Thurnau
Natur und Freizeit

Gisela Kern gibt Vereinsvorsitz ab

Beim Thurnauer Verein Natur und Freizeit geht am Freitagabend eine Ära zu Ende. Gisela Kern, die bereits 1966 den Naturfreunden beigetreten ist und bis jetzt auch den Nachfolgeverein geleitet hat, gibt das Amt der Vorsitzenden ab.
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Gisela Kern möchte sich in Zukunft ihrem neuen Hobby Ahnenforschung widmen. Der Stammbau der Familie reicht schon bis ins Jahr 1585 zurück. Foto: Sonja Adam
Gisela Kern möchte sich in Zukunft ihrem neuen Hobby Ahnenforschung widmen. Der Stammbau der Familie reicht schon bis ins Jahr 1585 zurück. Foto: Sonja Adam
In Zukunft will sie sich mehr um ihre Enkelkinder Madeleine (9) und Elaine (4) kümmern sowie um ihre pflegebedürftige Mutter. Und um ihre Hobbys. "Ich habe einen reichhaltigen Fundus an Geschichten, für die ich alteingesessene Thurnauer Bürger interviewt habe. Diesen Fundus möchte ich einmal aufarbeiten und vielleicht so eine Art Thurnauer Wörterbuch erstellen", sagt Gisela Kern. Und es gibt noch ein neues Hobby, dem sie sich künftig verstärkt widmen will - die Ahnenforschung. Sie kann ihre Vorfahren bis zum Jahr 1585 zurückverfolgen, weiß, dass ihre Familie aus Flensburg kommt. "Ich war schon in Flensburg auf Spurensuche und möchte noch in den Kirchenbüchern forschen." Dass sie den Vorsitz im Verein "Natur und Freizeit Thurnau" niederlegen wird, hatte sie bereits im vergangen Jahr angekündigt.

"In letzter Zeit war das schon ein Halbtagesjob.
Und ich denke es ist besser einen Wechsel zu machen, wenn der Verein gut da steht", lautet ihre Einstellung. Natürlich werde sie weiter aktiv bleiben. Sie wolle auch künftig das Literatencafé leiten und die Organisation für größere Veranstaltungen wie das Open Air mit den Buschklopfern übernehmen. Auch bei den Hüttensängern werd sie aktiv mit von der Partie sein. "Ich bin hier gerne dabei, das macht mir richtig Freude", betont sie.

Gisela Kern war in den letzten Jahrzehnten der Motor und die Antriebskraft im Verein "Natur und Freizeit Thurnau". Wenn sie aufhört, geht eine Ära zu Ende. "Ich hätte nicht so viel bewirken können, wenn ich nicht so viele Leute gehabt hätte, die mich unterstützt haben", sagt Gisela Kern bescheiden.

Dass sie einst den Weg zu den Naturfreunden fand, war ein großer Zufall. Sie kam 1966 durch die Theatergruppe dieser Vereinigung dazu. "Meine Freundin spielte die Hauptrolle in dem Stück ,Die Glockenhofbäuerin‘ und fiel dann aus. Dann habe ich die Rolle übernommen", erinnert sie sich. In den Verein eingetreten sei sie vor allem aus dem Grund, um auch bei den Proben versichert zu sein.

"Dann habe ich bei den Naturfreunden meinen Mann kennen gelernt." Wolfgang Kern leitete die Fotogruppe und konnte seine Frau von Anfang an für dieses Hobby begeistern. "Früher habe ich mit einer Canon AE 1 fotografiert, heute mit einer Panasonic Lumix", erzählt Gisela Kern. Sie brachte sich in der Folgezeit immer mehr im Verein ein und unterstützte ihren Mann. Vor 20 Jahren war sie Gründungsmitglied der "Hüttensänger". Zudem hat sie eine Chronik in Mundart für den Verein geschrieben und das Literatencafé aus der Taufe gehoben. Seit 2002 führt sie auch die Geschicke des Vereins.

Auf ein Unterfangen ist Gisela Kern besonders stolz. Denn sie führte die Verhandlungen mit der Gräflich Giech'schen Stiftung bezüglich des Naturfreundehauses. "Wir konnten das Gebäude für 20 Jahre anmieten und haben es saniert. Und das hat uns viele Möglichkeiten eröffnet. Alle Gruppen haben in dem Haus ihre Heimat", sagt Kern. Ehrenamtliche hätten es in tausenden von Stunden saniert und instand gesetzt. "Wir hatten ein Team an Facharbeitern und Frührentner, die die Ärmel hochgekrempelt haben. Das war vorbildlich, und wir können stolz auf diese Leistung sein", so die scheidende Vorsitzende.

Allerdings gab es auch weniger erfreuliche Stunden. So gerieten die Thurnauer Naturfreunde in die Schlagzeilen, weil plötzlich Geld in der Kasse gefehlt hat - ein stattlicher Betraf von 10 000 Euro. "Wir haben uns entschlossen, den damaligen Kassierer nicht strafrechtlich zu verfolgen. Das war die richtige Entscheidung. Wir haben unser Geld auf Heller und Pfennig wieder. Das war für den Verein sehr gut", sagt Gisela Kern rückblickend und betont, dass die Entscheidung schwer und nicht unumstritten war.

Ein wichtiger Schritt war der Austritt aus dem Landesverband. Deshalb heißt der Verein auch nicht mehr Naturfreunde, sondern Natur und Freizeit Thurnau e.V. "Wir haben viel Geld an den Landesverband gezahlt, pro Mitglied 40 Euro. Das wäre nicht mehr vertretbar gewesen", erklärt Kern. "Der größte Teil der Mitglieder sagt, dass unser Austritt eine weise Entscheidung war", freut sie sich noch heute über den Rückhalt.

Der Verein "Natur & Freizeit" wirtschaftet inzwischen mit seinem eigenen Geld. Letztendlich kommen die Einnahmen wieder kulturellen Veranstaltungen in der Region und so den Mitgliedern zugute.

Gisela Kern und ihr Mann Wolfgang, der sich aus der Leitung der Fotogruppe schon vor Jahren zurückgezogen hat, werden sicherlich auch in Zukunft fester Bestandteile des Vereins sein, betonen beide. Aber eben mit mehr Freiheiten.

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