Thurnau
Konzert

Für Dirigent Heimo Bierwirth war es das letzte Thurnauer Schlosskonzert

Trotz der auch abends noch tropischen Temperaturen hat der Musikverein Thurnau bei seinem Schlosskonzert eine Mammutaufgabe bravourös gemeistert.
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Das Hauptorchester des Musikvereins präsentierte sich in bestechender Form. Links Dirigent Heimo Bierwirth, für den es das letzte Schlosskonzert war. Foto: Horst Wunner
Das Hauptorchester des Musikvereins präsentierte sich in bestechender Form. Links Dirigent Heimo Bierwirth, für den es das letzte Schlosskonzert war. Foto: Horst Wunner
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Erst der stahlblaue Himmel über dem oberen Schlosshof, später Sterne und Feuerschalen bildeten ein Traumambiente für die Veranstaltung, die zum 19. Mal stattfand, zum zehnten - und wohl auch letzten Mal - unter dem Dirigat von Heimo Bierwirth.

Fast 600 Zuhörer strömten in den historischen Schlosshof. Sie erlebten eine Nacht voller Emotionen und musikalischer Qualität, die man suchen muss. Die Thurnauer Leidenschaft für Blasmusik ist sprichwörtlich, saßen doch 28 Interpreten des Jugendblasorchester zwischen acht und elf Jahren sowie 47 des Hauptorchester mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren auf der Bühne.

Das muss man erst mal können

Die Zukunft sieht also ganz hoffnungsvoll für den heimischen Musikverein. Und das muss man erst mal können: Nahezu drei Stunden in diesem Genre zu unterhalten - ohne Schwächen; und mit einem nicht so geläufigen Mix aus Märschen, sinfonischer Blas-und Filmmusik und anspruchsvollen Rock-Klassikern. Zu hören waren Kompositionen von Georg Friedrich Händel, Phil Collins, Eric Clapton und Dimitri Schostakowitsch. Das Publikum war fasziniert, ganz Ohr und wollte mit dem Klatschen nach der letzten Zugabe gar nicht mehr aufhören.

Dazu hatte es auch allen Grund, denn sowohl der Nachwuchs als auch die Routiniers sandten ein machtvolles Klangbild und eine furiose Blechkraft in das Rechteck, die sich an den Mauern brachen. Herrlich unkompliziert "Woodpackers Parade", man meinte, den Specht in den Bäumen über einem beim Hämmern zu hören, jugendlicher Elan sprengte manchmal fast die Tongrenzen. Aber was soll's, sie lernen ja noch.

Wahre Tonflut

Auch melodisch getragene Interpretationen wussten die jungen Talente dezidiert näherzu bringen, "With Eyes of Fire" war so ein Beispiel in leicht eingefärbter Eleganz. Marco Harttig setzte am Schlagzeug noch Solo-Elemente. Der Nachwuchs ließ sich auch durch die Feuerwehrsirene nicht aus dem Takt bringen, die die Aktiven zu einem Waldbrand im Limmersdorfer Forst rief.

Danach das Hauptorchester mit einer wahren Tonflut, zehn Stücke in kontinuierlicher Folge aneinandergereiht. Man brauchte Sitzfleisch, um das Repertoire aus zehn Jahren Schlosskonzert- Dirigententätigkeit aufzunehmen und zu verarbeiten. Aber es lohnte: klare Diktion, ruhig Passagen mit Einfühlungsvermögen. Beim nachdenklich stimmenden "schmelzenden Riesen" von Armin Kofler wurde die Sehnsucht nach einer besseren Umwelt zart wie auf Engelsflügeln getragen interpretiert, ehe wuchtige Trommelschläge die Bedrohung ankündigten.

Genau dazu passend das ansatzlose Einschwingen von Querflöten, Klarinetten und Saxofonen. Später wuchteten akzentuierte Trompetenstöße, ein perfekter Hörnerklang und das Sonore der Tuba in den Schlosshof, ehe der "Second Waltz" von Schostakowitsch, klassisch, zum sich ein bisschen Verlieren verleitete. Heimo Bierwirth versteht es eben, das einem Blasorchester mit zugeben.

Mit Herzblut

Perfekte Rhythmen, schrille Tonkaskaden, als wollten die Musiker gerade das Entern eines Schiffes musikalisch ausdrücken, und bewundernswerte Homogenität unterstrichen in "Piraten der Karibik" die spielerische Reife und den Facettenreichtum des Hauptorchesters. Händels "Sarabande" und "Anchors Aweigh" waren die gelungenen Schlussstücke, mit Herzblut zu später Stunde vorgetragen, die einem erinnerungswürdigen Konzert noch die besondere Note gaben.

Man spürte auch den Abschiedsschmerz von Heimo Bierwirth, denn 2019 war sein letztes Schlosskonzert. Da war es ihm nachzusehen, dass die Replik über das Geleistete etwas länger dauerte. Er redete sich fast in einen Rausch, die Zuschauer dankten es ihm dennoch mit herzlichen Beifall.

Dank an Hans Schwenderr

Und ohne einen Mann geht beim Thurnauer Schlosskonzert nichts: Der heimische Unternehmer Hans Schwender ist der, der es einst einführte und bis heute mit vielen Freunden für das Sponsoring sorgt. Sein Engagement hob besonders Vorsitzender Martin Koslowski hervor, "er ist die Stütze des Vereins". Und Schwender ergänzte ganz bescheiden: "Ich will nur die Freude an der Musik weitergeben."

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