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Kulmbach
Pandemie

Gestrandet in Südafrika

Anna Punke-Dresen sitzt mit ihrer Familie in Kapstadt fest. Die letzte Hoffnung der ehemaligen Kulmbacherin: die Rückholaktion der Bundesregierung.
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Anna Punke-Dresen hat bis vor wenigen Tagen unbeschwerten  Urlaub in Südafrika  mit ihrem Mann Sigi und Sohn Oskar genossen.
Anna Punke-Dresen hat bis vor wenigen Tagen unbeschwerten Urlaub in Südafrika mit ihrem Mann Sigi und Sohn Oskar genossen.
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"Lieber Heiko Maas, die Familie Punke-Dresen möchte bitte aus Kapstadt abgeholt werden." Diese Bitte postete Anna Punke-Dresen am Montag dieser Woche auf ihrer Facebook-Seite. Die 36-Jährige, die in Melkendorf aufgewachsen ist, in den 90er Jahren Praktikantin in der Rundschau-Redaktion war und heute mit ihrer Familie in Hamburg lebt, ist mit ihrem Mann Sigi und ihrem knapp fünfjährigen Sohn Oskar einen Monat quer durch Südafrika gereist - vier Wochen, in denen sich die Welt verändert hat und nach denen die geplante Heimreise nicht mehr möglich ist. Nun gibt es nur noch eine Chance, wieder zurück nach Deutschland zukommen: die Rückholaktion der Bundesregierung.

Abreise ganz ohne Sorgen

"Eine etwas längere Auszeit hatten wir uns vorgenommen, die Reiseroute von Kapstadt aus, insgesamt 28 Tage die "Gardenroute" entlang, haben wir aus familienfreundlichen Gründen gewählt: kaum Zeitverschiebung, malariafrei, für unseren Sohn genug Abenteuer mit Safaris, Strand und Meer, beliebt (nicht nur) bei Familien mit Kleinkindern."

Als die Punke-Dresens im Februar Richtung Südafrika starten, ist das Corona-Virus in Deutschland noch kein großes Thema. "Wir ahnten damals nicht, welche Ausmaße das annehmen würde, und freuten uns auf Entschleunigung, auf Sommerwetter, die abwechslungsreiche Natur, die beeindruckende Tierwelt, das tolle Essen."

Mit etwas Abstand von Handy und Internet bekommt die Familie verzögert mit, wie dramatisch sich die Lage verändert. Der Austausch mit Freunden, Familie und Kollegen wird ab Anfang März immer wichtiger.

Die Stimmung kippt

In Südafrika kippt nach und nach die Stimmung. Die Furcht vor dem Virus wächst. Am 13. März reist die Familie Punke-Dresen in ihre nächste Unterkunft in Knysna und findet dort zum ersten Mal eine schriftliche Corona-Warnung. "Ab da werden wir in allen weiteren Unterkünften mit Desinfektionsmittel begrüßt, müssen uns im Restaurant namentlich registrieren, um etwaige Ansteckungen nachverfolgen zu können, und unterhalten uns mit sehr vielen besorgten Angestellten, die Angst haben - vor der Krankheit, vor Jobverlust, vor dem Lockdown des öffentlichen Lebens." Schulen und Kirchen werden geschlossen. In Großstädten wie Kapstadt wird das öffentliche Leben immer mehr eingeschränkt. Der berühmte Tafelberg kann nicht mehr besucht werden, Museen schließen.

"Zum ersten Mal richtig nervös werden wir, als die Chefin unseres Reisebüros uns am 17. März persönlich anruft und uns mitteilt, dass Südafrika erste Flüge streicht und uns vor der Schließung der EU-Außengrenzen warnt", schreibt Anna Punke Dresen. Mit der unbeschwerten Sorglosigkeit ist es vorbei. "Unser Flug ist bis dahin noch im Online-Portal bestätigt, wir entscheiden uns abzuwarten. Freunde und Familie ermuntern uns ebenfalls, hier zu bleiben, in Deutschland ist die Situation schließlich viel eingeschränkter. Auf unseren Touren begegnen uns andere Reisende, die ängstlicher sind und im Nachhinein betrachtet die Situation vielleicht auch realistischer einschätzen, Flüge umbuchen und ihren Urlaub vorzeitig abbrechen."

Eine schlaflose Nacht

Wenig später ist auch der Flug der Punke-Dresens nach Frankfurt gestrichen. Alternativen? Es gibt keine Informationen. Anna Punke-Dresen schreibt der BR: "Ich hatte eine schlaflose Nacht voller Selbstvorwürfe. Was ist, wenn wir nicht rechtzeitig zurückkommen? Wie wäre im schlimmsten Fall unsere medizinische Versorgung hier?"

Neue Hoffnung schöpft die Familie, als sie von der Rückholaktion der Bundesregierung erfährt: "Wir erhielten Infos vom auswärtigen Amt mit Online-Formularen, worauf wir uns registrieren mussten. Südafrika wird aufgrund der noch niedrigen Fallzahlen aber nicht zuerst in den Fokus genommen."

Seit Montag dieser Woche sitzen die Punke-Dresens in ihrem Hotel in Kapstadt fest, verlängern tageweise die Buchung. Der südafrikanische Präsident verkündet, dass ab der Nacht zum Freitag für 21 Tage ein nationaler Lockdown beschlossen ist, eine weitreichende Ausgangssperre.

Am Mittwoch dann endlich die erlösende Nachricht: Die Drei haben Plätze in einer Rückholmaschine für Freitagabend ergattert. Um 18.20 Uhr soll es Richtung Heimat gehen. Am Samstagmorgen werden sie in Frankfurt landen. Anna Punke-Dresen: "Die letzten Tage waren aufregend, irgendwie surreal, wie im Film. Diese Reise werden wir nie vergessen."