Untersteinach

Gemeinsam, und doch getrennt

Fisch und politische Reden wollte sich die Untersteinacher Wählergemeinschaft diesmal mit der FDP teilen. Aus der gemeinsamen Veranstaltung wurde aber nichts. Die Freien Wähler hatten keine Gastredner.
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FDP-Bezirksvorsitzender Thomas Nagel und der Vorsitzende der Untersteinacher WGU, Helmut Bergmann. Foto: Alexander Hartmann
FDP-Bezirksvorsitzender Thomas Nagel und der Vorsitzende der Untersteinacher WGU, Helmut Bergmann. Foto: Alexander Hartmann
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Alexander Hartmann

Deftige Politik und leckerer Fisch sollte den Besuchern beim politischen Aschermittwoch geboten werden, zu dem die Wählergemeinschaft Untersteinach (WGU/FW) ins Musikheim eingeladen hatte. Erstmals wollte man die Veranstaltung gemeinsam mit der FDP abhalten, mit der man, so hieß es in der Ankündigung, trotz aller unterschiedlicher landespolitischen Zielsetzungen doch ein großes gemeinsames Ziel habe: den (Wieder-)Einzug in den Landtag.


Nur Fisch

Aus dem gemeinsamen Aufritt wurde aber nichts. FDP- wie auch die WGU-Mitglieder staunten, als sie Makrelen und Matjes nicht gemeinsam im Saal, sondern getrennt voneinander im Gastraum (WGU) beziehungsweise Nebenzimmer (FDP) serviert bekamen. Während die Freien Demokraten von den designierten Kandidaten Michael Otte (Landtag) und Thomas Nagel (Bezirkstag) dann mit kernigen Worten auf die Wahlen im Herbst eingestimmt wurden, blieben die WGU-Besucher sich selbst überlassen: Es gab Fisch, aber keine Draufhauen auf den politischen Gegner, denn die angekündigten Redner, der Landtagskandidat der Freien Wähler, Rainer Ludwig, und Bezirkstagskandidat Klaus Förster, kamen nicht.
"Einige Herren wollten die gemeinsame Veranstaltung nicht", sagte WGU-Vorsitzender Helmut Bergmann bei seiner kurzen Stippvisite im FDP-Gefilde, um dann deutlich zu machen, dass er sich persönlich auch eine gemeinsame Veranstaltung mit CSU oder SPD hätte vorstellen können.


Der "O-Prozent-Mann"

Politisch wurde es dann bei der FDP, als Thomas Nagel vor allem die SPD-Parteispitze um Ex-Vorsitzenden Martin Schulz ("Vom 100-Prozent- zum 0-Prozent-Mann") und dessen designierte Nachfolgerin Andrea Nahles ("Ein Armutszeugnis für die Sozialdemokratie") ins Visier nahm. "Die SPD hat nach der Bundestagswahl kein Rückgrat bewiesen", sagte Nagel, um sogleich darauf zu verweisen, dass seine Partei Haltung bewahrt habe, als sie aus den Jamaika-Sondierungsgesprächen ausgestiegen sei. Die FDP lasse sich nicht verbiegen. "Wo FDP drauf steht, ist auch FDP drin." Auch die Bundeskanzlerin bekam ihr Fett ab: "Merkel opfert Ministerien, um an der Macht zu bleiben", sagte Nagel, der im Koalitionsvertrag ein Digitalisierungsministerium ebenso vermisst wie eine Antwort darauf, wie der Bund die Kommunen stärken will.
Der Bezirksvorsitzende, der sich vom Wiedereinzug der FDP in den Landtag überzeugt zeigte, blickte auch auf die Bezirkstagsarbeit: Ziel müsse es sein, über E-Government unkomplizierte Bürgeranträge zu ermöglichen, das Thema Barrierefreiheit weiter zu forcieren oder auch die Kulturförderung auszubauen.


"Karneval in Berlin"

Vom "Karneval in Berlin" sprach Michael Otte, der für die FDP den Einzug in den Landtag anstrebt. Otte schoss scharf gegen die geschäftsführende Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, äußerte sich auch zur geplanten Besetzung der Ministerien in Berlin: "Da ist die Besetzung der Augsburger Puppenkiste ja seriöser."
Dass aus dem gemeinsamen politischen Aschermittwoch nichts geworden ist, bedauerte der FDP-Kreisvorsitzende. "Ich hätte Rainer Ludwig nicht gefressen."


Ludwig: Passt nicht

Warum Ludwig nicht nach Untersteinach gekommen ist? Er habe vor Wochen einer mündlichen Einladung der WGU zu einer Veranstaltung zugesagt, die sich nun aber zu einer FDP-Veranstaltung entwickelt habe. "Ich habe dann abgesagt und erklärt, dass ich unter den gegebenen Bedingungen nicht als Gastredner zur Verfügung stehe." Während vonseiten der FDP vom Bezirk Einladungen herausgegangen seien, habe für die Freien Wähler nur der Ortsverband eingeladen. "Das passt nicht", sagte Ludwig, nach dessen Worten die Veranstaltung "nicht vernünftig durchkonzipiert wurde".



Förster: "War nicht eingeladen"

Bezirkstagskandidat Klaus Förster erklärte auf Anfrage, dass er keine Einladung erhalten habe. Er habe nur über einen E-Mail-Verkehr eines Parteifreundes erfahren, dass er in Untersteinach eine Rede halten solle. "Ich war deshalb auch nicht in Untersteinach", sagte Förster, der sich am Abend den Fisch in Thurnau schmecken ließ: bei einer Veranstaltung der dortigen Freien Wähler.
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