Kulmbach
Bruttoverdienst

Gehaltsvergleich in Oberfranken: Kulmbach mit an der Spitze

Das durchschnittliche Einkommen eines Arbeitnehmers variiert in den Regionen Oberfrankens. Trotzdem sagt das wenig über die Lebenshaltungskosten aus.
Artikel drucken Artikel einbetten

2956 Euro brutto - so viel verdient ein Arbeitnehmer im Landkreis Kulmbach monatlich im Durchschnitt. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Damit bildet der Landkreis einen guten Mittelwert in Oberfranken. Das meiste Geld fließt in der Stadt Bamberg in die Taschen der Arbeitnehmer, im Landkreis Coburg ist der Betrag mit 2655 Euro am geringsten. Der Bundesdurchschnitt liegt hingegen bei 3209 Euro.

"Wird in einer Region im Schnitt brutto mehr Geld verdient als anderswo, bedeutet das noch lange nicht, dass man sich dort auch tatsächlich mehr leisten kann. Das Einkommen muss immer in Relation zu den Lebenshaltungskosten vor Ort gesetzt werden", erläutert Michael Möschel, Vizepräsident der IHK für Oberfranken Bayreuth und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach.

Das durchschnittlich höchste Brutto-Einkommen in Deutschland verdient man laut einer Statistik der Agentur für Arbeit übrigens mit 4635 Euro in Ingolstadt, gefolgt von Erlangen. Trotzdem sage eine reine Zahl auf dem Verdienstzettel wenig aus, wenn das Leben an den entsprechenden Orten spürbar teurer sei, so Möschel. Es käme immer darauf an, was von einem hohen Einkommen letztendlich netto übrig bliebe.

Das bestätigt auch die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, Evelyn Kannhäuser: "Die Höhe der Entgelte allein zu betrachten, ist in der Regel wenig aussagekräftig." Oft bleibe von einem höheren Verdienst in anderen Regionen weniger im Geldbeutel zurück, da ein Vielfaches an Ausgaben für Wohnen und sonstige Lebenshaltungskosten aufgewendet werden müsse.

Vorteile der Region

Gerade die Region um Kulmbach biete einige Vorteile gegenüber größeren Ballungsräumen. Die Situation am Wohnungsmarkt sei günstig, da Mieten und Immobilienpreise im Raum Kulmbach deutlich unter dem Wert größerer Städte lägen, so der Vorsitzende des IHK-Gremiums Kulmbach. Dies, sowie ein vielfältiges Freizeit- und Kulturangebot sei besonders attraktiv für Familien mit Kindern.

Einen günstigen Immobilienmarkt für junge Menschen mit Kindern im Vergleich zur Situation in Großstädten bestätigt auch Jörg Naumann, Immobilienmakler und Geschäftsführer von Jöna Immobilienmanagement in Kulmbach. Wie er der Bayerischen Rundschau bereits Ende Januar zu einem Beitrag über unterschiedliche Immobilienpreise erklärte hatte, hätten auch ältere Personen Gefallen an der Region, da sie Mindereinnahmen aus einer geringen Pension durch die günstigen Preise zum Wohnen ausgleichen könnten.

"Oberfranken hat das höchste verfügbare Realeinkommen aller bayerischen Regierungsbezirke", fasst Michael Möschel das Zusammentreffen vieler vorteilhafter Faktoren zusammen. Dies veranschauliche auch der Datenreport zur sozialen Lage, den das Bayerische Arbeitsministerium in regelmäßigen Abständen erhebt.

Mit Blick auf die regionalen Unterschiede der Lebenshaltungskosten gebe es leider vergleichsweise wenig harte Fakten, so Möschel weiter. Im Jahr 2009 habe das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung eine Pilotstudie vorgestellt, in der die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Regionen miteinander verglichen wurden. Laut diesem lägen die Lebenshaltungskosten im Landkreis Kulmbach zum damaligen Zeitpunkt mit knapp 24 Prozent unter dem Wert Münchens. "Wenn Sie sich die Mietpreisexplosionen in unseren Großstädten vor Augen halten, dürfte der Vorsprung Kulmbachs seitdem weiter gewachsen sein", schätzt Möschel.

Gesundheitswesen als wichtiger Arbeitgeber

Zudem sollte beim Blick auf die Zahlen auch nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich hierbei nicht um den Wohnort handelt, sondern um den Arbeitsort, zu dem viele Einwohner auch pendeln. Demnach ist es nicht verwunderlich, wenn in den Ballungsräumen mehr erwirtschaftet wird, da dort häufiger große Betriebe ansässig sind. Der Landkreis Kulmbach hat nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit ungefähr gleich viele Einpendler wie Auspendler, ein Großteil der Auspendler ist in der Stadt oder dem Landkreis Bayreuth tätig.

"Wesentlicher Faktor für die unterschiedlichen Verdienstmöglichkeiten ist zum Beispiel die jeweilige regionale Wirtschaftsstruktur mit ihren Branchen- und Tarifschwerpunkten", merkt Evelyn Kannhäuser an.

Zu den wichtigsten Branchen im Landkreis Kulmbach zählen nach Angaben des Vorsitzenden des IHK-Gremiums Kulmbach Möschel das Gesundheitswesen, in welchem rund 7,5 Prozent aller Beschäftigten im Raum Kulmbach beschäftigt sind. Zudem sind Einzelhandel, Nahrungs- und Futtermittelhersteller sowie der Maschinenbau wichtige Arbeitgeber.

Generell zeige sich laut Kannhäuser, dass im verarbeitenden Gewerbe eher überdurchschnittliche Bruttomonatsentgelte zu erzielen seien, während diese in den Bereichen Handel sowie Gesundheits- und Sozialwesen oft unterdurchschnittlich ausfielen



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren