schichtmodell, später an." Die Warnstreikphase werde wohl auch auf die gesamte kommende Woche ausgedehnt - je nach Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite.
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