Thurnau
Thurnauer Schlosstheater

Fußball regiert seine Welt

Fußball regiert die Welt: Wolfgang Krebs feierte mit dem Ein-Mann-Stück "Leben bis Männer" im Thurnauer Schlosstheater eine gelungene Premiere.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kalle lebt mit dem Fußball. Foto: Katharina Müller-Sanke
Kalle lebt mit dem Fußball. Foto: Katharina Müller-Sanke
Wolfgang Krebs feierte mit dem Ein-Mann-Stück "Leben bis Männer" im Schlosstheater Thurnau Premiere. Er spielt darin einen Mann, bei dem der Autor des Stückes, Thomas Brussig, offenbar davon ausgeht, dass es sich um einen durchschnittlichen Ostdeutschen handelt.
Der Mann heißt Kalle und hat eine einfache Sicht auf die Welt. Er ist leicht rechts, wenn auch nicht zu sehr. Er sieht die DDR durch eine rosarote Brille und ist - zumindest seit der Wende - stetig unzufrieden. Er ist frauenverachtend, Autoritäten verehrend und - was bei diesem Exemplar besonders ausgeprägt ist - fußballverrückt. Der Titel des Stückes weist darauf hin: "Leben bis Männer".


Die Mannschaft

Im Leben von Kalle geht es in erster Linie um die Mannschaft,
die er trainiert: von der Jugend bis eben zu den "Männern". Er erzählt vom Aufstieg seiner Mannschaft, blickt aber auch insgesamt auf Fußballgeschichte. Er erklärt die Welt mit dem runden Leder: seine kleine Welt und auch die großen Zusammenhänge. Überall findet er Analogien zu seinem Sport.

Am besten und ernsthaftesten ist die Analogie eigentlich am Ende herausgearbeitet. Dann nämlich erklärt Kalle, dass es im Fußball besonders ums Gehorchen geht. "Hier ist kein Platz für Individualitäten!", brüllt er. Genau wie an der Mauer. Überall muss geschossen werden - auf Befehl. Entscheidungen des Einzelnen sind nicht vorgesehen. Dem Zuschauer wird dieser tiefere Sinn des Stückes erst viel
zu spät offenbart.


Er klaut und verkauft

Vorher gibt es einiges zu Lachen. Weil Kalle die Welt derart einfach sieht, erscheinen selbst seine rassistischen Äußerungen komisch. Ganz lässig und ohne sich etwas dabei zu denken, erzählt Kalle davon, wie er Fässer der Brauerei, für die er arbeitet, klaut und verkauft. Ganz selbstverständlich erscheint ihm, dass er seinen Sohn nicht mehr sieht, seitdem der nicht mehr in der Mannschaft ist. "Ich durfte ihn nur am Sonntag sehen. Und am Sonntag sind die Spiele: Was sollte ich machen? Ging halt nicht....", berichtet Kalle resigniert.


Schuld sind die Frauen

Schuld daran sind seiner Ansicht nach die Frauen. Denn bei der Scheidung hatte eine Richterin den Vorsitz. Die Richterin soll ihn gefragt haben: "Was ist Ihnen wichtiger: Fußball oder ihre Frau?" Da konnte Kalle nicht lügen und hat "Fußball" gesagt. Überhaupt scheint er eine ehrliche Haut zu sein. Ein einfacher Geist, der für alles eine Erklärung hat.


Weitere Aufführungen

Wer Kalle und seine Fußball-Welt erleben will, kann das bei den weiteren Aufführungen am 21. und 29.April sowie am 5. und am 18. Mai. Das Stück "Leben bis Männer" ist eine Koproduktion mit dem Landestheater Oberpfalz. Regisseur ist Till Rickelt. Die nächste Premiere am Schlosstheater Thurnau findet am 13. Mai mit "Wein, Weib und Goethe" statt. kms
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren