Himmelkron
Wirtschaft

Gewerbegebiet: Für Himmelkron eine Nummer zu groß?

Das 24 Hektar große Gewerbegebiet ist umstritten. Für die Naturschützer ist es überdimensioniert, für den Bürgermeister eine Notwendigkeit für die Gemeinde.
Artikel drucken Artikel einbetten
Lydia Schoberth und die Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Himmelkron, Wilhelmine Denk (von links), schauen skeptisch auf das Gewerbegebiet entlang der B 303. Die geplante Größe sei unverhältnismäßig, kritisieren sie.Peter Müller
Lydia Schoberth und die Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Himmelkron, Wilhelmine Denk (von links), schauen skeptisch auf das Gewerbegebiet entlang der B 303. Die geplante Größe sei unverhältnismäßig, kritisieren sie.Peter Müller
+2 Bilder
"Das sind 35 Fußballfelder!" Das Ausrufezeichen, mit dem Wilhelmine Denk ihren Vergleich versieht, ist unüberhörbar. Die Vorsitzende der Himmelkroner Ortsgruppe des Bund Naturschutz meint damit das Gewerbegebiet an der B 303 gegenüber der Frankenfarm, für das etwa 24 Hektar Ackerland ausgewiesen sind. Nach der Ablehnung des Möbelriesen XXL Lutz soll sich dort dem Vernehmen nach nun ein Logistikunternehmen ansiedeln.

"Es ist nicht so, dass der Bund Naturschutz Gewerbe verhindern will", nimmt Denk eventuellen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln. "Es geht um die Größe, die nicht nachvollziehbar ist. Das Gebiet ist überdimensioniert." Die Ortsgruppe sei der Meinung, dass eine kleine Lösung genüge und außerdem Lücken geschlossen werden sollten. Bei der Autobahngalerie sei zum Beispiel noch ein Hektar übrig.

In einem Gespräch mit Vertretern der BN-Ortsgruppe, so die Vorsitzende, habe Bürgermeister Gerhard Schneider selbst erklärt, dass er aktuell nur fünf Hektar brauche. Deshalb fehle die Verhältnismäßigkeit.


Umwelt, Verkehr, Flächenfraß

"Wir haben doch alles, wir können eigentlich langsam den Deckel draufmachen", fordert Wilhelmine Denk, die vor einer weiteren Umweltverschmutzung, Zersiedelung und Zunahme des ohnehin belastenden Verkehrs warnt. Außerdem habe selbst die Partei des Bürgermeisters, die CSU, Vorschläge gemacht, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Flächensparens zu schärfen.
Für Lydia Schoberth ("Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bürger das wollen") zieht auch das Argument "Arbeitsplätze" nicht: "Wir haben in Himmelkron eine so niedrige Arbeitslosenquote, dass wir ein solch riesiges Gewerbegebiet nicht brauchen."

Bedenklich stimmt die Mitglieder des Bundes Naturschutz außerdem, dass die Gemeinde aus Kostengründen das Areal nicht selbst erschließen, sondern dies einem Investor überlassen will. "Dann hätte die Gemeinde ja keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Betriebe, die sich dort ansiedeln können."

Klaus Schoberth stellte fest, dass die BN-Ortsgruppe vor allem informieren will. Man hoffe aber, dass sich die Bürger auch zum Thema äußern. "Wir können die Sache nur anstoßen."

Die gemeindliche Sicht der Dinge sieht anders aus. "Solche Meinungsverschiedenheiten sind legitim, das muss man ausdiskutieren", sagt Bürgermeister Gerhard Schneider, demzufolge der Gemeinderat mit ihm die Auffassung vertritt, dass dieses Gewerbegebiet, das seit 30 Jahren als solches im Flächennutzungsplan ausgewiesen sei, für die wirtschaftliche Entwicklung der Kommune notwendig ist.

Aufgrund der Tatsache, dass das Gelände von der B 303 "weghängt", sei nicht nur eine neue und intelligente verkehrsmäßige, sondern auch eine abwassertechnische Erschließung notwendig.


Erschließung kostet 13 Millionen

Hier stehe eine Kostensumme von 12 bis 13 Millionen Euro im Raum, die die Gemeinde aber nicht schultern könne. Schneider: "Auch heimische Betriebe haben Interesse. Wir haben Gespräche mit verschiedenen Firmen und den Grundbesitzern geführt und uns auf einen Erschließungsträger geeinigt, dessen Namen ich noch nicht nennen kann, der aber bereits mit ersten Planungsvarianten auf uns zugekommen ist. Die Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth ist aber raus."

Kein Thema mehr sei auch die Ansiedlung von DHL, wenngleich die Logistik sicherlich das Rückgrat dieses Gewerbegebiets sein werde. Grundsätzlich sei die Gemeinde aber an einer vielfältigen Nutzung interessiert. Die Wunschvorstellung wäre natürlich ein Mitspracherecht, grundsätzlich könne die Gemeinde aber über den Bebauungsplan gewisse Festlegungen treffen, die auch Aussagen über die Auswahl der Betriebe beinhalten.

Zu der von den Naturschützern geforderten kleinen Lösung erklärte Schneider, dass diese nicht realistisch sei. Zum einen seien im bestehenden Gewerbegebiet alle Parzellen veräußert beziehungsweise unverkäuflich, zum anderen falle ein Kostenaufwand von rund sechs Millionen Euro immer an, egal, ob fünf oder 24 Hektar erschlossen werden. "Eine Verkehrsregelung von der B 303 her brauchen wir auf jeden Fall." Im übrigen seien die Grundbesitzer neben der Autobahn allesamt verkaufsbereit, was im Innerortsbereich teilweise nicht der Fall sei.

Eine Firma, die lieber heute als morgen einen Kaufvertrag für eine Fläche auf dem Gewerbegebiet Himmelkron-Ost BA I unterzeichnen würde, ist die Spedition Emons. Laut Niederlassungsleiter Stephan Meixner sucht das Unternehmen, das in Himmelkron bereits 160 und an den Außenstandorten Bindlach und Bad Berneck weitere 20 Arbeitnehmer beschäftigt, konkret nach Erweiterungsmöglichkeiten.

"Wir sind bereits seit einem Jahr mit der Gemeinde im Gespräch. Wir suchen für einen großen Kunden Lagerflächen, die im Bezug auf Logistik und Warehousing spezifische Ansprüche haben und die es im Bestand nicht gibt", erläutert Meixner. Er sei beileibe kein Freund von unnötigen Flächenversiegelungen und könne die Bedenken des Bundes Naturschutz durchaus verstehen.


"Wir wollen nicht, wir müssen"

Die Firma Emons habe aber keine andere Wahl: "Wir wollen nicht, sondern wir müssen erweitern. Wir haben deshalb auch noch andere Optionen und sind diesbezüglich sehr aktiv."
Die Fläche, die die Spedition im künftigen Gewerbegebiet für sich beanspruchen würde, bezifferte der Niederlassungsleiter mit vier Hektar.


25 bis 30 Arbeitsplätze

Zum zeitlichen Rahmen sagte er: "Wir wollen bis spätestens Ende 2019 in dem neuen Gebäude sein. Dort würden dann nochmals 25 bis 30 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen."

Die Zeit drängt also, nicht nur für die Spedition, sondern auch für die Gemeinde, die neben den Interessen der Wirtschaft auch den Naturschutz nicht zu kurz kommen lassen will. Bürgermeister Schneider: "Wir reden über großzügige ökologische Ausgleichsmaßnahmen."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren