Kulmbach
Gehörlosengeld

Gehörlose Menschen: Der Wunsch nach mehr Teilhabe

Sabine Jaye hat eine Petition für ein bayerisches Gehörlosengeld auf den Weg gebracht. Warum sie das für nötig hält , berichtet sie im Interview.
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Symbolbild: Maria Rossbauer, dpa
Symbolbild: Maria Rossbauer, dpa

Sabine Jaye kommt aus Burgkunstadt und ist Mitglied im Vorstand des Gehörlosenvereins Kulmbach. Sie hat eine Petition auf den Weg gebracht, mit der eine Änderung des beziehungsweise Erweiterung des bayerischen Blindengeldgesetzes erreicht und ein Gehörlosengeld eingeführt werden soll. Über den aktuellen Stadt sprach sie mit der Bayerischen Rundschau im Interview. BR:Frau Jaye, Sie werben seit Monaten unermüdlich um Unterschriften für eine Petition, mit der ein bayerisches Gehörlosengeld gefordert wird. Worum genau geht es?Sabine Jaye: Gehörlose oder schwer hörbehinderte Menschen stoßen im Alltag immer wieder auf Barrieren. Eines der größten Hindernisse: Für viele alltägliche Dinge wie Behördengänge, Termine bei der Bank, den Kauf einer neuen Küche oder ein Beratungsgespräch in die Buchhandlung bräuchten wir eigentlich einen Dolmetscher, der für uns in die Gebärdensprache übersetzt. Solche Dolmetscher müssen wir aber selber zahlen.

Nur in Ausnahmefällen und auf Antrag werden die Kosten vom Staat übernommen - dann zum Beispiel, wenn es um Kurse zur beruflichen Integration geht. Ein Gehörlosengeld - wie es übrigens in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schon längst bezahlt wird - könnte dabei helfen, solche Nachteile auszugleichen. Nur so ist eine echte, gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich. Das Ohr ist das einzige soziale Organ und die Betroffenen sind zum größten Teil aus der hörenden Gesellschaft ausgeschlossen. An wen richtet sich die Petition? Die Petition richtet sich an die Bayerische Landesregierung. Wie viele Unterschriften sind nötig und wann ist der letzte Termin? Wir haben die erforderliche Unterschriftenzahl von 10 000 schon erreicht, der Stand ist aktuell nun bei 10 400. Die Petition läuft noch bis zum 30. September, und natürlich sammeln wir bis dahin weiter, auch wenn das Quorum erreicht ist. Wie geht es dann weiter? Wir arbeiten seit einigen Wochen in einem Arbeitskreis an einem Konzept. Netzwerk Hörbehinderte (NHB) Bayern, der Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. und Gehörlosenverband München und Umland sind mit involviert. Hinzu kommen die Bezirksverbände Bayerns. Am 7. Oktober wird die Petition an Ministerin Schreyer im Sozialministerium übergeben. Eine Pressekonferenz findet vor der Übergabe im Dokuzentrum des Landesverbandes Bayern der Gehörlosen e.V. statt. Die Übergabe an Frau Schreyer ist dann im Anschluss an die Pressekonferenz. Wie viele Unterschriften wurden schon gesammelt? Aktuell 10 400 Freuen Sie (und Ihre Mitstreiter) sich über die bisherige Entwicklung? Sehr! Es ist unglaublich, was diese Petition bewirkt hat. Mit dieser Entwicklung habe ich niemals gerechnet. Es hat doch einen Nerv getroffen. Wo kann man noch unterschreiben? Wo findet man Ansprechpartner, wenn man keinen Internet-Zugang hat? Man kann die Petition immer noch online unterschreiben: www.openpetition.de, einfach in die Suchmaske "Bayerisches Gehörlosengeld" eingeben.Wer keinen Internet-Zugang hat, der kann sich jederzeit bei mir melden und auf den Listen unterschreiben. Im Moment liegen Unterschriftslisten in der Schrepfersmühle im Kleinziegenfelder Tal aus. Da noch Sommerferien sind, ist diese Gaststätte sehr gut besucht. Ab 30. August bis zum 1. September liegen auch Unterschriftslisten zur Gärtenrother Kerwa am Sportheim Gärtenroth aus. Was können hörende Menschen, unabhängig von einem Gehörlosengeld noch tun, um gehörlosen Menschen eine möglichst gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen? Indem hörende Menschen sich bewusst machen, wie abgeschnitten man ist, wenn man nicht hören kann. Und es wäre optimal, wenn zum Beispiel überall in den öffentlichen Gebäuden (Polizei, Landratsamt, Krankenkassen, Flughäfen, große Bahnhöfe oder auch Stadtverwaltungen) eine oder zwei Personen die Grundlagen der Gebärdensprache beherrschen. Ab September findet übrigens ein VHS Kurs "Gebärdensprache" statt. Gebärdensprache Die Deutsche Gebärdensprache ist eine anerkannte und eigenständige Sprache. Ihr visuell-gestischer Charakter ist für Viele eine ganz neue und spannende Form der Kommunikation.

Der Kurs Die Volkshochschule Kulmbach bietet im Wintersemester einen Kurs für Gebärdensprache an. Die wesentlichen Grundlagen und Gebärden der DGS werden vermittelt und mit Blick auf grammatikalische Strukturen systematisch aufgebaut.

Details Kursbeginn Dienstag, 24. September, Unterricht jeweils dienstags 17.30 bis 19 Uhr, zehn Abende. Veranstaltungsort: Hans-Edelmann-Mittelschule, Dozent Thomas Zeidler. Mehr Infos bei der VHS Kulmbach.

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