Marktschorgast
Ausbildung

Friseursalon in Marktschorgast geht neuen Weg bei der Ausbildung

Im Friseursalon AK - Der Friseur in Marktschorgast gibt es ein neues Ausbildungskonzept, von dem sowohl Salon als auch Azubis profitieren sollen.
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Sophia (links), Dorothea (hinten) und Aleyna haben Spaß bei ihrer Ausbildung zum "Hair & Beauty Artist".Stefanie Gleixner
Sophia (links), Dorothea (hinten) und Aleyna haben Spaß bei ihrer Ausbildung zum "Hair & Beauty Artist".Stefanie Gleixner

Dorothea, Sophia und Aleyna sitzen selbstbewusst in Frisierstühlen im Salon. Die drei jungen Frauen lachen und erzählen, dabei sieht man ein begeistertes Funkeln in ihren Augen.

Sie erzählen von ihrem letzten Blockunterricht, bei dem sie etwas über die richtige Kundenberatung gelernt haben. "Es ist wichtig, dass die Kunden mehr sprechen als die Friseure. Und man darf keine manipulierenden Fragen stellen, denn dann antwortet der Kunde das, was der Friseure hören möchte", erzählt Aleyna.

Seit August sind sie bei Annette Kurz-Mähringer in der Ausbildung. In ihren beiden Salons in Marktschorgast und Bayreuth werden sie nach dem Konzept von La Biosthétique und der Sociéte Francaise de Biosthétique Deutschland e.V. ausgebildet. Dies ist die größte private Friseur und Kosmetikvereinigung in Deutschland mit ca. 1 600 Salonunternehmen.

"Die Auszubildenden bei mir machen eine Ausbildung zum Hair & Beauty Artist nach dem Konzept von La Biosthétique", sagt Annette Kurz-Mähringer. Neben der klassischen Friseur-Ausbildung gibt es die Zusatzqualifikation zum Hair & Beauty Artist. "Wir lernen die neuesten Make up-Trends, Kosmetik und Maniküre", erklärt Sophie.

"Die Ausbildung dauert genauso drei Jahre wie die klassische Ausbildung. Nur ist das Niveau höher, da ja die Zusatzqualifikation auch noch in den regulären Unterricht integriert werden muss", erklärt Annette Kurz-Mähringer. Den Blockunterricht absolvieren die jungen Frauen an der Privatschule von La Biosthétique in Darmstadt. Jährlich sind das zwölf Wochen Unterricht.

"Acht Stunden pro Tag haben wir Schule, die natürlich anstrengend ist, aber die Lehrer geben uns immer einen guten Wechsel aus Theorie- und Praxisinhalten. So haben wir letztes Mal zwischen der ganzen Theorie die Handmassage gelernt. Das ist dann eine schöne Abwechslung", erzählt Dorothea.

"Wir wollen selbstbewusste, motivierte junge Leute, die für das Handwerk brennen, und der Nachwuchs liegt mir dabei besonders am Herzen. Und in der heutigen Zeit müssen wir den Bewerbern etwas besonders bieten, damit sie sich für uns entscheiden", sagt Annette Kurz-Mähringer.

So sieht das auch die Arbeitsagentur in Bayreuth. "Verfolgen Ausbildungsbetriebe neue Ansätze und ergänzen die klassischen Ausbildung durch besondere Zusatzqualifikationen oder -leistungen, ist dies sicher ein Weg, um den Betrieb für Nachwuchskräfte attraktiv zu machen oder auch bestimmte Zielgruppen anzusprechen", sagt Pressesprecherin Evelyn Kannhäuser.

Anfang des Jahres entschied sich Annette Kurz-Mähringer deshalb, sich den La Biosthétique-Salons anzuschließen: "Das Konzept der Ausbildung hat mich total überzeugt und passt sehr gut zu uns." Dorothea, Sophia und Aleyna sind nun die Ersten in ihrem Salon, die nach diesem Konzept ausgebildet werden.

"La Biosthétique hat für seine Kunden mit dem Hair & Beauty Artist eine Zusatzqualifikation entwickelt, die der Philosophie dieser Salons Rechnung trägt", sagt Doris Ortlieb vom Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks. "La Biosthétique ist es damit gelungen, die Ausbildung im Interesse seiner Kunden zu gestalten, ohne mit den rechtlichen Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes in Konflikt zu kommen. In der Vergangenheit sind alternative Ausbildungskonzepte der haarkosmetischen Industrie regelmäßig am rechtlichen Rahmen gescheitert."

Michaela Heimpel von der Handwerkskammer Oberfranken sagt dazu: "Das Konzept ist ein zusätzlicher Baustein in der Aus- und Weiterbildung im Friseurhandwerk. Es gibt mehrere private Initiativen, meinst von großen Haarpflegemittelherstellern, die bei Qualifizierungen in ähnliche Richtungen gehen. Zu beachten ist dabei allerdings, dass meist - wie es auch bei dem Konzept der Sociéte Francaise de Biosthétique Deutschland e.V ist - nicht jeder Salon daran teilhaben kann und diese private Initiative natürlich auch separat kostet."

Die Kosten für die Privatschule trägt der Ausbildungsbetrieb. Annette Kurz-Mähringer investiert in ihre Azubis, damit sie auch nach der Ausbildung noch bei ihr bleiben und viel lernen. "Die Ausbildung in der Schule in Darmstadt ist einfach super. Wir haben so viel Spaß dort und haben neben Theorie auch viel Praxis. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so viel Spaß in der Schule haben werde", sagt die 16-jährige Dorothea lachend.

Durch die praktischen Übung während der Schulphase können die Auszubildenden bei Rückkehr in den Salon direkt ihr Können in die Tat umsetzen. Und das wesentlich früher als bei einer üblichen Ausbildung. "Bei normalen Salons ist man im ersten Jahr meistens nur Putzkraft und darf nichts anderes machen. Das ist hier nicht so. Ich durfte bereits am zweiten Tag am Kunden arbeiten. Und wenn ich den Kunden sagen kann, wie sie sich schöner machen können, und ich dann nach kurzer Zeit schon Komplimente für meine Arbeit bekomme, dann macht mich das schon sehr stolz", sagt Aleyna mit einem Lächeln.

Wegen der Praxisnähe und des Zusatzes des Hair & Beauty Artists haben sich die drei dafür entschieden. "Ich habe in einer Zeitschrift davon gelesen und wollte das dann unbedingt machen", sagt die 17-jährige Sophia.

Bereut haben sie die Entscheidung nicht. Alle drei würden es wieder tun. "Wir brennen für das, was wir tun, und es macht uns Spaß, Neues zu lernen und das Wissen direkt anzuwenden. Wir sind so ein vollwertiges Teammitglied und können selbstständig am Kunden arbeiten. Wir werden sanft aus unserer Komfortzone geschubst, und das hilft immer besser zu werden", sagt die 17-jährige Aleyna überzeugt.

Und dass die drei viel wissen, merkt man ihnen an, wenn sie von ihrem Job, ihren Aufgaben und ihrer Ausbildung erzählen. Das überzeugt auch die Kunden, die begeistert sind von den jungen Frauen, die so viel können, obwohl sie erst am Anfang ihrer Ausbildung stehen.

"Die Kunden wissen, dass wir einen höheren Anspruch an uns und die Ausbildung haben, deswegen entscheiden sie sich bewusst für unseren Salon. Und wenn ich mir meine drei Auszubildenden ansehe, dann weiß ich, dass ich damit den richtigen Weg gehe", sagt Annette Kurz-Mähringer.

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