Kulmbach
Beruf

Friseurhandwerk: Mehr als färben, schneiden, legen

Nadine Burger aus Grafendobrach hat mit ihren 23 Jahren schon ein großes Ziel erreicht: den Meisterbrief im Friseurhandwerk. Und sie hat noch weitere Pläne.
Artikel drucken Artikel einbetten
Anna-Lena Massier lässt sich die Haare von Friseurmeisterin Nadine Burger kolorieren.  Foto: Stephan Tiroch
Anna-Lena Massier lässt sich die Haare von Friseurmeisterin Nadine Burger kolorieren. Foto: Stephan Tiroch
Party machen, Spaß haben und Flausen im Kopf - Vorurteile über die Jugend gibt es genug. Solche vorgefassten Meinungen lassen sich aber leicht wider legen: durch junge Leute wie Nadine Burger (23). Sie hat in jungen Jahren schon ein großes Ziel erreicht - sie hat den Meisterbrief im Friseurhandwerk in der Tasche.
Ihr nächstes Ziel: Sie will sich in absehbarer Zeit eine eigene Existenz aufbauen. Dass sie es schafft, daran hat sie keinen Zweifel. "Ich bin sehr strebsam", sagt sie über sich.

Die junge Frau aus Grafen dobrach steht stellvertretend für eine ganze Generation - denn aus dem Landkreis Kulmbach haben jetzt 21 Jungmeister des Handwerks ihre Ausbildung abgeschlossen.
Alle zwischen 20 und 30 Jahre alt, haben sie die Ärmel hochgekrempelt für den Meisterbrief.

Vorbildlich, meint die Chefin der Arbeitsagentur Kulmbach, Pia Vierneusel: "Wir empfehlen jedem, in seine berufliche Qualifikation zu investieren. Das sichert den eigenen Arbeitsplatz, denn man ist flexibler und hat größeres Wissen." Davon profitieren nach ihren Worten aber auch der Betrieb, die Kollegen und letztlich die Kunden, denn die Meister bringen aktuelles Wissen ein. Vierneusel zufolge ist es sinnvoll, "möglichst früh, als junger Mensch vor der Familien phase, wenn man noch mehr Zeit hat", an einer Höherqualifizierung zu arbeiten. Die Handwerksordnung habe sich hier verändert und ermögliche es, den Meister gleich an den Gesellenbrief anzuhängen.

Für ihr berufliches Fortkommen hat Nadine Burger Zeit, Geld und Hirnschmalz investiert und im letzten halben Jahr auf vieles verzichtet. Ein halbes Jahr lang Meisterschule bei der Handwerkskammer in Bayreuth, jeden Tag acht Stunden, und abends und am Wochenende büffeln für den Erfolg. Berufsbezogene Theorie und Praxis, kaufmännische Kenntnisse, Buchführung, Controlling, Marketing, dazu Pädagogik und Psychologie, um später Lehrlinge ausbilden zu können. Gar nicht wenig, was man als Meisterin können muss - viel mehr als färben, scheiden, legen.

Nicht zu vergessen die Arbeit am Meisterstück, bei Nadine Burger am lebenden Modell: eine Frau und einen Mann komplett frisieren und stylen - inklusive Kosmetik und Maniküre.

Die Arbeitstage als Meisterschülerin sind immer länger als acht Stunden - dafür muss sie finanziell erheblich kürzertreten. "Ohne das Meisterbafög wär's nicht gegangen. Das hat mir sehr geholfen, man verdient in dem halben Jahr ja nichts", sagt sie. Über Geld redet sie nicht gern - aber sie hat wie die anderen Jungmeister schon eine fünfstellige Summe investiert. "Man schränkt sich da aber gerne ein", versichert sie.

Eine neue Arbeitsstelle hat die 23-Jährige auch schon wieder gefunden: im Salon "Hair Express" im "Fritz"-Einkaufszentrum, wo sich die Jungmeisterin nach der halbjährigen Pause darauf freut, "wieder in den Beruf reinzukommen". Bevor sie dann als Jungunternehmerin durchstarten will.

Jungmeister aus dem Landkreis Kulmbach

Meisterbriefe
Aus dem Kreis Kulmbach kommen - neben Nadine Burger - noch 20 weitere Jungmeister: Ronny Kellermann, Kulmbach, Metallbauer; Benjamin Mösch, Kulmbach, Kraftfahrzeugtechniker; Eugen Singer, Kulmbach, Metallbauer; Johannes Mayer, Mainleus, Kraftfahrzeugtechniker; Luisa Passing, Mainleus, Fleischerin; Michael Passing, Mainleus, Installateur und Heizungsbauer; Matthias Pöhlmann, Mainleus, Elektrotechniker; Marco Schubert, Mainleus, Installateur und Heizungsbauer; Stephan Pohl, Thurnau, Kraftfahrzeugtechniker; Andreas Heller, Marktleugast, Installateur und Heizungsbauer; Sebastian Groß, Wartenfels, Bäcker; Sebastian Kremer, Reichenbach, Elektrotechniker; Sebastian Müller, Guttenberg, Zimmerer; Michael Jahreis, Ködnitz, Metallbauer; Andreas Wehner, Ködnitz, Kraftfahrzeugtechniker; Vitali Haar, Himmelkron, Kraftfahrzeugtechniker; Stefan Kramer, Hornungsreuth, Zimmerer; Kathrin List, Neudrossenfeld, Friseurin; Katrin Pittroff, Neudrossenfeld, Friseurin; Sven Bergmann, Wonsees, Zimmerer.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren