Kulmbach
Konzert

Gerd Wachowski erweist sich in Kulmbach als Meister der Orgel-Improvisation

Professor Gerd Wachowski erfüllte bei einem besonderen Konzert auf der Rieger-Orgel von St. Petri die Wünsche der Zuhörer.
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Kirchenmusikdirektor Professor Gerd Wachowski ist ein Meister seines Faches: Beim Konzert auf der ehrwürdigen klangschönen Rieger-Orgel in der Petrikirche improvisierte er bekannte Kirchenlieder, die sich die Zuhörer gewünscht hatten. Foto: Sonny Adam
Kirchenmusikdirektor Professor Gerd Wachowski ist ein Meister seines Faches: Beim Konzert auf der ehrwürdigen klangschönen Rieger-Orgel in der Petrikirche improvisierte er bekannte Kirchenlieder, die sich die Zuhörer gewünscht hatten. Foto: Sonny Adam

Wenn Kirchenmusikdirektor Gerd Wachowski zum Orgelkonzert einlädt, dann kommt er ohne Noten aus. "Was möchten Sie denn gerne hören?", fragte er das erstaunte Konzertpublikum, das zu seinem Improvisationskonzert in die Petrikirche gekommen ist.

Wachowski lud die Kulmbacher am Pfingstsonntag zu einem Orgel-Wunschkonzert ein. Die gewünschten Titel wollte er dann improvisieren. "Ich nehme die Kirchenlieder nur als Steigbügel, versuche dann aus dem Moment heraus zu spielen - aus dem Stegreif."

Beflissen notierte sich der renommierte Orgelprofessor, der Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Frankfurt am Main ist und dort die Professur für Liturgisches Orgelspiel und Literaturspiel innehat, die Wünsche der Kulmbacher. Die Palette war breit gefächert, reichte von einfachen altbekannten Kirchenliedern bis hin zu anspruchsvollen Bach-Werken.

Gewaltige Orgel kann auch leise

Mesner und Musiklehrer Wolfgang Armbrecht wünschte sich ein Stück, das "ganz leise" gespielt wird. Nicht ohne Hintersinn. Denn die meisten Rieger-Orgeln sind so disponiert, dass sie vor allem durch ihre Klanggewalt bestechen und "leise" eben nicht können.

Für die Kulmbacher Rieger-Orgel gilt das allerdings nicht. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch zarte Klänge bis zur Perfektion erzeugen kann. "Jesu, meine Freude" wählte der Orgelprofessor aus und machte daraus eine Meditationsmusik. Die Töne klangen wie in Watte gepackt: hauchzart, wie vom Winde verweht und doch unendlich schön und harmonisch. Test bestanden, musste Armbrecht eingestehen.

Ein Kenner des Instruments

Tatsächlich kennt Professor Gerd Wachowski die Kulmbacher Rieger-Orgel so gut wie kein anderer. Er war als Sachverständiger beim Orgelneubau beteiligt. Mit seinem Improvisationskonzert zum Abschied von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn wollte er noch einmal die Verbundenheit zu Kulmbach musikalisch untermauern.

Zu einem wunderschönen Improvisationswerk voller positiver Energie wurde "Wie lieblich ist der Maien". Der Orgelprofessor improvisierte es mit Tutti-Solo-Elementen, spielte mit Haupt- und Nebenwerk und ließ sich dabei offenbar von den Regeln einer klassischen Concerto-Komposition inspirieren.

Alle Wünsche werden erfüllt

Ein echtes Meisterstück machte der Orgelprofessor aus dem Wunsch des jüngsten Orgelkonzertbesuchers: Klein-Ole hatte dem Organisten verraten, dass er gerne "Alle Vögel sind schon da" hören würde. Zwar kein Kirchenlied, doch der Kirchenmusikdirektor Professor Gerd Wachowski mixte es mit "Geh aus mein Herz und suche Freud". Das Ergebnis war ein Meisterstück: So mancher Konzertbesucher staunte, dass es offenbar Vogelstimmen-Register in der Rieger-Orgel gibt. "Nein, das ist einfach eine 4-Fuß-Flöte, ein bisschen Trillern dazu", erklärte der Professor und schmunzelte.

Auf der Rieger-Orgel konnte er den Regenruf der Finken, Kuckucksrufe und viele andere heimische Singvögel imitieren. Sie würzten die eingängige Improvisation mit Witz, und das Kirchenlied mutierte unter den Fingern von Wachowski zum Stimmungsaufheller, mit dem Potenzial alle trüben Gedanken zu vertreiben.

Das evangelischste aller Kirchenlieder "Ein feste Burg", ein Symbol für Luthers Protestantismus, erklang mit fröhlichem Cantus Firmus nach Bach-Art.

Einige Wunsch-Stücke kombinierte Gerd Wachowski: So verschmolz er die Bach-Mottete "Jesu, bleibet meine Freude" mit "Großer Gott, wir loben dich" zu einem Zwiegespräch.

Zu einem echten Meisterstück machte Professor Gerd Wachowski das Lied der Gralsritter: Der Text "Dienend hüten wir im Lichte himmlische Weltgeschichte" wurde durch ein beeindruckendes und virtuoses Pfeifenspiel lebendig. Die Orgelpfeifen wummerten, setzten den gesamten Kirchenraum in Bewegung und waren für die Zuhörer spürbar. Die Melodie klang wie in Fetzen zerrissen durch.

Mit einem Trio zu Melchior Vulpius Chorsatz "Hinunter ist der Sonnenschein" und einer Variation und Fuge zu "Wer nur den lieben Gott lässt walten" setzte der Meister-Organist einen Schlusspunkt. Die Zuhörer waren von der unerschöpflichen Fantasie, von der Konzentrationsfähigkeit und von der Klangvielfalt, die Gerd Wachowski der Rieger-Orgel entlockte, begeistert. Das Improvisationskonzert wurde zu einem vielfältigen Meisterstück.

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