Untersteinach
Entdeckung

Gebürtiger Kulmbacher forscht mit an einer medizinischen Sensation

Mediziner haben ein Eiweißmolekül entdeckt, das Bindegewebszellen umprogrammiert. Zu dem Ärzteteam gehört auch der gebürtige Kulmbacher Andreas Ramming.
Artikel drucken Artikel einbetten
Andreas Ramming (rechts), Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie am Universitätsklinikum Erlangen, freut sich, es endlich geschafft zu haben: "Es war eine Riesenteamleistung." Links Thomas Wohlfahrt, der erste wissenschaftliche Doktorand des Rheumatologen.Werner Reißaus
Andreas Ramming (rechts), Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie am Universitätsklinikum Erlangen, freut sich, es endlich geschafft zu haben: "Es war eine Riesenteamleistung." Links Thomas Wohlfahrt, der erste wissenschaftliche Doktorand des Rheumatologen.Werner Reißaus

Dem gebürtigen Kulmbacher und früheren Untersteinacher Andreas Ramming (38), inzwischen Oberarzt am Universitätsklinikum Erlangen, ist mit weiteren Kollegen der Klinik für Rheumatologie und Immunologie ein medizinisch-wissenschaftlicher Quantensprung gelungen. Die Forschungsarbeit wurde am 30. Januar im Internet publiziert, und es war die Aufgabe von Andreas Ramming, alles zu koordinieren und zusammenzubringen: "Es war einfach eine tolle Arbeit. Wissenschaftler quer über den Globus von Australien, USA bis England haben dazu beigetragen." In die Kulmbacher Heimat pflegt Ramming regelmäßigen Kontakt: "Es ist immer wieder schön, hier Familie, Freunde und Bekannte zu treffen."

Der Erlanger Oberarzt hat nach dem Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium lange überlegt, ob er den wissenschaftlichen Weg in der Medizin wählen soll oder ob es Medizin mit Patientenbehandlung werden soll: "Es ist mir lange Zeit schwer gefallen, eine Entscheidung zu treffen, letztlich habe ich mich aber für das Medizinstudium entschieden und habe dann durch die Möglichkeit, an der Universitätsklinik zu arbeiten, den richtigen Weg gefunden, um beides miteinander zu kombinieren." Das wissenschaftliche Rüstzeug hat er an den Universitäten in München und Zürich erhalten. Die vier Jahre, die Andreas Ramming mit Forschungsarbeiten in München und Zürich verbrachte, waren für den Mediziner zwingend notwendig. "Es war wichtig zu lernen, wie man so etwas aufbaut und wie man an wissenschaftliche Fragestellungen herangeht."

Die Ausbildung zum Facharzt lief in Teilen parallel dazu. Damit hatte Ramming es neben der Forschungsarbeit auch immer wieder mit Patienten zu tun: "Der Patientenkontakt war mir immer sehr wichtig. Ich bin auch jetzt kein reiner Forscher. Die Kombination aus Forschung und Patientenversorgung ist eine sehr interessante und spannende Aufgabe."

Die Rheumatologie ist ein relativ junges Fach, in dem gerade in den zurückliegenden 20 Jahren sehr viel für die Patienten durch konsequente Forschung erreicht wurde, so Ramming. "Bessere Medikamente wurden entwickelt, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten geführt haben. Besonders hier ist die Verzahnung von Wissenschaft und Patientenversorgung sehr wichtig."

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass Andreas Ramming mit Kollegen bei einer Forschungsarbeit in der Medizin für Aufsehen sorgte. Bereits vor zwei Jahren konnte er einen neuen Mechanismus aufdecken, wonach Gelenkentzündungen bei Rheumatikern chronisch werden.

Jetzt hat der gebürtige Kulmbacher mit seinen Kollegen ein Eiweißmolekül erforscht, das die Bindegewebszellen umprogrammieren kann. Von dem Wissenschaftlerteam aus aller Welt wurde ein molekulares Netzwerk entschlüsselt, das diese Prozesse kontrolliert und dadurch eine neue Möglichkeit für die Therapie von Organvernarbung darstellen könnte. Die Ergebnisse zeigen, dass das Eiweiß PU.1 die krankhafte Ablagerung von Bindegewebe verursacht. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt im renommierten Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Ramming: "Wir haben einen riesigen Zuspruch, auch international, erfahren."

Wie Andreas Ramming erklärt, kommt es bei Bindegewebserkrankungen - sogenannten "Fibrosen" wie beispielsweise der Systemischen Sklerose - durch eine überschießende Aktivierung von Bindegewebszellen zu einer Verhärtung des Gewebes und zu einer Narbenbildung innerhalb des betroffenen Organs: "Diese Krankheiten können prinzipiell jedes Organsystem befallen und sehr häufig zur Störung der Organfunktion führen. Bindegewebszellen spielen bei Gesunden eine Schlüsselrolle bei der normalen Wundheilung. Kann jedoch die Aktivierung von Bindegewebszellen nicht abgeschaltet werden, kommt es zu fibrotischen Erkrankungen. Warum diese Reparaturprozesse bei fibrotischen Erkrankungen ausarten, war jedoch bisher unklar."

Das Wissenschaftlerteam um Andreas Ramming am Lehrstuhl für Innere Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg konnte nun einen molekularen Mechanismus entschlüsseln, der für die andauernde Aktivierung von Bindegewebszellen verantwortlich ist. "Wir konnten nachweisen, dass PU.1 bei verschiedenen Bindegewebserkrankungen in der Haut, Lunge, Leber und der Niere aktiviert wird." Der Erlanger Oberarzt: "PU.1 ist gleichsam der Dirigent in einem Orchester. Nimmt man ihn heraus, fällt das gesamte Konzert in sich zusammen."

Die Ärzte bauen nun darauf, dass bald klinische Studien zur Hemmung von PU.1 starten können, damit Fibrose künftig besser behandelt werden kann. Der eigentliche Durchbruch zu dieser Forschungsarbeit gelang bereits vor eineinhalb Jahren, aber es galt, noch einige "Löcher" zu stopfen, wie es der Erlanger Oberarzt formulierte.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren